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Ein unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer sind die 51 Treppenstufen zu den Gleisen des Bahnhofs Ebenhausen, der immer noch nicht barrierefrei ausgebaut ist.

Bahnhof Ebenhausen

Ewig in der Warteschleife

Ebenhausen - Der Kampf um den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs von Ebenhausen erinnert mittlerweile an eine unendliche Geschichte. Und traurig ist sie zugleich.

Seit Jahrzehnten setzen sich die Gemeinde, Vereine und Verbände sowie Einzelpersonen immer wieder dafür ein, den Haltepunkt so zu gestalten, dass auch ältere oder gehbehinderte Bürger sowie Mütter mit Kinderwägen ungehindert die Bahn nutzen können. Um den Bahnsteig zu erreichen, müssen 51 Stufen überwunden werden. Für Rollstuhlfahrer ein aussichtsloses Unterfangen.

In das „Bayern-Paket 2013 – 2018“, ein Programm zum barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe, schaffte es Ebenhausen nicht. Hofft aber, in ein etwaiges Nachfolgeprogramm aufgenommen zu werden.

Doch so ein Umbau kostet Geld. Die Schätzkosten für Ebenhausen liegen bei 4,6 Millionen. Wie kompliziert die Sachlage allein in finanzieller Hinsicht ist, zeigt ein Anruf im Bayerischen Innenministerium. „Grundsätzlich ist für die Finanzierung von Schieneninfrastruktur der Bund zuständig“, so die stellvertretende Pressesprecherin. „Nichtsdestotrotz engagieren wir uns seit Jahren mit eigenen Landesmitteln, um den barrierefreien Ausbau des Bahnnetzes voranzutreiben.“ Zuletzt stellte der Freistaat dafür 60 Millionen zur Verfügung. Derzeit, dies bestätigen sowohl die Vertreter der Bahn als auch des Ministeriums, wird an einem Konzept ab 2019 gearbeitet.

„Natürlich spielen hier die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel eine große Rolle“, so die Stellvertretende Pressesprecherin des Innenministeriums weiter. „Nicht zuletzt ist auch wesentlich, welchen Anteil die Deutsche Bahn aus Bundesmitteln für den barrierefreien Ausbau einbringen kann. Hierzu laufen derzeit ebenso Verhandlungen.“ Allerdings: „Die Zahl der Anträge und Wünsche nach schnellem barrierefreien Ausbau übersteigen die voraussichtlich zur Verfügung stehenden Landesmittel bereits jetzt bei weitem.“

Die Festlegung, welche Bahnhöfe letztlich berücksichtigt werden, fällt frühestens gegen Ende des Jahres. Die Basis für das Konzept bildet eine Bewertung der Fahrgastzahlen, der „verkehrlichen Knotenfunktion“ und der besondere Bedarf, aber auch die Entfernung zu nächsten barrierefreien Bahnhof.

Im Fall Ebenhausen sind dies gleich die Nachbarstationen Icking und Hohenschäftlarn, rund vier beziehungsweise zwei Kilometer entfernt. Laut dem „Stationssteckbrief der Stationsdatenbank der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG)“ werden diese als „1 – vollkommen barrierefrei“ (Icking) beziehungsweise „3 – Weg zum Bahnsteig barrierefrei“ (Hohenschäftlarn) eingestuft. „Ebenhausen wird aber“, betont eine Bahn-Sprecherin, „wie alle anderen Bahnhöfe mit über 1000 Reisenden pro Tag erneut geprüft.“

Doch es gibt einen Hoffnungsdämpfer: „Bayern hat noch eine Vielzahl großer Bahnhöfe, die barrierefrei ausgebaut werden müssen“, sagt die Vertreterin des Innenministeriums. Als Beispiele nennt sie hier den Knotenbahnhof Fürth sowie Freilassing und Kaufering. „Zum Vergleich: Diese Bahnhöfe haben zwischen fünf- und zehnmal mehr Aufkommen als Ebenhausen.“

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