Drama im Biergarten

Doppel-Selbstmord: Ein Bruder kündigte Tat an  

München - Zwei Schüsse fallen in einem Biergarten in Garching. Kurz darauf findet die Polizei die Leichen zweier Brüder, 25 und 31 Jahre alt. Mit Kopfschüssen nahmen sie sich das Leben - wie angekündigt.

Langsam dreht sich das Mühlrad im Bach vor dem Biergarten in den Isarauen. In die idyllische Einsamkeit verirren sich sonst nur Biergartenbesucher und Spaziergänger. In dieser Abgeschiedenheit saßen die Garchinger Brüder am Montagabend allein auf den überdachten Bierbänken. Wegen des schlechten Wetters war die Wirtschaft seit 18.30 Uhr geschlossen. Nur ein Spaziergänger kommt kurz nach 20 Uhr vorbei. Er wirft einen Blick auf die beiden Männer und sieht, wie sie mit einer Pistole hantieren. Sein Gefühl sagt ihm: Da stimmt etwas nicht. Er spricht sie nicht an, sondern geht weiter und verständigt über den Notruf die Polizei.

Mehrere Streifenwagen und Beamte in Zivil machen sich auf den Weg zur Mühlgasse. Die Zivilbeamten gehen voraus. Als sie die Brüder sehen, geben sie sich als Polizeibeamte zu erkennen. Ohne Worte hält sich einer der Garchinger die Waffe, eine neun Millimeter Heckler & Koch, an den Kopf und drückt ab. Die Polizisten treten den Rückzug an. Sie wollen sich nicht selbst in Gefahr bringen. Zu unsicher ist die Situation. Kurz darauf fällt ein weiterer Schuss. Aus sicherer Entfernung fordern die Beamten Verstärkung an. Unterstützungskräfte und ein Spezialkommando rücken aus. Langsam nähern sie sich dem Biergarten. Dort entdecken sie die Leichen der beiden Männer, beide mit Schussverletzungen im Kopf. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Drama in Garchinger Biergarten: Bilder

Zwei Brüder erschießen sich in Garchinger Biergarten

Was der Auslöser für den Suizid war, darüber können Polizei und Staatsanwaltschaft bisher nur spekulieren. Klar ist, dass beide Brüder durch Drogen auf die schiefe Bahn geraten sind. „Sie weisen eine typische Drogenkarriere auf“, berichtete Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gestern bei der Pressekonferenz im Polizeipräsidium. Mehrere Strafverfahren wegen Drogenbesitzes und unerlaubter Drogenabgabe liefen bereits gegen die Brüder. Mit Diebstählen finanzierten sie ihre Rauschmittel. Der 31-Jährige saß schon einmal in Untersuchungshaft. Oft war der arbeitslose Garchinger mit seinem jüngeren Bruder unterwegs. Wie innig das Verhältnis der beiden war, ist allerdings noch unklar. Vernehmungen im familiären Umfeld stehen noch aus.

Der 31-Jährige hat bei der Großmutter in einer Mietswohnung gelebt. Der 25-Jährige hatte eine eigene Wohnung in Garching. Beide sind ledig. Meist sollen sie komplett in Schwarz bekleidet gewesen sein, im „Grufti-Stil“, wie ein Nachbar gestern sagte. Oft stundenlang sollen sie im Zimmer des 31-Jährigen Computer gespielt haben. Im November vergangenen Jahres verständigte die Großmutter die Polizei, mit dem Hinweis, dass ihr Enkel eine Schusswaffe besitzen würde. Doch bei der Durchsuchung fanden die Beamten keine Waffe, dafür aber einen Abschiedsbrief.

Laut Steinkraus-Koch habe der 31-Jährige darin geschrieben, dass er sich mit einem Kopfschuss umbringen will. Zum Motiv konnte der Oberstaatsanwalt nichts sagen. „Ich vermute, es hatte etwas mit seiner Drogenkarriere zu tun.“ Der Garchinger war daraufhin zur psychiatrischen Behandlung ins Isar-Amper-Klinikum nach Haar gekommen. Nun hat er sein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Warum sein Bruder allerdings ebenfalls Selbstmord beging, ist unklar. Ein Abschiedsbrief wurde diesmal nicht gefunden. Offen ist auch die Frage, ob die Brüder am Montagabend unter Drogen standen. Das Gutachten der Obduktion steht noch aus.

Patricia Kania

Rubriklistenbild: © dpa

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