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Nicht von den Orgelpfeifen erschlagen werden möchte der Kirchenmusiker Pierre Schuy, weshalb er die wackeligen Pfeifen provisorisch mit einem Kofferband sichert.

St. Benedikt

Kofferband soll Orgelpfeifen stützen

Ebenhausen - Ungewöhnliche Selbsthilfemaßnahme ergreift der Organist in St. Benedikt in Ebenhausen, um nicht erschlagen zu werden.

Die Hiobsbotschaft kam Anfang Oktober: Einige der Prospektpfeifen der Orgel in St. Benedikt in Ebenhausen sacken aufgrund von Materialermüdung in sich zusammen. Eine nicht ungefährliche Situation für den Orgelspieler, da sich durch die Neigung die Pfeife aus ihrer Verankerung lösen kann. „Das wäre dann die Neuauflage des alten Tatorts von 2004: ,Tod an der Orgel‘“, so Musiker Pierre Schuy mit Galgenhumor. Bis die Orgel repariert wird, will er nun zur Selbsthilfe greifen und überlegt, ein Kofferband um die betroffenen Einheiten zu legen. „Damit es zumindest a bisserl zusammengehalten wird.“

Dabei ist die Orgel gerade mal 30 Jahre alt, eigentlich kein Alter für die Königin der Instrumente. Jeweils vor einem größeren Konzert wird die Orgel gewartet, so auch im Juli und Anfang Oktober. „Und hierbei wurde der Schaden entdeckt, der drei Monate vorher noch nicht zu sehen war“, berichtet Organist Schuy. Schadenshöhe: rund 10 000 Euro.

Der Musiker deutet auf eine der größten Pfeifen, etwa sechs Meter hoch und 50 Kilogramm schwer. „Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, wie sie sich an der Tonöffnung verdreht und in sich zusammen knickt.“ Die Pfeifen bestehen aus einem nach unten trichterförmig zulaufendem Fuß, der in einem Loch verankert ist und über den die Luft eingeblasen wird. Am oberen Ende (Labium) ist der meterhohe zylindrische Resonanzkörper angelötet. Auf dieser Rundnaht ruht ein beachtliches Gewicht – „und nun sackt die Pfeife hier ein“.

Schuy vermutet, dass das an sich hochwertige Material, eine Zinn-Blei-Legierung, damals aus Kostengründen zu dünn gewählt wurde. Durch das unkontrollierte Absacken kann die Pfeife schließlich aus der Halterung fallen und abstürzen. „Ich schätze, dass sie in den vergangenen vier Wochen einen halben Zentimeter nach vorne geknickt ist.“

Das zweite Sorgenkind neben den Prospektpfeifen ist die Setzerkombination, mit der Klangfarbe und Lautstärke vorgewählt werden. Auch sie ist defekt, was auf Alterserscheinungen in der Steuerelektronik zurückzuführen ist. Hier gibt es außer dem benötigten Geld noch ein anderes Problem: „Die Orgel wurde 1984 gebaut – es gibt keine Ersatzteile mehr.“ Zwar hat die Herstellerfirma noch ein paar alte Original-Platinen auf Lager, aber die sind jetzt auch schon über 30 Jahre alt.

2011 wurde nach einem elektrischen Aussetzer das erste Mal die Schaltplatine ausgetauscht. „Ein Jahr später, und das ausgerechnet in der Osternacht, hat sie teilweise ihren Dienst quittiert.“ Statt eines vollen Akkords kam eher „ein Krächzen. Die Kirchenbesucher müssen wohl gedacht haben, dass ich betrunken war“, erzählt Schuy mit seinem unnachahmlichen Humor.

Bei größeren Konzerten braucht es nun immer einen zweiten Mann, der die Voreinstellungen per Hand bedient und überwacht. „Das ist Stress pur, sowohl für den, der es macht, als auch für den Organisten.“ So geschehen im Orgelkonzert des Ickinger Zyklus vor drei Wochen.

Schuy hofft, dass zumindest der Schaden an den Pfeifen schnellstens behoben werden kann. „Ich bin zwar mit Leib und Seele Musiker – aber es war noch nie mein Traum, von einer abstürzenden Pfeife erschlagen zu werden.“

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