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Wasser aus Nebel fischen: Die „Cloudfisher“ genannten textilen Auffangnetze sollen im großen Stil Menschen mit Trinkwasser versorgen.

Projekt in Marokko

Aus Nebel wird kostbares Trinkwasser

Ebenhausen - Wenn es nicht regnet, woher soll das Trinkwasser kommen? Auf Nebel - die "Cloudfisher"-Kollektoren machen's möglich.

Mit einem kleinen Käfer aus der Wüste hat alles angefangen, jetzt investiert das Bundesentwicklungsministerium eine halbe Million Euro in ein Projekt der Wasserstiftung aus Ebenhausen: Die will Nebel zu Trinkwasser verwandeln – mit speziellen Kollektoren, „Cloudfisher“ genannt.

Lebenswichtig vor allem für alte Menschen und Kinder: Hier versorgt Hisham Hamou Ali sich und ein Mädchen mit frischem Wasser – auch aus Nebel.

Weltweit haben laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen der und Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit über 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Besonders dramatisch ist die Situation in entlegenen Berg- und Küstenregionen, wo Brunnen oft kilometerweit entfernt sind und Wasser von mobilen Trucks (zu) teuer ist. Die Wasserstiftung aus Ebenhausen setzt in solchen Gegenden deshalb auf die Trinkwassergewinnung per Nebelfänger, auch „Cloudfisher“ genannt.

Mit deutschem Textil-Know-how entsteht in Marokko in den nächsten zweieinhalb Jahren einer der weltweit ertragreichsten Nebelkollektorparks zur Wassergewinnung aus der Luft. Das Projekt der Wasserstiftung aus Ebenhausen wird vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) mit knapp 500 000 Euro unterstützt. Die von Textilforschern in Denkendorf bei Stuttgart entwickelten textilen Wasserauffangnetze sollen Einheimische in der Anti-Atlas-Region mit Trinkwasser aus Nebel versorgen.

Das Prinzip ist nicht neu, doch mit dem BMZ-Förderprojekt soll das Thema eine neue Dimension erreichen: „Wir planen den weltweit ertragreichsten Nebelkollektorpark, der Vorbildcharakter für andere wasserarme Regionen auf der ganzen Welt haben soll“, sagt Peter Trautwein. Für den Entwicklungsleiter der Wasserstiftung und Chef der Münchner Aqualonis GmbH, die die Nebelkollektoren errichten wird, soll das Projekt mit einer Textilgesamtfläche von über 1700 Quadratmetern – etwa die Größe zweier Handballfelder – den endgültigen Durchbruch für die Nebelnetztechnologie bringen.

Auch am Institut für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) in Denkendorf ist die Freude über den Startschuss zum Marokko-Projekt groß: „Dass mit den textilen Nebelfängern über 800 Menschen – und künftig noch mehr – Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten, ist ein einzigartiger Lohn für die vielen forschungsintensiven Jahre“, sagt ITV-Umwelttechnik- und Bionik-Chef Thomas Stegmaier.

Mit einem Wüstenkäfer hat alles angefangen

Lebenswichtig vor allem für alte Menschen und Kinder: Hier versorgt Hisham Hamou Ali sich und ein Mädchen mit frischem Wasser – auch aus Nebel.

Der jetzt in Marokko zum Einsatz kommende Nebelfänger-Materialmix wurde an dem schwäbischen Textilforschungsinstitut ab 2006 mit Partnern bis zur Serienreife entwickelt und im Verlauf in Sachen Wasserausbeute und Witterungsbeständigkeit stetig optimiert. 2011 bekamen die Forscher dafür den Innovationspreis „Neue Materialien“ der Techtextil, Weltleitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe, der laut Branchenkennern als Frühindikator für relevante und aussichtsreiche Textilentwicklungen gilt.

Dabei hat alles ganz klein angefangen – mit einem Insekt aus der Namibwüste: dem Nebeltrinker-Käfer. Der auch „Kopfstand-Käfer“ genannte Krabbler fischt aus vorüberziehendem Nebel feinste Aerosoltröpfchen, die ihm dank der hügeligen Mikrostruktur seines Rückens direkt in den Mund perlen. Die Textilforscher konstruierten nach diesem Vorbild wenige Zentimeter starke dreidimensionale Textilflächen aus Kunststofffasern. Diese lassen sich flächig zwischen zwei im Boden verankerte Stäbe spannen, wo sie feinste Wassertröpfchen aus dem Nebel fangen, die über Auffangrinnen in Zisternen laufen.

30 solcher Gespanne mit mikrofeinen Textilstrukturen, die optisch an Volleyballnetze erinnern, will die Wasserstiftung errichten, um für mindestens 14 Dörfer im Gebiet des Mount Boutmezguida nahe der südmarokkanischen Hafenstadt Sidi Ifni Wasser aus Nebel zu gewinnen. Dabei sollen die textilen Auffangnetze pro Person und Tag 18 bis 30 Liter Wasser nach WHO-Standard für Trinkwasserqualität liefern; bisher müssen die Menschen vor Ort mit rund acht Litern täglich auskommen. Zum Vergleich: In Deutschland bemisst sich der Verbrauch auf etwa 122 Liter pro Person und Tag.

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