"Die Erfolgserlebnisse müssen überwiegen"

- Schulart-Wahl - Dem Begabungsprofil entsprechend

VON BIRGIT DAVIES Taufkirchen - "Gute Erfolge in der Schullaufbahn machen Kinder zu glücklichen und selbstbewussten Menschen, die ihren Weg im Leben leichter finden", erklärte Bernd Schmitz, Direktor der Staatlichen Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen. Zu seinem Vortrag über die Problematik der Schullaufbahn-Entscheidung fanden sich viele interessierte Eltern ein, die fachmännische Tipps zu diesem Thema einholen wollten.

Nach Schmitz Worten steht und fällt die Wahl der Schulart mit dem Begabungsprofil des Kindes. Dazu riet er den Eltern, Fachleute, wie Pädagogen, Lehrer oder auch Schulpsychologen, ohne Scheu zu Rate zu ziehen. Provokativ formulierte er, dass es "die verdammte Pflicht" der Eltern sei, sich Zeit zu nehmen, um diese wichtige Entscheidung zu fällen, denn die Schule wird dann zum Problem, wenn die Kinder nicht mehr gerne hingehen, nichts mehr leisten wollen. Und dies geschieht oftmals, weil sich die Sprößsslinge auf der falschen Schule befinden. Durch das in Bayern gegliederte Schulsystem hat man zwar die Qual der Wahl, aber gleichzeitig den Vorteil, dem Begabungsprofil des einzelnen Kindes gerechter zu werden. Dabei soll das Kind weder über- noch unterfordert sein, im Gesamtbild müssen Erfolgserlebnisse überwiegen. Jede Schulart hat ihren Eigenwert Grundlegend erklärte er, dass sich Begabung neben genetischen Anlagen vor allem durch Außeneinflüsse, wie Erziehung und Bildung, ausprägt. Als objektive Stützpfeiler der Beurteilung können die vom Kind in der Schule erbrachten Leistungen gelten und die individuelle Lernfähigkeit, die sich aus Komponenten, wie Genauigkeit des Beobachtens, Kreativität, Geduld oder Anstrengungsbereitschaft, zusammensetzt.

Schmitz betonte, dass Bayern drei wirklich verschiedene Schularten mit unterschiedlichen Zielen anbietet, die alle ihren Eigenwert haben. So ist die Hauptschule optimal für Menschen mit praktisch-manuellen Begabungen, die Realschule bietet exemplarisches, berufsorientiertes Lernen und das Gymnasium detailliertes, abstraktes Lernen, das sich Studierfähigkeit zum Ziel setzt.

Der nun seit fast 40 Jahren tätige Pädagoge berichtete, dass noch in den 80-er Jahren alle Schultypen zu jeweils einem Drittel besucht wurden, und dies ist heute auf dem Land meist noch der Fall. Im südöstlichen Landkreis Münchens dagegen gehen inzwischen knapp 80 Prozent der Kinder auf das Gymnasium. "Doch nicht jedes Kind ist für diese Schulart geeignet. So produzieren wir immer mehr Schulabgänger und junge Menschen, die sich als Verlierer fühlen, weil sie die dort abverlangten Leistungen nicht erbringen, obwohl sie in einer anderen Schule erfolgreich wären." Auf die Nachfrage, was denn mit dem oft schlechten Ruf der Hauptschulen sei, erklärte er, dass in diesem Bereich leider Mankos bestehen, da etwa Integrationsprogramme für Ausländerkinder mit oft geringer Sprachfähigkeit fehlen. Hier sieht er die Regierung in der Pflicht.

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