+
Einkaufsservice für Hilfsbedürftige bieten die beiden Studentinnen Marieke Behlen und Sophia Klausner.

Viele weitere Hilfsangebote

Coronavirus: Diese Studentinnen gehen für ältere Mitbürger einkaufen

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
    schließen

Für ältere Mitbürger ist der Coronavirus besonders gefährlich. Den Weg in den Supermarkt spart man sich da gerne. Eine Gruppe Studenten übernimmt den Einkauf für Risikogruppen.

Schäftlarn/Landkreis – Es herrscht Ausnahmezustand. Spätestens seitdem die Straßen wie leer gefegt sie, die Restaurant Essensklappen anbieten, die Schulen und Kitas geschlossen sind und Toilettenpapier gehamstert wird, ist den meisten Menschen im Landkreis klar – die Lage ist ernst. Doch mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben geht eine Welle der Hilfsbereitschaft einher. Engagierte Bürger organisieren sich und bieten vor allem älteren Menschen Hilfe in Zeiten der Coronakrise an.

„Ich selbst habe zwei ältere Freunde, sie sind 70 und 81 Jahre alt“, sagt Fadi Mansour (31). „Ich wollte den beiden während der Pandemie helfen.“ Denn vor allem ältere Bürger gehören zur Risikogruppe. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Schäftlarn besorgte nicht nur für die zwei Senioren die wichtigsten Dinge im Supermarkt, er organisierte weitere Helfer und einen Flyer, den er in vielen Geschäften aufhang oder im Bus verteilte.

„Sind dabei Angebot auf den Norden des Landkreises auszuweiten“

Das Plakat mit der Aufschrift „Einkaufshilfe wegen Coronavirus – Studenten für Senioren“ fällt sofort ins Auge. Trotzdem hatten Mansour und seine Kommilitonen Startschwierigkeiten. „Am Anfang war es schwer, ältere Menschen zu erreichen“, sagt der 31-Jährige, „vielen fällt es schwer, Hilfe anzunehmen“. Mittlerweile klingelt sein Handy in regelmäßigen Abständen. Er koordiniert die Gruppe, die aus etwa 30 Münchner Studenten besteht. Er ist der Vermittler zwischen den Hilfsbedürftigen und denen, die helfen wollen. „Wir sind dabei das Angebot auch auf den Norden des Landkreises auszuweiten“, sagt Mansour. In Schäftlarn und den Nachbargemeinde sei die frisch gegründete Organisation schon gut aufgestellt.

Kontakt

Die Gruppe um Fadi Mansour bietet Einkaufshilfe im Landkreis München an. Falls Sie Unterstützung brauchen, scheuen Sie nicht davor, die Studenten zu kontaktieren. Tel. 0152/276 380 52.

Die Idee ist leicht erklärt: Die älteren Bürger oder Menschen mit Vorerkrankungen rufen bei der Nummer, die auf dem Flyer notiert ist, an und werden von Mansour weitergeleitet an einen Studenten, der in der Nähe wohnt. Der Senior gibt die wichtigsten Dinge per Telefon durch und der Helfer besorgt sie. Die wichtigsten Dinge – „das sind Lebensmittel, Hygieneartikel oder auch Medikamente. Es sollten jedoch wirklich notwendige Sachen sein“, sagt der 31-Jährige. Die Gruppe bietet diese Hilfeleistung jedoch nicht für jeden an. „Wir sind ja kein Lieferdienst“, sagt Mansour. „Das Angebot richtet sich vor allem an alleinstehende ältere Menschen ohne Familie in der Nähe.“

Das Konzept der Einkaufshilfe steht schon fest, die Feinheiten sind jedoch noch unklar. „Ich muss in den nächsten Tagen ein paar Regeln aufstellen, gerne zusammen mit einem Arzt“, erklärt der Schäftlarner. Vor allem die Frage wie und wo die Einkäufe abgegeben werden sollen, ohne in Kontakt mit den Senioren zu kommen, müsse geklärt werden. „Wir sind ja erst in Phase 1“, sagt Mansour. Das Wichtigste sei, die Hilfsbedürftigen in der derzeitigen Lage zu unterstützen. „So wie ich das sehe, werden viele Menschen Hilfe brauchen von Leuten, die nicht zur Risikogruppe gehören“, sagt Mansour.

Über die aktuellen Entwicklungen im Landkreis München rund um den Coronavirus informieren wir Sie in unserem Ticker.


Weitere Angebote 

Über den Landkreis München verteilt, bieten einzelne Bürger und Vereine ihre Hilfsbereitschaft an und möchten die Corona-Risikogruppe bei Erledigungen unterstützen.

Unterhaching: Die JU Unterhaching geht für ältere und vorerkrankte Menschen einkaufen, damit diese sich nicht der Gefahr aussetzen müssen. Falls Sie Hilfe brauchen, melden Sie sich telefonisch unter 0162/9 89 22 89 oder per E-Mail an einkaufservice@juuhg.de. 

Pullach: Die Gemeinde Pullach hat zusammen mit der Seniorenbeauftragte Annegret Riquarts eine Liste aus Helfern erstellt. Diese sind per E-Mail unter ehrenamt@pullach.de oder unter 089/74 47 44 71 zu erreichen. Auch die Nachbarschaftshilfe bietet Unterstützung an (Tel. 089/12 09 26 96). 

Neubiberg: Thomas Pardeller bietet einen Einkaufsservice für die Risikogruppe an. Hilfesuchende können ihren Einkaufszettel und die Adresse per E-Mail an info@thomas-pardeller.de schicken oder die Einkäufe telefonisch unter 0174/8 47 84 70 aufgeben. 

Grasbrunn: Die Nachbarschaftshilfe organisiert Einkaufsnotdienste in Grasbrunn. Hilfsbedürftige können sich unter Tel. 08106-36 84-87 (Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr) informieren. 

Haar: Die Gemeinde Haar richtet eine Koordinationsstelle für einen Einkaufsdienst ein. Eingeladen sind alle, die zur Risikogruppe gehören oder unter Quarantäne stehen, das Angebot anzunehmen. Kontakt: Per E-Mail dechent@gemeinde-haar.de oder Telefon 089/46 00 23 02. 

Unterföhring: Der Rugby Club Unterföhring nutzt die spielfreie Phase und kauft für die Risikogruppe ein. Ein Anruf oder eine Nachricht an Tel. 0175/146 63 72 oder E-Mail nachbarschaft@rugby-unterföhring.de genügt.

Ismaning: Der Burschenverein Ismaning bietet für ältere und kranke Bürger eine Einkaufshilfe an. Der Service ist unter Tel. 0176/70 67 63 59 zu erreichen. 

Schreiben Sie uns! Sie möchten auch auf Ihren Einkaufsdienst aufmerksam machen? Der Münchner Merkur veröffentlichen Ihre Hilfsangebote gerne, um noch mehr Menschen zu erreichen. Schreiben Sie uns unter: lk-sued@merkur.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Warum ist am Mittwoch „Bergfest“ und was bedeutet der Begriff?
Warum ist am Mittwoch „Bergfest“ und was bedeutet der Begriff?
WhatsApp: Sind gelöschte Nachrichten wirklich für immer verschwunden?
WhatsApp: Sind gelöschte Nachrichten wirklich für immer verschwunden?
Massive Störung: Tausende deutschlandweit ohne Internet - Kunden wütend: „Unerträglich“
Massive Störung: Tausende deutschlandweit ohne Internet - Kunden wütend: „Unerträglich“
Reinhard Mey: Familien-Fundament erschüttert
Reinhard Mey: Familien-Fundament erschüttert

Kommentare