Eine Geschichte wie ein Märchen

Die Drillings-Sensation wird 80

Unterhaching – Die eineiigen Drillinge Ursel, Erika und Herma sind eine Sensation: Die Wahrscheinlichkeit ihres Daseins liegt bei 1 zu 200 Millionen. Und jetzt haben sie ihren 80. Geburtstag gefeiert. Was die Hamburgerinnen nach Bayern geführt hat, klingt wie ein Märchen.

Von der kleinen spitzen Nase über die lockigen Haare bis hin zur zierlichen Figur: Ursel, Erika und Herma sind sich nicht nur ähnlich, sie sind identisch. Als eineiige Drillinge erblickten die Schwestern 1932 in Hamburg das Licht der Welt. Den 80. Geburtstag dagegen feierten sie gemeinsam mit ihren sechs Kindern und zehn Enkeln in ihrer Wahlheimat Bayern. Der Diavortrag mit den alten Fotografien war der Knüller auf der Party in München-Waldperlach: Auf jedem Bild lächelt das Dreiergespann in der Reihenfolge ihrer Geburtszeiten in die Kamera: links Ursel, in der Mitte Erika und rechts Herma.

So gleich ihre genetischen Anlagen, so unterschiedlich verliefen die Lebenswege der Schwestern: Erika zog es eineinhalb Jahre nach Mexiko, während Ursel Nepals Berge bestieg und Herma auf der Zugspitze den Ehemann kennenlernte. Nur eine Liebe, die teilen sie bis heute: die zu München und den Bergen. Heute wohnt Ursel Pintsch in Unterhaching, Erika Ehmann ist in Germering zu Hause und Herma Donath hat in Bad Endorf im Chiemgau ihre Heimat gefunden.

An dem Ganzen ist Herma schuld: 1952 kündigte sie nach ihrer Ausbildung zur Grafikdesignerin und machte sich auf gen Süden. Eine Bergtour mit dem Deutschen Alpenverein, Sektion Hamburg, hatte die Sehnsucht des Flachlandkindes nach den fernen Bergen entfacht. Gemeinsam mit einer Freundin fuhr die 20-Jährige auf dem Rad quer durch Deutschland ihrem Ziel München entgegen, nur ein paar Klamotten und Bilder der Familie im Gepäck. „Es war der Aufbruch in ein neues Leben. Hamburg hatte sie hinter sich gelassen“, erzählt ihre Tochter Gabriele Donath (51), die in Putzbrunn wohnt. Bis Augsburg hatte sich Herma damals durchgekämpft, dann konnte sie nicht mehr: Die letzten 80 Kilometer legte sie auf der Ladefläche eines Lkw zurück. Ursel und Erika folgten der Schwester 1956 – so hatte diese von der Lebensqualität in Bayern, der Unabhängigkeit vom Elternhaus vorgeschwärmt.

Am Tag ihrer Geburt war Herma weniger schnell unterwegs – sie erblickte als Letzte der Schwestern das Licht der Welt. Und eigentlich hatte sie überhaupt niemand erwartet. Nur zwei Wochen vor dem Termin eröffnete der Arzt der späteren Drillingsmutter Gertrud Schaper, dass sie Zwillinge erwarte. Ein Schock für das junge Ehepaar, das sich gerade mit einem Papierwarenladen selbstständig gemacht hatte. Sie brachte also zwei Mädchen zur Welt, dachte, jetzt kommt noch die Nachgeburt – doch sie gebar noch ein Kind: Herma.

Weil die Schapers in einem Vorort von Hamburg lebten, waren die Drillinge in der Nachbarschaft schnell eine Sensation. So sensationell, dass eine befreundete Fotografin die Mädchen von der Geburt bis ins Erwachsenenalter jedes Jahr fotografierte, die Bilder auf Postkarten druckte und tausendfach verkaufte.

Viele solcher Anekdoten erzählten die Drillinge auch bei den Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag im Gemeindezentrum Waldperlach: Etwa, dass Erika als Kind einen Gips tragen musste, weil die Füßchen nicht ganz gerade wachsen wollten. Dieselben Füße, die sie später den Himalaya hinaufsteigen ließen. Auch heute noch ist die 80-Jährige Mitglied des Alpenvereins und unternimmt regelmäßig Wandertouren. Dass Ursel, Erika und Herma schon von Geburts wegen etwas Besonderes sind, dafür können sie nichts. Was sie in den vergangenen 80 Jahren erlebt haben, macht die Drillinge aber dann doch zu einer kleinen Sensation.

Stefanie Dahlem

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