"Der Wald ist mehr als eine Summe von Bäumen"

- Hofoldings Revierförster kämpft für Nachhaltigkeit

VON MARTIN BECKER Hofolding - Wer außerhalb der Sprechzeiten derzeit die Telefonnummer der Forstdienststelle Hofolding wählt, wird vom Anrufbeantworter mit einer ungewöhnlichen Ansage konfrontiert. "Wenn es nach den Plänen der Bayerischen Staatsregierung geht, wird diese Dienststelle demnächst geschlossen", heißt es. Rudi Tränker, der 1988 die gut 1300 Hektar Fläche des Staatswaldreviers Hofolding bewirtschaftet, macht sich ernsthafte Sorgen angesichts der Reformpläne durch die Landesregierung: "Bei uns herrschen massive Bedenken über den Weg in die Zukunft der bayerischen Waldbewirtschaftung." Deswegen haben unter anderem der Landesverband im Bund Deutscher Forstleute sowie das Bürgerwaldforum Petitionen an den Landtag gerichtet mit dem Tenor: "Das Bayerische Waldgesetz darf nicht ausgehöhlt werden!"

Kurz vor Weihnachten, beim Christbaumverkauf an der Diensthütte mitten im Hofoldinger Forst, merkte Tränker, "dass ein Großteil der Leute gar nicht weiß, worum es geht". Auf dem Spiel stehen nämlich: jawoll, unsere heimischen Wälder. "So ein Forst ist nicht in Quartalsberichten oder Legislaturperioden messbar", mahnt Tränker den Nachhaltigkeitsfaktor an - und gerade den sieht er in Gefahr.

Die Petionen wenden sich gegen gravierende Änderungen im Waldgesetz, durch die Rudi Tränker rund um die Uhr Ansprechpartner "entscheidende Eckpfeiler zur Bewahrung und Verbesserung der Qualität unserer Wälder ersatzlos gestrichen" würden (vgl. Kasten). Nach den Plänen des Landesregierung soll die staatliche Betreuung der Kommunalwälder schrittweise zurückgeführt und mittelfristig von einem gewinnorientierten Betrieb betreut werden. Wer Rudi Tränker zuhört, der spürt, wie der 49-Jährige mit Leib und Seele aus der Sicht des Försters spricht. "Zusammen mit zwei Forstwirten bin ich rund um die Uhr für die Belange des Waldes erreichbar. Ich kenne das Revier mit seinen kleinststandörtlichen Eigenheiten genau - der Waldbau ist eine Kerntätigkeit des Försters, und wegen des Lebensalters von Waldbäumen sind lange Dienstzeiten in einem einzigen Revier von Vorteil", erläutert der Revierleiter. Und ansonsten: Bereitschaftsdienste bei Waldbrandgefahr, Schichtbetrieb zur Bewältigung von Borkenkäferkatastrophen, Wildunfälle bei Nacht oder die Bergung verirrter Personen. "All dies ist nicht im Rahmen regulärer Arbeitszeiten zu leisten - die Forstdienststelle war bislang Anlaufpunkt und Koordinationsstelle für die Tätigkeiten", warnt Tränker vor einer Umstrukturierung, denn: "Folgt man den aktuellen Diskussionen in der Politik, so steht all dies auf dem Spiel. Andere Modelle werden diskutiert - ob sie besser und billiger werden, darf bezweifelt werden."

Natürlich weiß Tränker, dass seine kritischen Äußerungen "die eines Betroffenen sind". Doch es geht ihm um mehr - nämlich um Ideale wie Nachhaltigkeit, Zukunftsvorsorge, Ressourcenerhalt und die Erhaltung eines natürlichen Rohstoffs. Kinder als Sachwalter und Fürsprecher "Erst 2002, im Jahr des 250-jährigen Jubiläums der Bayerischen Staatsforstverwaltung, wurden diese Errungenschaften gebührend gefeiert, und noch in der Ausgabe von November 2003 der Staatszeitung wurden die eingeschlagenen Wege bekräftigt, von Privatisierung war keine Rede." Und nun soll plötzlich alles anders werden?

"Die Krux ist, dass Ökosysteme wie der Wald langsam reagieren. Veränderungen laufen für Fachleute schleichend, für Laien aber unmerklich langsam ab", plädiert Tränker für die dauerhafte Betreuung durch staatliche Förster. "Versäumnisse von heute tragen die Probleme von morgen in sich."

Besonders "fatale Folgen", so Tränker, hätte ein "mögliches Aufgeben der Waldpädagogik, also die Führung der Schulkinder mit dem Förster". Kinder als Multiplikatoren seien "Sachwalter des Waldes von morgen", und gerade in einer Welt von Beton und virtuellen Welten brauche der Wald kompetente Fürsprecher. Tränkers Appell im Sinne eines Erfolgs der Petitionen: "Der Wald ist mehr als eine Summe von Bäumen."

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