Musterschüler Pascal Müller zwischen IHK-Präsident Erich Greipl (l.) und Josef Amann, Geschäftsführer Berufsbildung der IHK. foto: ihk München

Deutschlands Bester

Putzbrunn - Pascal Müller (25) von der Firma Gore aus Putzbrunn ist der beste Produktveredler-Azubi Deutschlands. Mit einem Ergebnis von 97 Prozent hat er seine Abschlussprüfung bestanden. Dabei war Müller eigentlich nie besonders ehrgeizig, wie er sagt. Sein Realschulabschluss sei „ziemlich durchwachsen“ gewesen.

Im Fachgespräch (das ist der praktische Teil) hat Müller 100 Prozent geschafft. Im theoretischen Teil reichte es für 95 Prozent. „Das ärgert mich.“ Maschinentechnik und Veredlung, sein Fachgebiet, sind noch gut gelaufen. Aber der Bereich Sozialkunde kostete Müller wichtige Punkte. „Die haben da auch zum Teil verrückte Fragen.“

Vielleicht hat Müllers Freundin Christine Christiansen (28) seinen Ehrgeiz angestachelt. Sie schaffte 2010 deutschlandweit den besten Abschluss als Sport- und Fitnesskauffrau.

Nach der Schule hatte Müller eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht. „Da waren meine Noten auch nicht so toll.“ Sein Ausbilder und Arbeitgeber hat ihm 2007 gekündigt. Die Suche ging von vorne los.

Bei Gore hat Müller zuerst ein Drei-Tages-Praktikum gemacht. Es hat ihm sofort gefallen. „Ich musste nicht Kaffee kochen. Es ging gleich zur Sache.“ Die Arbeitsatmosphäre hat ihm besonders zugesagt. Alle in der Firma duzen sich. „Flache Hierarchien“ nennt Gore das.

„Aber die Sprache war gewöhnungsbedürftig.“ In der amerikanischen Firma wimmelt es von Anglizismen, selbst bei einem Kurzbesuch wird man damit bombardiert. Wer die Personalberatung erreichen will, muss bei HR (Human Resources) anrufen. Wenn die Gore-Leute nach einem Time-Frame fragen, wollen sie wissen wie es zeitlich aussieht.

Dafür fand Müller die Arbeitsfelder von Anfang an spannend. Die bekanntesten Produkte von Gore sind vermutlich die Kleidungsstücke mit der Marke Gore-Tex. Aber die Produktpalette geht weit darüber hinaus. Gore entwickelt und produziert Feuerwehrschutzkleidung, Kompostabedeckungen bis hin zu Herzimplantaten.

Gore muss ebenfalls von dem Müller angetan gewesen sein. Nach seinem Praktikum hat das Unternehmen ihm sofort eine Azubi-Stelle als Produktveredler angeboten. Jetzt hat Müller einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen. Darauf ruht sich der Ex-Azubi nicht aus. „Ich will auf jeden Fall studieren.“ In Münchberg bei Hof und in Deutlingen bei Stuttgart gibt es zwei FH-Studiengänge, die sich mit dem speziellen Fachbereich beschäftigen. „Nur finanzieren muss ich es noch.“

kmm

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