Abschiebung möglich

Dreieinhalb Jahre Haft nach Messerattacke im Asylbewerberheim

Oberschleißheim – Ein 22-jähriger Senegalese muss wegen gefährlicher Körperverletzung für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Danach droht dem ehemaligen Bewohner des Asylbewerberheims in Oberschleißheim die Abschiebung. Der Mann hatte im März 2014 einem nigerianischen Mitbewohner ein Messer gegen den Hinterkopf gerammt.

Kulturelle Missverständnisse dürften der Auslöser für die Attacke gewesen sein. Das gleichaltrige Opfer hatte beim Kochen in der Gemeinschaftsküche die Pfefferdose fallen lassen. Weil er das Gewürz nur aufkehrte und kein Wasser zum Wischen benutzte, glaubte der 22-Jährige an ein böses Omen. Er wurde ausfällig und zunehmend aggressiver, bis er einen günstigen Augenblick ausnutzte und dem Nigerianer von hinten ein Messer in den Kopf rammte. Sein Mitbewohner hatte sich über einen Nudeltopf gebeugt.

Das Messer glitt an der harten Schädeldecke ab. Das Opfer erlitt nur leichte, geradezu „banale“ Verletzungen. Der Senegalese selber verletzte sich an der Hand, durchtrennte sich zwei Sehnen. Weil er das Messer schließlich weg geworfen hatte, konnte das Gericht seine Attacke nicht als versuchten Mord werten.

Mit dem Urteil blieben die Richter zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf sechseinhalb Jahre Haft plädiert hatte. Der Verteidiger wollte nur dreieinhalb Jahre oder eigentlich eine Haftstrafe unter drei Jahren, weil dann keine Abschiebung aus strafrechtlichen Gründen möglich gewesen wäre

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