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Verlockung Lockerung: Landrat appelliert an Vernunft der Bürger

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Von: Patricia Kania

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„Ich mache mir weniger Sorgen um die Menschen, die verreisen“, sagt Landrat Christoph Göbel. © Robert Brouczek

Die Entwicklung der Corona-Zahlen im Landkreis München gibt Grund zum Optimismus. Dennoch warnt Landrat Christoph Göbel vor der Verlockung der Lockerungen. Er nimmt die Bürger in Pflicht.

Landkreis – Konstant niedrige Fallzahlen, nur noch 51 diagnostizierte Corona-Infektionen im Landkreis, und auch in den Pflegeheimen entspannt sich die Situation mehr und mehr: Landrat Christoph Göbel (CSU) war beim gestrigen Pressegespräch angesichts der aktuellen Entwicklung sichtlich erleichtert. Jetzt geht es darum, dass das aber trotz Lockerungen auch so bleibt.

Die Öffnung der Gaststätten und Biergärten, vor allem aber der Innenbereiche der Restaurants etwa sieht Göbel mit Sorge. Er glaubt, dass es viele Menschen verleitet, sich wieder in Gruppen zum gemeinsamen Feiern zu treffen. Gerade jetzt, wo die Pfingstferien vor der der Tür stehen und der Landkreis über viele attraktive Ausflugsgaststätten verfügt. Die Gastronomen könnten unmöglich kontrollieren, wer da zum gleichen Hausstand gehört und wer nicht, sagt Göbel. „Ich kann es verstehen, dass die Leute sich treffen wollen, aber ich appelliere an die Bürger, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten.“ Er selbst hätte gerne den Geburtstag der Schwiegermutter groß nachgefeiert, aber die Vernunft habe am Ende gesiegt.

„Gefährlichen und völlig falschen Signalwirkung“

Richtig findet es Landrat Göbel, mit den Lockerungen den Menschen schrittweise die Verantwortung zurückzugeben, aber eben mit Sinn und Bedacht und nicht wie in Thüringen mit einer „gefährlichen und völlig falschen Signalwirkung“, alles sei wie vorher.

Wie schnell die Infektionszahlen wieder nach oben schnellen können, habe der Fall in einem niedersächsischen Lokal gezeigt. Dort hatten sich bei einer Feier mehr als 20 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 150 sind inzwischen in Quarantäne. Davor graut es dem Landrat. Und dass man auf die Vernunft nicht immer vertrauen kann, zeigt ein aktueller Fall in Unterschleißheim. Am Dienstag berichtete die Polizei über einen groben Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz in einem dortigen Lokal. Bis 2.30 Uhr hätten in dieser Gaststätte mehrere Personen gefeiert. Die Gäste wechselten von Tisch zu Tisch und hielten sich nicht an die Mindestabstände.

In den Ferien wird auch der Reiseverkehr wieder Fahrt aufnehmen. Urlaubsreisen innerhalb der Länder mit ähnlich niedrigen Fallzahlen bewertet der Landrat als unproblematisch. Wer verreist, wolle meist draußen unterwegs sein und bewegt sich nicht in großen Gruppen. „Ich mache mir weniger Sorgen um die Menschen, die verreisen, als um die, die daheim bleiben“, sagt Göbel.

Situation in Pflegeheimen hat sich entspannt

Entspannt hat sich die Situation derweil in den Pflegeheimen. Insgesamt fünf Senioren sind in zwei Altenheimen aktuell mit dem Virus infiziert – damit ist eine Einrichtung mehr betroffen als noch vor zwei Wochen. Beide Einrichtungen seien laut Göbel gut betreut.

16 infizierte Asylbewerber befinden sich darüber hinaus derzeit in Quarantäne. Diese sind allerdings noch immer nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im eigens eingerichteten Containerblock in Unterhaching (wir berichteten) untergebracht. Fünf Containerblöcke seien belegbar, in drei anderen fehlt noch die Brandschutzprüfung. Insgesamt befinden sich im Landkreis aktuell noch 92 Asylsuchende in häuslicher Quarantäne, 277 Kontaktpersonen haben die Quarantäne bereits wieder verlassen und waren nicht erkrankt, 67 gelten als genesen.

Aufgrund der guten Entwicklung will der Landkreis ab Juni auch die Verantwortung Stück für Stück von den Kommunen an das Gesundheitsamt zurück übertragen. Das heißt, dass die kommunalen Teststationen auf vier bis sieben Testzentren verdichtet werden. Die Koordinierung bleibt in der Hand von Versorgungsarzt Oliver Abushi in enger Kooperation mit den Hausärzten vor Ort. 

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