Abgetaucht: Mit seinem Instrument springt Mulo Francel ins Wasser und verknüpft so zwei Leidenschaften: das Tauchen und die Musik. foto: veranstalter7fkn

Durch die Welt nach Hause

Baierbrunn - Der Saxophonist Mulo Francel aus Baierbrunn tritt mit dem Ensemble "Quadro Nuevo" auf der Burg Grünwald auf

Bioladen, fährt seine Kinder zum Gitarrenunterricht, kocht gern - und gibt den Ton an: Mulo Francel, Ausnahme-Saxophonist und Mitbegründer der „Quadro Nuevo“. Das Ensemble kommt nach Grünwald und bringt Tango mit - anlässlich der zehnten Sommernacht am 29. Juli im Innenhof der Burg (das Konzert ist ausverkauft). Der Münchner Merkur hat den Weltmusiker getroffen.

Aufgewachsen ist Mulo Francel im Chiemgau, in Riedering am Simssee. Heute lebt er mit seiner Ehefrau, der Krimi- und Drehbuchautorin Julie Fellmann und drei Kindern (11, 13, 18) in Baierbrunn. Wer ihn hier antreffen will, muss Glück haben. Momentan ist der 47-Jährige ständig auf Achse, in Sachen Tango in der Weltgeschichte unterwegs. Wie Perlen auf der Schnur reihen sich die Konzerte. Der Auftritt in Grünwald ist quasi ein Heimspiel. „Zu Terminen in der Nähe fahren wir mit unserem VW-Bus“, erzählt Francel. Weiter weg geht es im Tourbus. „Da leben wir dann auch richtig drin“, sagt Francel.

Mit „wir“ meint er die Band, meint Andreas Hinterseher (Bandoneon, Akkordeon), Evelyn Huber (Harfe, Salterio), D.D. Lowka (Bass, Percussions) und Chris Gall (Piano). Ein Quartett zu fünft? Gall ist speziell für das Tango-Projekt mit an Bord. Anstrengend? Klar, so eine Tour sei manchmal schon heftig. „Aber ich will überhaupt nicht klagen, ich habe mir das Leben so gewünscht.“ Halt geben ihm seine beiden Familien - die zu Hause und seine Band. Francel spielt solo und in verschiedenen Formationen, war in Südamerika, Australien, Singapur, rund ums Schwarze Meer und Europa unterwegs.

Sein Saxophonspiel ist extravagant, emotional, sucht Herausforderung und Symbiosen. Das wurde mit zahlreichen Musikpreisen geehrt. „I play, what I live“ hätte einmal Louis Armstrong gesagt, das gelte auch für ihn, sagt Francel. Reisen bedeutet ihm dabei Inspiration, gehört zu seiner Musik dazu. Es erdet ihn und gibt ihm doch Flügel.

Unlängst war er im Thüringer Wald unterwegs, hat sich die Natur erlaufen. „Zusammen mit dem Konzertveranstalter ging‘s von Marisfeld bis Schmeheim“, berichtet Francel. Ohne die Musik hätte er die Gegend nie gesehen, hätte viele Menschen gar nicht kennengelernt. „Das ist für uns so wichtig, das öffnet Herzen und ist wie ein Brückenschlag“, meint der Künstler. Deshalb Anfang 2014 das Abenteuer Buenos Aires, zur Inhalation argentinischen Lebensgefühls. „Wir wollten uns mit Tango infizieren“, sagt Francel. Auch Ehefrau Julie war dabei. Drei Wochen lang lebte die Gruppe in einer alten Stadtvilla, probte in der Mittagshitze, mischte sich unter die Menschen. „Wir spielten sogar im 120 Jahre alten Tangoclub Los Laureles“, erinnert sich Mulo Francel. „Wir haben den dortigen Bands zugehört und uns dabei im Kopf Notizen gemacht.“ Beim nächsten Mal im Proberaum hätte dann jeder von ihnen umgesetzt, was ihm tags zuvor gefallen hatte. Die Ergebnisse sind im aktuellen Album „Tango“ zu hören - und damit auch im Rahmen der Sommernacht in Grünwald.

Mit einem alten Saxophon für damals 400 D-Mark fing alles an. Beeinflusst durch die alte Jazzplattensammlung des Vaters begann Mulo Francel schon als 16-Jähriger mit dem Spielen. Als Autodidakt, später hat er auch studiert. Seit zwölf Jahren ist er ausschließlich als Profi unterwegs. Unterricht wie zuletzt in New York gibt der ausgebildete Musiklehrer vorerst nicht mehr. Er lotet gern Grenzen aus. Für sein Projekt „Seven Mountains“ spielte er Pfingsten auf dem Olymp. Sechs Berge, „die mythisch interessantesten“ hat er noch vor sich, auch der norwegische Preikestolen (Predigtstuhl) im September ist dabei. Für „The Sax & the Sea“ sprang er sogar ins Wasser. Die Aufnahmen entstanden an der Meeresorgel von Zadar, einem schwedischen Waldsee, einer Gasse in Venedig. „Es geht mir um die Verbindung von Ort, Zeit, Akustik und Melodie“, sagt der Künstler. Zwei seiner Leidenschaften werden hier verknüpft: das Tauchen und die Musik.

Freilich könne niemand unter Wasser spielen, sagt er lachend. Und auch das Instrument, mit dem er abtauchte, sei nicht sein bestes. Ein C-Melodie-Saxophon aus den 20er Jahren hielt dafür her. Nach dem Video-Shooting am Riff von Sharm el Arab (Rotes Meer) sei es recht ramponiert gewesen. Francel ist neugierig. Selbst alte Kinderlieder oder Märchen hat er schon vertont. Die Musik ist das Eine. Zur Seele des Tangos gehört auch der Tanz. Hat er‘s sich da auch schon mal probiert? Er überlegt kurz. Der Tango sei sehr variationsreich, kreativ und fordere Führung. „Aber versucht habe ich‘s schon“, antwortet er dann und lacht. Mehr als 3000 Konzerte gab „Quadro Nuevo“ weltweit. (kko)

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