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Das Symbol des Christentums, das Kreuz auf der Brust, durften die beiden Bischöfe Reinhard Marx (M.r.) und Heinrich Bedford-Strohm (M.l.) auf dem Tempelberg nicht zeigen.

Nach Jerusalem-Besuch

Debatte um verborgene Kreuze

Landkreis - Bei Pfarrern und Pfarrgemeinderäten im Landkreis München stößt die Selbstkritik der Bischöfe über ihren Besuch in Jerusalem auf positive Resonanz. 

Dass Kardinal Reinhard Marx und auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sich inzwischen selbstkritisch über ihren Besuch in Jerusalem äußern, stößt bei vielen Pfarrern und Pfarrgemeinderäten im Landkreis auf ein positives Echo.

Zwar halten sich die Geistlichen naturgemäß mit Kritik an ihren Oberen zurück. Doch mehrere von ihnen nennen es gegenüber unserer Zeitung „unglücklich“ oder „ungut“, dass der Münchner Erzbischof und der EKD-Ratsvorsitzende im Oktober auf dem Tempelberg und an der Klagemauer ihre Amtskreuze ablegten – auf Bitten der muslimischen und jüdischen Gastgeber.

Dies hatte nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zu heftigen Angriffen und Diskussionen geführt, die bis heute andauern. In der Folge hatte erst Bischof Marx eingeräumt, dass der Besuch nicht gut vorbereitet gewesen sei. Wie berichtet hat nun auch Landesbischof Bedford-Strohm nachgezogen, der in einem Interview erklärte, dass es mit heutigem Wissen besser gewesen wäre, auf den Besuch auf dem Tempelberg und an der Klagemauer zu verzichten.

„Ich finde es klasse, dass sie jetzt zugeben, dass das nicht gut gelaufen ist“, sagt Pfarrer Thomas Lotz von der evangelischen Kirchengemeinde in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, der bis 2015 lange Jahre in Unterschleißheim war. Dass Bischöfe ihre Amtskreuze ablegen, habe bei ihm „ein ungutes Gefühl“ ausgelöst, sagt Lotz. Und: „Das ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die behaupten, dass das Christentum zu nachlässig gegenüber anderen Religionen ist.“ Ohnehin hätte man im Vorhinein wissen müssen, dass der Tempelberg „heikles Gelände“ ist, sagt Thomas Lotz, der selbst in Jerusalem war. „Ich denke, dass ein Besuch dort nicht nötig gewesen wäre.“

Etwas zurückhaltender äußert sich Pfarrer Rüdiger Karmann vom Pfarrverband Oberhaching. „Das Thema eignet sich nicht für Stammtischparolen, man muss das differenzierter betrachten.“ Wobei auch Karmann sagt: „Man kann sicher diskutieren, ob man diesen Besuch nicht besser hätte vorbereiten können.“ In Oberhaching jedoch sei die Diskussion über das Ablegen der Amtskreuze kein Thema gewesen, sagt Karmann. „Ich bin nicht darauf angesprochen worden.“

Ähnlich äußert sich Ursula Werner, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Ottobrunn: „Bei uns ist dieses Thema eigentlich nicht so sehr aufgekommen.“ Anders in Garching, berichtet die dortige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Nicola Gerhardt: „Offiziell war das kein Thema, aber zwischenmenschlich natürlich schon.“ Auch sie begrüßt, dass sich Erzbischof Marx nachträglich entschuldigt habe. „Gerade in der momentanen Debatte muss man vorsichtig sein. Vor einigen Jahren hätte das Ganze nicht so hohe Wellen geschlagen.“

Im Pfarrverband Kirchheim-Heimstetten sei über den Besuch der Bischöfe in Jerusalem nicht viel gesprochen worden, berichtet der dortige Pfarrer Werner Kienle. Er findet: „Wenn man offiziell als Kardinal eingeladen wird, dann ist das Kreuz legitim. Und dann kommt es mir auch komisch vor, wenn man es ablegt.“ Zugleich gibt er zu bedenken: „Der Erzbischof hat das Kreuz abgenommen und damit gezeigt, dass er die höhere Toleranz hat. Viel wichtiger als die ganze Debatte ist ohnehin der Dialog.“

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