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UnternehmerTUM, Entrepreneurship Center und MakerSpace in Garching

Aus Inventionen sollen Innovationen soll Geld werden

Was haben Carl von Linde, Claude Dornier, Peter Kowalsky, Sissi Closs und Stefan Vilsmeier gemeinsam?

Sie haben alle an der Technischen Universität München (TUM) studiert und danach äußerst erfolgreiche Unternehmen gegründet: Linde, Dornier, Bionade, Comet und BrainLab. Darauf ist man bei der TUM zurecht stolz. Um das künftig zu forcieren und so aus Inventionen Innovationen werden, wurde in Garching die „UnternehmerTUM GmbH“ gegründet, das Zentrum für Innovation und Gründung. Bislang letzter Meilenstein war die Eröffnung des in Europa einzigartigen „Entrepreneurship Centers“ sowie des „MakerSpace“.

Eismaschine, Bierfässchen und Roboter-OP

Die Tradition, dass aus Studenten weltweit erfolgreiche Unternehmer werden, besteht an der TUM schon sehr lange. Carl von Linde war einer der ersten Professoren. 1877 gründete er seine „Gesellschaft für Lindes Eismaschinen AG“. Heute heißen die Innovationen „Braufässchen“, mit dem jeder schnell und einfach zu Hause individuelles Bier brauen kann; „voxeljet“ beschäftigt sich mit der Entwicklung und Herstellung von 3D-Drucksystemen; „AeroLas“ entwickelt und produziert kundenspezifisch Luftlager und luftgelagerte Antriebssysteme; „SFC Energy“ widmet sich der Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen für eine mobile und netzferne Stromversorgung; „BrainLAB“ bietet Systeme für bildgesteuertes Operieren und Strahlentherapie an und „Wilex“ widmet sich der Entwicklung von Arzneimitteln zur gezielten und nebenwirkungsarmen Behandlung sowie Diagnostika zur hochspezifischen Erkennung verschiedener Krebsarten. Mittlerweile sind es über 700 Unternehmen mit mehr als 14.000 Beschäftigten, die von Absolventen der TUM seit 1990 gegründet wurden, sieben davon sind an der New Yorker Börse notiert.

Jeder bekommt die Unterstützung, die er benötigt

Susanne Klatten, reichste Frau Deutschlands, gründete das „UnternehmerTUM“, das Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München (TUM). Jedes Jahr nehmen über 1000 Studierende hier an Seminaren und Vorlesungen teil. Das Ergebnis: jährlich rund 50 neue Firmengründungen, sogenannte Start-ups. Im Jahr 2015 haben TU München und UnternehmerTUM dann alle Angebote für Gründer unter einem Dach gebündelt und mit Hilfe des Freistaats an der Lichtenbergstraße in Garching für 17 Millionen Euro ein eigenes „Entrepreneurship Center“ gebaut. Auf über 6000 Quadratmetern erhalten hier Studierende, Wissenschaftler und Start-ups die Unterstützung, die sie benötigen. Das Ziel sei es, an der TUM die unternehmerische Gründerkultur zu stärken, die im Vergleich etwa zu Berlin noch hinterherhinkt. Laut dem aktuellen Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft fördert allerdings keine große Hochschule Unternehmensgründungen so gut wie die TUM. Im neuen Entrepreneurship Center erhalten aber nicht nur Gründer aus der TU München Unterstützung, begleitet und unterstützt werden auch etablierte Unternehmen und Technologie-Start-ups bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie beim erfolgreichen Geschäftsaufbau und Markteintritt.

Bei uns wird jeder zum Maker!

Ziel von TUM und UnternehmerTUM ist die Identifikation von aktiven, innovativen Technologien, vornehmlich aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik, Biowissenschaft, Umwelt- und Medizintechnik. Diese sollen durch eine systematische Vernetzung von Talenten, Technologien, Kapital und Kunden neue Geschäfte initiieren. Unterteilt ist „UnternehmerTUM“ in vier Gesellschaften: In der „gGmbH“ sollen Studierende, Wissenschaftler und Profis durch praxisnahe Qualifizierung zu unternehmerischem Denken und Handeln befähigt werden. Gleichzeitig hilft man bei der Gründung der neuen Unternehmen. Die „Projekt GmbH“ bereitet innovative Technologie Start-Ups im Accelerator-Programm TechFounders innerhalb von 20 Wochen auf eine erste Risikokapitalrunde vor, bahnt mit Partnern aus der Industrie strategische Kooperationen an. Etablierte Unternehmen sollen gezielt mit innovativen Start-ups aus aller Welt zusammengebracht werden. Mittlerweile hat TechFounders sechs namhafte Industriepartner: BMW, Bosch, Festo, Siemens, MunichRe und die HypoVereinsbank. Die „FondsManagement GmbH“ stellt mit einem eigenen Fonds jungen Technologieunternehmen mit internationalem Marktpotential Kapital zur Verfügung. Und in der „MakerSpace GmbH“ sorgt Wirbelwind Phil Handy in der weltweit wohl einzigartigen High-Tech-Werkstatt dafür, dass aus jedem Schreibtischtäter mit viel Grips und Ideen, aber zwei linken Händen, innerhalb weniger Stunden ein Produzent von eigenen Prototypen oder Kleinserien wird. „Wir haben hier die modernsten und teuersten Maschinen, die man sich nur vorstellen kann. Bei uns kann man jegliche Materialien schneiden, bohren, drehen oder fräsen oder sonst wie bearbeiten. Unsere etwa 1000 Kunden, die regelmäßig kommen, finden hier jedes Werkzeug vom supermodernen 3-D-Drucker bis zur Hobelbank. Wenn irgendetwas fehlt, dann kaufen wir es!“, betont Geschäftsführer Phil Handy.

Unternehmensgründer sind männlich

Teams, die noch vor der Gründung stehen und sich keine eigenen Büros leisten können, finden im Entrepreneurship Center Räume, die sie zeitweise nutzen können: in geschützten, eigenen Räumen, oder in einer der 20 Arbeitsinseln. Laut TUM-Pressesprecher Klaus Becker werden die meisten Firmen von Männern aus der Taufe gehoben, „die stellen aber auch zwei Drittel unserer Studenten“, so Becker. Eines der wenigen Beispiele einer erfolgreichen Gründung mit einer Frau an der Spitze ist „accu:rate“. Angelika Kneidl beschäftigt sich mit der Simulation von Besucherströmen bei Großveranstaltungen mit dem Ziel, Eingänge, Fluchtwege, Auf- und Zugänge perfekt zu planen.

Li.plus: das enorme Potenzial des Akku-Tests

Martin Brand und Christian Huber haben in ihrem Team eine Technik entwickelt, mit der Batterien schneller, präziser und einfacher als bisher getestet werden können. Noch ist ihre Firma „Li.plus“ nicht eingetragen, sie nutzen jedoch die Hightechwerkstatt MakerSpace, haben mehrere Wettbewerbe und damit Geld gewonnen - und vor allen Dingen erfolgversprechende Kontakte zu sehr großen Industriepartnern geknüpft. „Stromspeicher werden in den kommenden Jahrzehnten eine Schlüsselrolle in allen Bereichen der Technik haben, keineswegs nur bei Elektroautos oder –fahrrädern – da sind sich alle einig!“, führt Huber in die Thematik ein. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TUM und „finalisiert“ gerade seine Doktorarbeit. Gemeinsam mit Martin Brand und drei weiteren Kollegen haben sie die Lösung dafür gefunden, wie man Batterien schnell auf ihre Funktions- und Leistungsfähigkeit prüfen kann.

Die anderen sind nicht schlechter

Kürzlich haben sie damit den „IdeAward" der TU und damit 15.000 Euro gewonnen. Beworben hatten sich darum 60 Teams, kaum schwächer als die Batterien-Tester: Physiker Lorenz Sykora entwickelte neue Einweg-Objektträger für die Infrarot-Spektroskopie von Flüssigkeiten wie Blut, ein nach seinen Worten deutlich günstigeres Verfahren mit besseren Ergebnissen als mit den heute gebräuchlichen Trägern. Ein anderes Team stellt ein Exoskelett vor, mit dem Querschnittgelähmte mittels elektrischer Impulse ihre Beine bewegen könnten. Den zweiten Platz belegte ein Team um den Chirurgen Min-Seok Kwak. Es hat eine neue Operationsmethode gefunden, um Patienten mit chronischem Lymphödem zu helfen. Bei Mäusen und Schweinen klappt das neue Verfahren bereits gut, nun sind klinische Studien am Menschen geplant.

Wenn aus Freunden Geschäftspartner werden

Bei „li.plus“ geht es jetzt darum, ein richtiges Unternehmen zu gründen. „Und da merken wir auf einmal, wie schwierig so etwas unter Freunden ist, wenn man festlegen muss, wer wie viele Anteile und welche Aufgabenbereiche haben wird“, meint Brand. „Aber genau das ist ja auch unsere Aufgabe hier im Entrepreneurship Center, den jungen Leuten nicht nur technische Hilfe zu geben, sondern auch juristische und betriebswirtschaftliche. Dass aus der guten Idee tatsächlich eine gute Firma wird“, sagt Prof. Nicola Breugst, sie leitet die Professur für „Entrepreneurial Behavior“. Aus den Forschungsergebnissen der insgesamt vier Entrepreneurship-Professuren lernen die Gründer also, wie man richtig gründet, Netzwerke knüpft, sich und sein Produkt verkauft. Denn darum geht es im Endeffekt: wirtschaftlichen Erfolg mit neuen Ideen.

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