„Dass es noch so ehrliche Menschen gibt – unglaublich!“ Irmgard Heinzig (83)ist die Freude noch immer anzusehen.

Ehrlich hartnäckig: Finderin gibt nicht auf

Hohenschäftlarn/Baierbrunn - Eine Woche lang setzt eine Aldi-Kassiererin alles daran, dass Irmgard Heinzig (83) ihren verlorenen 100-Euro-Schein zurückbekommt. Einen Finderlohn schlägt die ehrliche Frau aus, in die Zeitung will sie auch nicht.

Der Tag beginnt ganz harmlos, Einkaufen steht auf dem Programm. Die sehbehinderte Irmgard Heinzig fährt zusammen mit ihrer Nachbarin von Hohenschäftlarn aus ins benachbarte Baierbrunn. In der Aldi-Filiale an der Schorner Straße besorgen die beiden Damen, was sie so brauchen. Dann kommt die böse Überraschung: „Zuhause habe ich nochmal in meinen Geldbeutel geschaut und mich nicht schlecht gewundert“, erzählt die 83-Jährige. „Ich dachte mir noch, ,Herrschaft, so viel hast Du doch gar nicht gekauft’ - doch mehr Geld war im Portemonnaie einfach nicht mehr zu finden.“ Irgendwann hört Heinzig auf, darüber nachzugrübeln, denkt, dass sie sich geirrt hat. Eine Woche vergeht. Plötzlich klingelt das Telefon. „Eine Dame aus Hohenschäftlarn rief an und bat mich, schnellstmöglichst zum Aldi zu kommen.“ Die Kassiererin hätte 100 Euro gefunden, die wohl Irmgard Heinzig gehören würden.

„Ich musste mich erst einmal setzen, mir haben regelrecht die Knie gezittert. Dass es noch so ehrliche Menschen gibt - unglaublich!“ Denn die 100 Euro sind für die Seniorin eine ganze Menge Geld, Geld, mit dem sie wirtschaften muss. Heinzig vermutet, dass beim Bezahlen einfach zwei Scheine aneinander kleben geblieben sind. „Und ich habe es nicht gemerkt.“ Der 83-Jährigen ist die Freude noch immer anzusehen: „Die Mitarbeiterin hätte das Geld doch auch einstecken können. Wer hätte das schon mitbekommen?“

Im Aldi Baierbrunn angekommen, trifft Heinzig auf die ehrliche Finderin und erfährt, was diese alles unternommen hat, um sie ausfindig zu machen. „Sie hat sich in ihrem Freundeskreis umgehört, hat alle Kunden, von denen sie wusste, dass sie aus Schäftlarn kommen, gefragt, ob sie mich kennen - und hat einfach nicht aufgegeben.“ Fast eine Woche lang hat die Kassiererin alles mögliche unternommen - und Irmgard Heinzig letztendlich gefunden. „Ich wollte ihr 20 Euro als Finderlohn geben, aber nicht einmal das wollte sie annehmen.“ Genauso bescheiden, wie sich die Aldi-Mitarbeiterin gegenüber der 83-Jährigen verhalten hat, so bescheiden gibt sie sich unserer Zeitung gegenüber. „Ach“, lässt die junge Frau mitteilen, „da braucht man doch kein Aufhebens drum zu machen - das war doch selbstverständlich.“

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