Wie gehen Pflegekräften mit Bewohnern um? Das ist ein Aspekt, auf den die Mitarbeiter der Heimaufsicht bei ihren Kontrollbesuchen achten.
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Wie gehen Pflegekräften mit Bewohnern um? Das ist ein Aspekt, auf den die Mitarbeiter der Heimaufsicht bei ihren Kontrollbesuchen achten.

Kontrolle in 55 Einrichtungen im Landkreis

Die Pflegewächter: So arbeitet die Heimaufsicht

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Der Pflegeskandal in Schliersee hat für Entsetzen gesorgt. In einem Seniorenheim sind die Bewohner teils jahrelang vernachlässigt worden, waren unterernährt und hatten offene Wunden. Damit sich so etwas nicht wiederholt, braucht es strenge Kontrollen - so wie die Heimaufsicht im Landkreis München.

Landkreis - Sie kommen regelmäßig, ohne Anmeldung. Am Morgen, zur Mittagszeit oder auch mal am Abend oder in der Nacht. Und sie schauen genau hin, ob in den Heimen für Pflegebedürftige und für Menschen mit Behinderungen im Landkreis alles so läuft, wie es laufen sollte: die Mitarbeiter der Heimaufsicht des Landkreises München. Denn ein Skandal, wie er erst jetzt in einem Pflegeheim in Schliersee geschehen ist, darf sich nicht wiederholen.

Die Bewohner waren hier jahrelang vernachlässigt worden, waren teilweise unterernährt und hatten offene Wunden. Jetzt ermittelt die Polizei in 88 Fällen von Körperverletzung und prüft 17 Todesfälle. Damit so etwas im Landkreis nicht passiert, sieht die Heimaufsicht im Schnitt einmal pro Jahr in jeder der 55 Einrichtungen nach dem Rechten. Dazu kommen Kontrollen, wenn es Beschwerden gab. Vieles hat sich im Lauf der Jahre verbessert, dennoch gibt es immer Luft nach oben. Und die Corona-Pandemie hat die Häuser vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Viel Zeit für Kontrollen

Etwa acht Stunden nehmen sich Peter Distler-Hohenstatt, Leiter der Heimaufsicht oder „Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA)“ wie sie offiziell heißt, und sein Team für einen Kontrollbesuch Zeit. Je nach Größe des Hauses sind bis zu zwei Pflegekräfte, eine Verwaltungskraft und ein Sozialpädagoge mit dabei. „Wir arbeiten dabei nicht stur eine Checkliste ab“, erklärt Distler-Hohenstatt. Er ist selbst ausgebildete Pflegekraft, hat Pflegemanagement studiert und Pflegeheime geleitet. Er weiß, wo man hinsehen muss. Gleichwohl gibt es einen Prüfleitfaden, in dem es um Themen wie Hygiene, Verpflegung, Wohnqualität und Pflege geht. „Wenn ich eine Einrichtung betrete und es gleich nach Urin riecht, gehe ich dem nach und schon sind wir beim Thema Hygiene“, erklärt Distler-Hohenstatt. „Oder wenn ein Demenzerkrankter viel schreit, schaue ich, wie die Pflegekräfte damit umgehen.“ Bekommen die Bewohner ausreichend zu trinken? Wie wird mit Wunden umgegangen? Wie zuverlässig ist die Lagerung und Verabreichung der Medikamente?

Mangel an Fachkräften

Ein Knackpunkt in allen Häusern: gibt es genug Fachkräfte? Distler-Hohenstatt wirft daher immer einen Blick in die Dienstpläne. „Die meisten Häuser erfüllen knapp die Fachkraft-Quote von 50 Prozent, wobei es Ausnahmen mit 70 Prozent gibt.“ Auch nachts wird kontrolliert. Ob sich wie vorgeschrieben ausreichend Personal um die Bewohner kümmert. „Wir betrachten die Arbeit in den Häusern zu jeder Tageszeit“.

Anregungen und Hilfe

Wobei es Distler-Hohenstatt nicht nur um Kontrolle geht. „Im besten Fall sagen die Leute, ,schön, dass Sie wieder mal da sind’.“ Er will helfen und beraten, wenn etwas nicht glatt läuft. Tipps geben für Verbesserungen. „Den Häusern ist ja auch dran gelegen, gut zu sein, gerade weil sie dann ein Magnet sind – für Bewohner und für Personal.“ Gleichzeitig ist Distler-Hohenstatt wichtig, dass Kritik und Anregungen ernst genommen, Mängel wirklich beseitigt werden. „Da sind wir streng.“ Schließen musste er selbst noch kein Heim. Einen Aufnahmestopp verhängt die Heimaufsicht drei bis fünfmal pro Jahr, in den meisten Fällen weil die Fachkraftquote nicht erfüllt wird. Gutes Personal oder überhaupt Personal zu finden, wird immer schwieriger.

Wo es oft noch hakt

Wo es aus Sicht der Heimaufsicht noch oft hakt: „Helfer werden zu wenig angeleitet, dabei übernehmen sie oft die komplette Grundpflege.“ Und es fänden zu wenige Pflegevisisten statt, dass also Führungskräfte den Pflegekräften regelmäßig bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. „Ich rege auch immer mehr Einzelfallbesprechungen an“, sagt Distler-Hohenstatt. Wenn eine Wunde bei Bewohner A länger nicht verheilt, wenn Bewohnerin B nicht essen möchte oder auch wenn es mal Konflikte zwischen einem Bewohner und einer Pflegekraft gibt – „auch das kommt vor, denn es menschelt in der Pflege und dann muss halt mal die Kollegin einspringen“, so Distler-Hohenstatt.

Peter Distler-Hohenstatt, Leiter der Heimaufsicht im Landkreis München.

Viele Verbesserungen

Der Pflegeexperte kann aber auch viel Gutes berichten, vieles habe sich verbessert in den vergangenen Jahren: Es gibt mehr Hilfspersonal in den Heimen vom Alltagsbegleiter über Betreuungshelfer bis zum Musikpädagogen. Die Häuser bieten mehr Orienterungshilfen mit speziellen Lichtern und Farben. Es gibt spezielle Gärten für Demenzerkrankte, Hausgemeinschaften entstehen, wo gemeinsam mit Bewohnern gekocht wird, Und demnächst wird es auch eine Pflegeoase geben, wo stark Pflegebedürftige nicht allein auf ihrem Zimmer liegen. „Es wird individueller auf Bedürfnisse eingegangen“, sagt Distler-Hohenstatt. Früher seien nach dem Abendessen alle Bewohner ins Bett gebracht worden. „Erst neulich habe ich bei einer Kontrolle nachts zwei Bewohner im Aufenthaltsbereich beisammensitzen sehen, jeder vor einem Getränk, das war ein schönes Bild.“ In einem anderen Haus schlafe eine Bewohnerin regelmäßig auf einem Sofa im Wohnbereich, weil sie zum Schlafen Geräusche um sich herum braucht.

Für Bettgitter und Fixierungen habe man Alternativen gefunden wie absenkbare Betten. Und auch der Einsatz von Psychopharmaka sei deutlich zurückgegangen. „Da sind wir auch sehr pingelig und schauen genau hin, ob die wirklich medizinisch, therapeutisch notwendig sind oder der Bewohner einfach nur ruhig gestellt werden soll“, so Distler-Hohenstatt.

An Corona gewachsen

Corona sei für die Heime zur besonderen Herausforderung geworden. „Alle haben viel in Sachen Krisenmanagement gelernt“, sagt Distler-Hohenstatt. Viel sei er unterwegs gewesen. Denn die „größte Heimaufsicht Deutschlands“, wie er die Angehörigen nennt, durften die Häuser zeitweise nicht mehr betreten. Die Mitarbeiter in den Heimen habe die Situation stark belastet, „viele Führungskräfte und Mitarbeiter haben sich voll ausgepowert“, weiß Distler-Hohenstatt. Gleichzeitig hätten ihm viele erzählt, Corona habe sie als Team zusammengeschweißt. Und eines haben die Mitarbeiter aller Heime und der Heimaufsicht gemeinsam: Alle erhoffen sich aufgrund der Impfungen und verbesserten Testmöglichkeiten wieder etwas mehr Normalität.

Gute Pflege erkennen

Wer auf der Suche nach einer Pflegeeinrichtung ist, für den bietet das Zentrum für Qualität in der Pflege, eine gemeinnützige Stiftung, Orientierungshilfen an. Auf seiner Homepage gibt es zum Beispiel unter www.zqp.de/pflegeheimsuche/ eine Broschüre, die erklärt, worauf es bei der Wahl ankommt. Sie enthält auch eine Checkliste mit zehn Punkten, auf die man achten sollte wie Essen und Trinken, Grundhaltung und Umgang, Sicherheit und Gewaltprävention bis zu Selbstbestimmung und Lebensführung.

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