Weitere Entwicklung beim Coronavirus
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Weitere Entwicklung beim Coronavirus

Landrat: „Angst ist ein schlechter Ratgeber“

Coronavirus: Landkreis richtet vielerorts Teststationen ein - so funktioniert‘s

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Ämter und Kommunen im Landkreis München schalten in den Krisenmodus. Vielerorts sollen nun Teststationen für das Coronavirus, um den steigenden Infektionszahlen Herr zu werden.

Landkreis – Am Ende wird der Landrat ganz persönlich. Erzählt von seinem Sohn, der die Gräfelfinger Kita besucht, die als erste im Landkreis München wegen eines Coronafalls unter Quarantäne stand. Von seiner hochschwangeren Frau, um deren Gesundheit er sich sorgt. Sorge ja, aber bitte keine Panik, das ist die Botschaft, die Christoph Göbel in die Öffentlichkeit tragen will. „Ich weiß, wie es sich anfühlt“, sagt er. „Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber.“

Die sich ausbreitenden Coronavirus-Pandemie sei gefährlich für alte und gesundheitlich angeschlagene Menschen. Die gelte es jetzt zu schützen. „Und ich glaube daran, dass das gelingt“, sagt Göbel am Freitagnachmittag im Landratsamt. „Dafür tun wir das alles.“

„Das alles“ – damit meint der Landrat einen gemeinsamen Plan des Kreis-Gesundheitsamtes und aller 29 Landkreiskommunen. Bürgermeister und Verwaltungsbeamte berieten sich am Freitagvormittag in Unterhaching. Sie diskutierten, wie steigenden Infektionszahlen – am Freitag gab es landkreisweit 32 bestätigte Fälle, die sich auf 17 Kommunen verteilten – und der Suche nach denjenigen, die Kontakt zu Covid-19-Patienten hatten, Herr zu werden ist.

Rolle der Gemeinden

Das Ergebnis: Die Gemeinden fungieren ab sofort ganz formell als Außenstellen des Gesundheitsamtes. Sie schaffen Teststationen vor Ort, die Verdachtspatienten zu Fuß oder mit dem Auto ansteuern können – nach Ismaning, Oberhaching, Garching und Grünwald, wo solche Einrichtungen bereits im Aufbau waren, ziehen die anderen nun nach. „So schnell wie möglich“, sagt Göbel.

Weil Schutzkleidung knapp und das Testen in Arztpraxen zeitaufwendig und umständlich sei, nehme diese Maßnahme Druck vom System. Dazu gehöre auch, dass die Betroffenen die Rachenabstriche per Tupfer unter kundiger Anleitung selbst vornehmen können.

In unserem Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München auf dem Laufenden.

„Die Zahl der Tests wird schnell sehr viel größer werden“, vermutet Göbel. Damit werde es künftig auch länger dauern, bis Ergebnisse vorliegen. „Das macht aber nichts“, sagt der Landrat. Entscheidend sei vielmehr, dass Infizierte und enge Kontaktpersonen der „1. Kategorie“ sich schleunigst in Quarantäne begäben, um die Ansteckungskette zu unterbrechen. Es werde durch die Maßnahmen mehr Tests und mehr Menschen in Quarantäne geben. „Das nehme ich in Kauf“, sagt Göbel. Aber Gesunde würden nicht „zur Beruhigung“ getestet – das überlaste sonst die Labore. „Wir müssen darauf vertrauen, dass die Menschen mitmachen“, appelliert der Landrat an die Vernunft der Bürger. Erst bei schwereren Symptomen sollten sie sich beim Hausarzt melden, der eine Einlieferung ins Krankenhaus veranlassen könne.

Krankenhausbetten

Um steigende Erkrankungszahlen abzufangen, gelte es, sicherheitshalber vorauseilend Krankenhausbetten vorzuhalten so Göbel weiter. Das Gesundheitsamt sei in Sachen Intensivversorgung in Kontakt mit den Vertragskliniken des Kreises in Perlach und Pasing. Darüber hinaus sei denkbar, notfalls Kapazitäten bei Privatkliniken abzurufen – auch bei orthopädischen oder chirurgischen Fachkliniken. Die Finanzierung sei noch unklar, im Zweifel werde Göbel aber den Kreistag um Gelder aus dem Kreishaushalt bitten.

Kommunalwahl

Es werde möglicherweise zu kurzfristigen Schließungen von Wahllokalen kommen – gerade jener in Altenheimen. Die Wahlvorstände vor Ort würden aber für Alternativen sorgen. „Jeder muss wählen können“, sagt Göbel. Des Weiteren werde der Kreis das Bürgertelefon zum Coronavirus personell aufstocken – Göbel räumt aber ein, dass es überlastet bleiben werde.

Im Ausland hätten sich die Testzentren vor Ort bewährt, sagt Landrat Göbel über den gemeinsamen Vorstoß aus dem Landkreis München. Für das konzertierte Vorgehen, auf das sich die kommunalen Entscheidungsträger für diesen Krisenfall verständigt haben, gebe es keine Blaupause, keine staatlichen Vorgaben von Freistaat oder Bund. Darauf wollten sie aber auch nicht mehr warten, lässt Göbel durchblicken. „Ich frage sicherheitshalber nirgendwo nach.“

Informationen

Der Landkreis rät zur Information online. Das Bürgertelefon ist unter 089/62 21 12 34 geschaltet.

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