Das Dach ist weiter offen

Ottobrunn - Großprojekt am Eisstadion Ottobrunn könnte kippen

Ottobrunn - Nach oben offen präsentiert sich trotz intensiver Bemühungen um ein Dach nicht nur das Ottobrunner Eisstadion am Haidgraben, sondern offenbar auch die Kostenspirale für das Großprojekt. Im Gemeinderat offenbarte der Blick auf die Kostenaufstellung einen Nettopreis von fast 1,5 Millionen Euro. Vom Anfangs-Referenzwert der frühen Planungsphasen in Höhe von etwa 550 000 Euro hat sich die Projektplanung damit weit entfernt. Entscheidung fiel auf dieser Kostengrundlage in der letzten Sitzung vor der Sommerpause keine. Stattdessen sollen die Räte Einsparpotentiale und Alternativlösungen prüfen.

Der Traum vom Dach über dem Eisstadion ist für heuer ausgeträumt. Die Stimmen sollten im Rat die steigenden Kosten deutlich widerspiegeln. „Sollte es bei rund 1,4 Millionen Euro bleiben, habe ich mit dem Projekt Bauchschmerzen“, gestand Günther Kopperger aus dem Vorstand des ERSC Ottobrunn, dessen Sportler händeringend ein Stadiondach herbeisehnen.

„Es ist ein großer Kostendruck vorhanden“, unterstrich Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Er sprach vor allem von „Faktoren“. Aus dem Faktor eins sei längst Faktor drei mit fast dreifachen Kosten entstanden. Aus der „Lösung mit Charme“ (Loderer) mit hoher Amortisation von Kosten und Erträgen ist ein zumindest 1,5-Millionen-Projekt geworden. Die planerischen Notwendigkeiten auf dem schmerzlichen Weg zu „Faktor 3“ hatte zuvor Projektplaner Peter Zarecky umrissen. Sein Riemerlinger Architekturbüro war von der Gemeinde mit der Machbarkeitsstudie beauftragt worden. Seine vierseitig engbeschriebene Kostenaufstellung für Rohbau, Heizung, Lüftung oder eine Drainage entlang der Eisfläche samt Versorgungskanälen zwischen Arena und Haidgraben ließen manchen Rat erschrocken zurück, vor allem beim Blick auf die avisierte Endsumme, in die auch der sonst durchaus übliche Risikozuschlag noch gar nicht eingerechnet war.

Die geplante Stahlhallenkonstruktion mit einem Dach von 44 Metern Tragweite würde auch den Einsatz von Kränen mit Großausleger und womöglich für die Bauphase auch einen Teilabtrag von Tribünen notwendig machen. Auch die Ammoniak-Kühlung unter der Eisfläche bedarf wohl kostenintensiver Absicherung.

Räte wie Axel Keller (FDP) versuchten sich als Planer mit Vorschlägen einer „einfacher gestalteten Baustelle“ und asymetrischer, weil sparsamerer Dachkonstruktion. Verena Seifert (Grüne) googelte in der Sitzung nach Alternativen. Sie lieferte das Angebot eines österreichischen Herstellers ans Auditorium: „Ein Textilmembran-Dach mit Holz und auf der Basis nachwachsender Rohstoffe“ brachte sie zum Stahlkonstrukt alternativ ins Spiel. Die SPD machte sich vor allem Sorgen um die Kosten. „Wir müssen von den Preisen runter“, appellierte Sabine Athen. Deren zusätzliche Kostenerwartung im Zuge einer Nutzungsausweitung etwa für Konzerte beschied Ratschef gleich abschlägig. „Eine andere Nutzung als den Eislauf können wir knicken, bei dieser Preiseentwicklung sind weitere Auflagen nicht zu bezahlen.“ Auch beim ERSC Ottobrunn zeichneten sich Sorgen ab. „Der Katalog ist eine gute Grundlage, aber wir müssen an Alternativen arbeiten“, bilanzierte Kopperger. Einsparpotentiale nutzen, lautete die Forderung vieler.

Harald Hettich

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