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Edmund Stoiber beim "Keferloher Montag": Weltpolitik statt Bierzeltkracher

Grasbrunn - Gute Unterhaltung wünscht Klaus Rieger, Vorsitzender der Keferloher Freunde, als er Edmund Stoiber ankündigt. Doch der Ex-Ministerpräsident ist nicht zum Keferloher Montag gekommen, um dem Publikum mit CSU-Lobpreisungen und bierzelttauglicher Oppositionsschelte einzuheizen. Stattdessen schlägt er nachdenkliche Töne an.

Die ersten Minuten mit Edmund Stoiber versprechen einen Nachmittag ganz nach Keferloher-Manier. Mit einem Blick auf den Gips an seinem linken Arm erzählt Bayerns ehemaliger Ministerpräsident, dass er sich vergangene Woche einen „relativ komplizierten Bruch“ eingehandelt hat. Er erzählt auch, was sein Arzt von der Idee hielt, dennoch im Festzelt aufzutreten und knüpft daran ein Kompliment an die Veranstaltung, die wohl jeder der Anwesenden gerne hört: „Mein Arzt sagte zu mir: Du spinnst. Ich habe ihm dann aber klar gemacht, dass der Keferloher etwas ganz besonderes ist.“ Tradition nämlich. „Und“, sagt Stoiber, „was Bayern auszeichnet ist Tradition und Fortschritt.“ Da ist es wieder, sein altes Credo von Laptop und Lederhose - doch statt auszuführen, was er schon unzählige Male ausgeführt hat, nimmt sich Stoiber ein paar Sätze später ganz anderer Themen an. Gewichtigen, unpopulistischen Themen. Um nicht zu sagen: schwer bierzelttauglichen.

„Wir befinden uns im Moment in der prekärsten Situation seit der Kubakrise 1962“, sagt Stoiber. Die Ukraine-Krise, der Krieg in Gaza, Millionen Flüchtlinge, die Bedrohung durch die Terrorgruppe IS. Er spricht die Problemherde alle an, mit teils drastischen Worten. Als er sagt, „es ist unvorstellbar, dass die IS Leute, die anderer Meinung sind, aufhängt, köpft oder aufschlitzt“, bleiben manchem Radi und Riesenbreze im Hals stecken. Betretene Gesichter, als er dem Publikum vor Augen hält, wie verzweifelt Eltern sein müssen, wenn sie ihr fünfjähriges Kind allein in ein Flüchtlingsboot setzen.

Doch was tun, in diesen Zeiten? Stoibers Antwort: reden, reden, reden. Als Deutschland mit den EU-Staaten. Als EU mit den Machthabern; selbst dann, wenn sie Terroristen sind. Als Bürger und Politiker in gesellschaftlichen Diskussionen. Doch just das Gegenteil passiere. „Die Politik“, sagt Stoiber, „kommt viel zu boulevardesk daher. Der Tiefgang der Probleme steht heute nicht mehr im Mittelpunkt.“ Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, seien die Menschen unpolitisch und schwer zu mobilisieren. „Wenn ich sehe, dass in Sachsen nur die Hälfte zur Landtagswahl geht, frage ich mich, was wir Politiker falsch gemacht haben, dass die Menschen so gleichgültig geworden sind?“ Zum Stimmungskiller geeignet ist das Beispiel für diese Gleichgültigkeit, das er anführt: Dass im Irak Christen verfolgt werde, kümmere im katholischen Bayern kaum jemanden, kritisiert Stoiber. „Vielleicht müssen wir uns da auch mal an der eigenen Nase fassen“, murmelt eine Frau auf der Bierbank in sich hinein.

Edmund Stoiber spricht gut eine Stunde. Die Stimmung im Zelt ist verhalten, es gibt nur selten Zwischenapplaus, kaum „Bravo“-Rufe. Stoiber scheint das ganz und gar nicht zu stören. Er klingt nicht, als wollte er sich entschuldigen, als er sagt: „Ich weiß, so etwas waren bislang keine Themen für den Keferloher. Aber Sie haben mich eingeladen.“ Von den Besuchern im gut gefüllten, wenn auch nicht rappelvollen Festzelt, verabschiedet sich der politische Austragler, wie er sich selbst nennt, mit einem Lob. „Sie haben heute Flagge gezeigt, indem sie zu einer politischen Veranstaltung gegangen sind.“ mcf

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