In Dornach wird es eng: Firmen drohen mit Absiedlung

Aschheim - Wenn die Gemeinde ihnen keine Erweiterungsmöglichkeiten anbieten kann, werden zwei Firmen Aschheim wahrscheinlich verlassen.

Wie zu hören ist, handelt es sich um den Badausstatter Richter und Frenzel und das Textilhandelsunternehmen Schustermann und Borenstein, das in Dornach Modeshops für Designer- und Markenware betreibt. Weil das aber noch nicht öffentlich werden sollte, zwang dies die Gemeinderäte in der Debatte zu kuriosen Windungen. Selbst um die Größe von Erweiterungsflächen einzelner Firmen machte das Gremium unter Leitung von Bürgermeister Helmut Englmann (CSU) ein regelrechtes Mysterium. Eine Mehrheit, an vorderster Stelle die gesamte CSU-Fraktion hat beschlossen, in ein Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren einzusteigen, um vier neue Areale für Gewerbe auszuweisen. Gegen drei davon gab es Widerstand von je fünf Gemeinderäten, aus Sorge um den Landschaftsschutz: Immer mehr Flur werde verbaut, warnte Robert Ertl (FW) und schleuderte den Befürwortern den Kampfbegriff „Landfrevel“ entgegen. Auf gar keinen Fall wollte Englmann das so stehen lassen, was wiederum Ertl kein bisschen beeindruckte. „Landfrevel“, wiederholte er mit Nachdruck.

Umstritten sind vor allem eine mögliche, rund zwölf Hektar große Gewerbefläche nördlich des geplanten „Overfly“ nahe am Speichersee und eine südlich, nahe der Mühlenstraße, beide westlich der B 471. Der „Overfly“ wird vom Bund gebaut als Knotenpunkt für die Verlegung der A 99-Anschlussstelle Aschheim/Ismaning von der B 471 zur M 3. Dort werden täglich rund 200 000 Fahrzeuge durchdonnern. Genau das hielten die Befürworter neuer Gewerbegebietsausweisungen den Skeptikern entgegen: Angesichts dieser, von der Gemeinde nicht zu verantwortenden Konzentration von Verkehrsbelastung am Overfly sei das Argument, ein neues Gewerbegebiet greife zu sehr in die Landschaft ein, wenig schlüssig. Im Gegenteil: Wenn schon, dann dort neue Gewerbeansiedlungen, argumentierte Englmann.

Gerade der Bereich südlich des Overfly sei ideal: Angeschlossen über A 99, B 471 und M 3; ohne Durchgangsverkehr durch Aschheim zu verursachen, „ohne Bürger zu belasten“, sagte Englmann. Den Vorwurf des „Landfrevels“ wies er strikt zurück. Den Bereich östlich der Autobahn und der B 471 habe die Gemeinde viele Jahrzehnte lang „immer wie einen Augapfel gehütet“, das werde so bleiben. Doch kein Bürger und kein Gemeinderat dürfe sich etwas vormachen: „Wir sind nicht im Bayerischen Wald, wir liegen im Verdichtungsgebiet München.“

Auch sie wolle keine Firmen aus Aschheim vertreiben, sagte Carola Lampersberger (SPD). Doch bei ihr und vier anderen Gemeinderäten überwogen die Zweifel. Obwohl Bernhard Stilling (CSU) ins Feld geführt hatte, dass Aschheim, um seinen hohen Standard zu halten und neue Infrastruktur wie die Schulerweiterung zu finanzieren, Einnahmen aus der Gewerbesteuer benötige. Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen stehe ja nicht allein, der Gemeinderat könne mit der Grünordnung einen Gegenpol schaffen. Sein Fraktionskollege Thomas Glashauser nannte noch ein anderes Argument: Im Verfahren zur Flächennutzungsplanänderung werden rund 40 sogenannte „Träger öffentlicher Belange“ ihre Stellungnahmen abgeben, darunter die Naturschutzbehörden. So werde der Gemeinderat mit neuen Argumenten, sicher auch mit Einsprüchen konfrontiert. Die gelte es zu diskutieren und zu gewichten.

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