Pfarrer Bodo Windolf von der Pfarrei St. Severin Garching. Foto: Archiv

Diskussion um Abschaffung des Zölibats: Priestermangel liegt eher an Glaubenskrise

Garching - Landkreis - Priester sind Mangelware. Deshalb gibt es Überlegungen in der katholischen Kirche, etwa des früheren Abts Odilo Lechner, den Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester, abzuschaffen.

Die Meinungen unter den Pfarrern im Landkreis sind geteilt. Doch in einem sind sie sich einig: Ein Allheilmittel für die Kirche wird die Abschaffung des Zölibats nicht sein.

„Ecclesia semper reformanda“ - Kirche muss sich immer wieder neu reformieren, lautet ein Ausspruch, der sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche immer wieder zitiert wird. Veränderungen hält auch Czeslaw Lukasz, Pfarrer und Dekanatsstellvertreter des Dekanats Ottobrunn, für nötig. Aber dass mit der Zölibatsdebatte nun eine der Grundfesten der katholischen Kirche in Frage gestellt werde, kann er nicht gutheißen. „Damit würde die Kirche etwas verlieren, was wie ein Schatz ist“, sagt der stellvertretende Dekanatsvorsitzende. Für ihn ist der Zölibat keine Bürde und kein Defizit, das einen Menschen davon abhält, sich für das Priesteramt zu entscheiden. „Die Enthaltsamtkeit kann auch etwas sehr Erfüllendes sein.“ Und ist vor allem unweigerlich mit dem priesterlichen Dienst verbunden. „Der Zölibat heißt ja nicht, dass man in Einsamkeit lebt. Ich lerne überall Menschen kennen, bei denen ich willkommen bin und mich wie in einer großen Familie fühle“, versichert Lukasz. Eines Tages, das glaubt auch er, wird es den Zölibat wohl unter dem Druck der Gesellschaft nicht mehr geben. Und er kann sich auch durchaus vorstellen, dass ein verheirater Pfarrer einen guten Job machen könnte. Doch Lukasz warnt davor, sich von der Tradition, die er als „Gabe, Geschenk und Berufung“ sieht, zu verabschieden: „Die Ursache des Priestermangels liegt nicht im Zölibat, sondern weil wir uns in einer allgemeinen Glaubenskrise befinden.“

Das sieht auch Pfarrer Rüdiger Karmann vom Pfarrverband Oberhaching so, der von einem „Strukturproblem“, nicht von einem Priestermangel spricht. „Wo hat Gott denn noch Platz heutzutage in den Familien“, fragt sich der Pfarrer. Hier liegt für ihn die Wurzel des Problems. Dass die Abschaffung des Zölibats nun die Lösung sein soll, ist für Karmann lediglich „ein Zeichen einer Gesellschaft, in der Beziehung ganz schnell auf das Sexuelle reduziert wird“. Deshalb entscheide man sich doch für das Priesteramt, betont Karmann, weil man Gott zutraut, ein vergleichsweise ebenso großes Lebensglück zu erfahren wie jemand, der in der Ehe lebt. „Ich vermisse jedenfalls nichts“, versichert der Pfarrer.

Ganz einfach sei für ihn die Entscheidung damals nicht gewesen, sich für ein Leben in Enthaltsamkeit zu entscheiden, gibt Pfarrer Bodo Windolf von der Pfarrgemeinde St. Severin Garching zu. „Es entspricht ja auch nicht unserer Natur, enthaltsam zu leben, aber genau das ist es ja auch, was das Besondere an der Lebensform der Priester im Gegensatz zu allen anderen ausmacht: die innere Passion zu Gott, und der Wunsch sich allein darauf zu konzentrieren.“ Er könnte es sich nur unter bestimmten Bedingungen vorstellen, dass jemand, der nicht nach den Regeln des Zölibats lebt, auch ein guter Priester sein kann. „Wenn jemand um die 50 Jahre alt ist, wo die Kinder schon aus dem Haus sind, und sich dann entscheidet, den geistlichen Weg einzuschlagen, dann könnte das schon funktionieren.“ Aber Familie und Priesteramt lassen sich seiner Meinung nach nicht ohne weiteres miteinander vereinbaren: „Man kann das Amt des Priesters oder das des Ehemanns nur überzeugend leben, wenn man sich auf eines von beiden konzentriert.“ Der Zölibat sei eine Lebensform, die der heutigen völlig entgegensteht. „Aber genau deshalb ist es für mich auch ein Symbol, es nicht leichtsinnig aufzugeben und auch immer wieder das Postive daran nach Außen zu tragen.“ Nur aus der Not heraus eine pragmatische Entscheidung von solcher Tragweite zu treffen, hält er jedenfalls nicht für richtig.

Man muss Mut haben, die Dinge neu zu denken, sagt dagegen Pfarrer Franz Muck von der Pfarrei St. Ulrich Unterschleißheim. Über den Zaun hinauszuschauen, das sollte sich auch die katholische Kirche zum Motto machen und nicht länger am Zölibat festhalten. Vor 1000 Jahren gab es schon einmal Verheiratete, die zu Priestern geweiht wurden, weiß Muck: „Die Situation ist also nicht neu, sondern es wäre lediglich eine Wiederbelebung von Dingen, die es schon mal gegeben hat.“ Es müsse sich etwas ändern, argumentiert Muck, damit man den Menschen, die in Zukunft die Nähe zur Kirche suchen, auch gerecht werden kann.

Patricia Kania

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