In festen Gruppen spielen die Buben und Mädchen in der Kinderwelt Grasbrunn. Derzeit werden 100 Kinder betreut.

„Es war herzzerreißend“

Tränen an der Glasschleuse: So lief der Neustart in Krippe, Hort und Co.

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
    schließen

Die Betreuungseinrichtungen im Landkreis füllen sich stetig. Die Freude bei den Kindern über das Wiedersehen war vielerorts groß, mitunter flossen sogar Tränen. Ein Besuch.

Grasbrunn/Garching – So langsam füllen sich die Kinderkrippen und Horte wieder. Seit 11. Mai werden die Viertklässler nachmittags betreut, vorige Woche kamen die Kinder, die im Herbst 2021 eingeschult werden, hinzu. Für „systemrelevante Notfälle“ hatten das Kinderwelt Grasbrunn und die Regenbogenvilla Garching sowieso immer offen. Beide Einrichtungen sind angekommen in der neuen Betreuungsnormalität. Ein Besuch.

Emotionales Hallo

Die Kinderwelt in Grasbrunn, bestehend aus Krippe, Kindergarten und Hort, hat Platz für 246 Kinder. Über 100 sind derzeit wieder da, ab Juli dürfen alle kommen. Zuletzt erschienen die angehenden Schulkinder nach drei Monaten erstmals wieder. Wie alle anderen empfing das Personal sie an der Glastür-Schleuse. Ein emotionales Wiedersehen. „Das war herzzerreißend“, erzählt Kerstin Westphal, die das Kinderhaus seit sieben Jahren leitet. „Einige Kinder haben vor Freude geweint, einige wollten ihre Eltern nicht loslassen, andere haben beim Abholen die Erzieherin umklammert und wollten nicht heimgehen. Da war echt die Hölle los.“

Lars Baumgart mit Greta (6) und Avery (9). „Ich habe mich mit meiner Frau im Homeoffice abgewechselt, das ging schon – aber wir sind alle froh, dass das Kinderhaus wieder offen ist“, sagt der Papa. „Schule, Lehrerin und Freundinnen sind einfach cooler als zu Hause“, schwärmt Avery.

Im Haus gelten strenge Hygiene-Vorschriften, ständiges Händewaschen, getrennte Toiletten, alle Kinder müssen täglich – bei jedem Wetter – raus in den Garten, die Gruppen dürfen sich nicht vermischen. Kein einfaches Unterfangen. „Wenn Kinder spielen, dann rücken sie wie Magnete aufeinander zu, das können wir kaum vermeiden“, sagt Ramona Christl, die den Hort führt. Doch nicht nur den Kindern scheint der Weg zurück in die Betreuungsnormalität schwer zu fallen. Wie Kinderwelt-Leiterin Westphal berichtet, hat sie „unzählige Nachrichten“ von Eltern auf dem Handy. „Fast alle haben den Tenor: Wir vermissen euch sehr – und wir vermissen unsere Kinder auch unheimlich.“

Die Mamas und Papas hat das Kinderwelt-Team in den vergangenen Wochen stetig auf dem Laufenden gehalten. Die Kommunikation zwischen Eltern und Behörden lief per Mail, Whatsapp oder Brief. Derweil führte das Personal neue Strukturen ein. Ab 13. März hatte die Grasbrunner Kinderwelt für drei Tage zu. „Dann“, berichtet Leiterin Westphal, „begannen wir mit 20 Kindern von systemrelevanten Eltern.“ Also Kindern von Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern. Während viele Mitarbeiter Überstunden abbauten, war ein 20-köpfiger Stamm immer anwesend. Das Betreuungsteam putzte, desinfizierte, räumte auf und schrieb täglich neue Pläne, wie es weitergehen kann. Vor der Corona-Pandemie hatte die Einrichtung täglich elf Stunden geöffnet, jetzt in mehreren Schichten – falls sich mal ein Kind oder ein Erzieher in einer Gruppe ansteckt, sodass nicht das ganze Haus lahmgelegt wäre.

Beinahe Vollbetrieb

Nadine Herold mit Ella (6) und Moritz (4). „Wir wurden täglich vom Kinderhaus über den neuesten Stand informiert“, lobt die Mama. Die Kinder seien glücklich, dass sie wieder in die Regenbogenvilla gehen dürfen.

Elke Köbl leitet das AWO-Kinderhaus Regenbogenvilla Garching, Ilka Pommerenke ist für den Hort zuständig. Statt der 126 Kinder, die normalerweise betreut werden, sind es jetzt 115. „Die noch fehlen, haben entweder keine Geschwisterkinder im Haus, fallen nicht in die Altersstufenregelung oder die Eltern sind nicht systemrelevant“, sagt Köbl. Die Regenbogenvilla war vier Wochen geschlossen. „Wir haben die Eltern gefragt – es gab keinen Bedarf an einer Notgruppe“, berichtet Pommerenke. Die 16 Mitarbeiter waren aber keineswegs untätig, neben Putzen und Desinfizieren haben sie ein Schutzkonzept und eine Hausordnung erarbeitet sowie zahlreiche Bastelvorlagen verschickt. Das Garchinger Kinderhaus-Team erstellte Videos mit Liedern, Bilderbüchern, japanischem Papiertheater und Kochtipps. „Zu Mutter- und Vatertag konnten die Kinder Brownies backen nach einer Videoanleitung“, erinnert sich Köbl. Die Clips wurden auf Google hochgeladen. „Wir wollten unsere Kinder nicht verdursten lassen, den ganz engen Kontakt halten, haben sie nie im Stich gelassen“, sagt Köbl. Jedes Kind bekam zum Beispiel ein eigenes Osternest nach Hause gebracht. Die Betreuer und Betreuerinnen erhielten als „Gegenleistung“ von den Kindern Bildern, Fotos und Briefe.

Nach Ostern startete das Kinderhaus mit drei Buben und Mädchen, dann kamen jede Woche ein paar mehr. Alle Eltern wurden fast täglich informiert, wussten so vor dem Neustart Bescheid über das strenge Hygienekonzept. Auch hier in Garching tragen die Kinder im Haus keine Masken. Und auch kann oder will man sie beim Spielen innerhalb ihrer Gruppen nicht ständig an den Abstand erinnern. Die Vorgaben haben die Wiedersehensfreude nicht geschmälert. „Alle Kinder begrüßen uns mit den Worten: Endlich dürfen wir wieder zu euch kommen. Das ist so schön“, sagt Köbl.

Ramona Dub mit ihren Töchtern Zoe (5) und Amelie (7) sowie deren Freundin Selina (7). „Die Kinder zweieinhalb Monate zu Hause zu haben, war schön - aber auch stressig und am Schluss sehr langweilig“, sagt die Mama.

Beide Einrichtungen in Grasbrunn und Garching überlegen, wie sie mit den Sommerferien umgehen, denn viele Eltern haben keinen Urlaub mehr. In Grasbrunn werden die Eltern noch abgefragt, in Garching hat man sich bereits für zwei Wochen Ferien entscheiden. „Wir brauchen das für unser Team, um den geplanten Regelbetrieb ab September in gewohnter Qualität meistern zu können“, betont Köbl.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unterschleißheim wagt den Schritt: Wo lang rollt der Roboterbus?
Unterschleißheim setzt auf moderne Technik. Die Stadt hat eine Vorstudie für ein mögliches Pilotprojekt im Landkreis in Auftrag gegeben.
Unterschleißheim wagt den Schritt: Wo lang rollt der Roboterbus?
Schule am Sportpark: Vor sechs Jahren eröffnet, jetzt schon zu klein
Anfang 2014 wurde die Grund- und Mittelschule am Sportpark in Unterhaching eröffnet. Jetzt platzt sie aus allen Nähten. Um die Raumnot zu beseitigen, hat sich der …
Schule am Sportpark: Vor sechs Jahren eröffnet, jetzt schon zu klein
Bootfahrverbot auf Isar - Landratsamt befürchtet „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“
Mit dem Boot auf der Isar fahren - das ist ab Samstag erstmal nicht mehr möglich. Das Landratsamt München hat ein Verbot erlassen. 
Bootfahrverbot auf Isar - Landratsamt befürchtet „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“
Dank Polizei: Training auf Profi-Niveau
Der nationale Top-Leichtathlet Yannick Wolf aus Baierbrunn hat seine Freiluft-Saison beim Springer- und Werfertag in Wasserburg erfolgreich eröffnet.
Dank Polizei: Training auf Profi-Niveau

Kommentare