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Hightech-Standort mit Verfallsdatum: EADS gibt das bisherige Cassidian-Hauptquartier in Unterschleißheim auf. Die neue Division Airbus Defence and Space wird von Ottobrunn aus geführt.

Stellenstreichungen

EADS: Wo der Sparhammer einschlägt

München - Der Stellenabbau bei EADS findet vor allem in Bayern statt. Zahlen wird der Konzern erst 2014 nennen. Doch schon jetzt lässt sich absehen, welcher Standort wie betroffen ist.

Das EADS-Management gab sich gestern zugeknöpft. „Wir können heute nicht sagen, welches Werk betroffen sein wird“, sagte Bernhard Gerwert, Chef von Cassidian und der künftigen Airbus-Division Defence and Space (DS). Doch es lässt sich absehen, wo der Spardruck am größten sein wird.

5800 Stellen werden gestrichen. Am schlimmsten sieht es in Deutschland für Manching bei Ingolstadt aus. Das Werk in dem die deutsche Tranche des Eurofighters gebaut wird, ist noch der größte Cassidian-Standort weltweit.

Konzernchef Thomas Enders deutete gestern an, dass bei den dort gebauten Militärflugzeugen bereits 2017, nachdem die jetzt angesagte Sparrunde abgeschlossen ist, gleich die nächste ansteht. Um das zu vermeiden, müsste das europäische Jagdflugzeug zum Exportschlager werden, wozu es, wie Enders auch sagt, zu teuer ist. Oder es müsste ein Nachfolgeprojekt her. Infrage kommt nur ein unbemanntes Flugzeug, also eine Drohne, die viele deutsche Politiker jetzt in Israel oder den USA einkaufen wollen.

Eine Zahl, die EADS gestern nannte, lässt konkrete Schlüsse zu: 2470 Stellen werden bei der Raumfahrtsparte Astrium wegfallen. Das wird überwiegend in Frankreich passieren. Dort beschäftigt Astrium 6720 Menschen, in Deutschland 4270. Gestern nannte Enders mehrfach die Europa-Rakete Ariane, die um 30 Prozent zu teuer sei. Ariane ist vor allem ein französisches Projekt, für das Astrium Deutschland aber wichtige Teile zuliefert.

Für den Erhalt vieler deutscher Astrium-Arbeitsplätze spricht die Struktur des wichtigsten Auftraggebers: Die europäische Raumfahrtagentur ESA sorgt dafür, dass ein Land, das für Projekte zahlt, bei den Aufträgen und damit Jobs entsprechend zum Zug kommt. Nachdem Deutschland die Raumfahrtgelder zuletzt aufgestockt hat, spricht alles dafür, dass die bisherige Astrium Deutschland GmbH glimpflich davonkommen wird.

Das bedeutet aber umgekehrt, dass der Sparhammer vor allem bei Cassidian einschlagen wird. 9655 Menschen arbeiten in Deutschland in der EADS-Rüstungssparte – mehr als in allen anderen Ländern zusammen. In Frankreich sind es 2310, in Großbritannien 1430 und in Spanien 70. Ganz klar, wer da in einer Größenordnung rund 2000 Stellen schrumpfen kann. Die Frage ist nur: Wo? Ein Überblick zu den bayerischen Standorten:

Unterschleißheim war der Verlierer vom Montag. Die bisherige Cassidian-Zentrale wird geschlossen. Doch die dort angesiedelten Stellen bleiben fast in vollem Umfang erhalten, wenn die Beschäftigten bereit sind, künftig woanders zu arbeiten. 1000 Stellen werden ins Hauptquartier von Airbus DS nach Ottobrunn/Taufkirchen umziehen, 200 könnten künftig in Friedrichshafen oder Ulm angesiedelt werden. In Unterschleißheim wird vor allem an Sicherheitskommunikation gearbeitet. Das ist ein Markt, in dem Cassidian heute schon kräftig exportiert.

Auch für Ottobrunn sieht es nicht nur wegen des Zuwachses aus Unterschleißheim gut aus. Denn auch der hier angesiedelte Astrium-Standort steht vergleichsweise gut da. Hier entstehen Raumfahrt-Triebwerke oder andere Teile, die bisher im eigenen Konzern Verwendung finden, die man aber auch an andere aufstrebende Raumfahrtnationen verkaufen kann. Hier also eher Wachstums- als Sparpotenzial.

Der dritte bayerische Standort von Airbus DS ist Manching. Gestern blieb offen, ob er überhaupt eine Zukunft hat. Bislang ist die Endmontage des Eurofighter auf vier Orte in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien verteilt. Nur einer davon gehört zu EADS: Manching. Schon jetzt gibt es Überlegungen, den Flieger an weniger Orten zu produzieren als bisher. „Wenn es keine nationalen Abnehmer mehr gibt“, sagt Gerwert, wenn der letzte Eurofighter an die Armeen der vier Projektländer ausgeliefert ist, „sind wir völlig frei.“ Das heißt: Wer billiger ist, bekommt den Zuschlag für mögliche Export-Fighter.

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Die IG Metall, die bereits im Vorfeld einen Protesttag bei EADS organisierte, schlägt nun moderate Töne an. Sie kann den Argumenten von Enders und seinen Leuten wenig entgegensetzen und konzentriert sich auf eine sozialverträgliche Umsetzung – möglichst ohne Entlassungen, die Enders nicht ausschließt. Auch von der Politik ist wenig zu erwarten: „Die Auswirkungen für Betroffene und Länder müssen abgefedert werden“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer. Die Bundesregierung, mittelbar EADS-Großaktionär, plant nicht, sich einzumischen. Und falls aus Berlin doch Druck kommt, lässt sich Enders, der selbst einmal für die Regierung gearbeitet hat, kaum beeindrucken. Die Reaktion der Politik, sagt der EADS-Chef, sehe er „relaxed“.

Martin Prem

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