Das alte Fabrikgebäude muss weichen für die Erweiterung des Hotels Bauer. Was bleibt, ist ein Show- und Verkaufsraum für Orden und Trophäen in der Sonnenstraße 26. Foto: rabe

Deschler & Sohn: Ordensschmiede der Päpste und Könige wird abgerissen

Feldkirchen - Minister, Könige, ja sogar der Papst ließen bei Deschler & Sohn in Feldkirchen ihre Orden prägen.

In dem dreistöckigen Gebäude in der Münchner Straße 8 stanzten einst 80 Mitarbeiter Medaillen, bemalten Orden und vergoldeten Abzeichen für Auftraggeber aus aller Welt. Seit Dienstag schwebt über dem ehemalige Fabrikgebäude am westlichen Ortseingang die Abrissbirne. Das Haus ist in den vergangenen Jahren immer mehr zur Ruine verfallen. Auf dem Gelände, das heute Hotel-Besitzerin Maria Bauer gehört, sollen nun die Erweiterungspläne für das Hotel Bauer realisiert werden.

Die Firma Deschler & Sohn wurde 1831 in München gegründet. Sogar der berühmte „Pour le mérite“ der Preußenkönige wurde hier angefertigt, das bayerische Militärverdienstkreuz und fast alle Orden des Zweiten Weltkriegs. 1960 zog die Abzeichenfabrik von der Wirthstraße in München in die umgebaute alte Brennerei in Feldkirchen.

Helmut Stillner lenkte 22 Jahre die Geschicke der Firma: Er kam in den 40er Jahren als Angestellter zu Deschler & Sohn. 1975 bot ihm sein damaliger Chef, Gustav Kainz, das Unternehmen an. „Kaufen konnte ich die Firma damals nicht, zunächst übernahm ich sie als Pächter und zahlte monatlich hohe Beträge“, sagt Stillner. Als die Pacht auslief, wurde er Eigentümer. An arbeitsreiche Jahre und einen schillernden Kundenkreis erinnert sich der Firmenchef, der heute im Alter von 77 Jahren in Kirchseeon lebt: „Einmal kam ein Vertreter des Vatikans und ließ Auszeichnungen bei uns entwerfen.“ Auf Einladung der Deutschen Nickelwerke reiste Stillner zum äthiopischen Kaiser Haile Selassie, dessen Garde mit Metall-Beschlägen aus Feldkirchen ausgerüstet wurde, kurz bevor dessen Widersacher gegen ihn putschten. Später knüpfte Stillner bei einer Inhorgenta-Messe in München Kontakte zu Geschäftsleuten aus der DDR: „Die waren scharf auf Devisen und wir konnten in Gablonz sehr günstig produzieren lassen, so dass wir große Gewinnspannen erzielten.“ Dieser Kontakt sicherte der Firma, anders als einigen Mitkonkurrenten, nach dem Mauerfall die Existenz.

1997 verkaufte Stillner das bayerische Traditionsunternehmen an die österreichische Firma Pichl in Inzing. Aber den Firmennamen Deschler & Sohn liest man bis heute in Feldkirchen: In einem Verkaufs- und Show-Raum in der Sonnenstraße 26 nehmen zwei Mitarbeiterinnen, Birgit Lehrmann und Monika Kuhn, Aufträge an und beraten Kunden.

Hier werden Orden für die bayerischen Staatsministerien bestellt, die Stadt München gibt Abzeichen und Anstecknadeln in Auftrag. Der Automobilzulieferer Dräxlmaier in Vilsbiburg, Intel oder Brain-Lab lassen Trophäen für besonders gute Mitarbeiter anfertigen. Viele Sportvereine bestellen Pokale. Zu den Großkunden zählen der ADAC und der FC Bayern, der Anstecknadeln für seine Fans prägen lässt. Manch ein Messingblech wird auch zum Faschingsorden gepresst und findet sich an der Brust der Damischen Ritter oder der Filserbuam wieder. Und wer auf der Wiesn den Namen seiner Bedienung auf einer Metallplakette liest, sollte wissen: Auch diese ist bei Deschler & Sohn in Auftrag gegeben worden.

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