Herzog Albert III. der Fromme, Lithographie um 1814. Repro: ro

Der eifersüchtige Narr und die Hexe

Oberschleißheim - Der tragischen Figur Agnes Bernauer hat sich der Oberschleißheimer Schriftsteller Siegfried Obermeier gewidmet, in dem Band „Der Narr und die Hexe".

Adeliges Blut in den Adern und weibliche bürgerliche Wertschätzung. Nicht immer passten diese Begriffe zusammen. Vor allem wenn es hier um die „Staatsräson“ ging, dann kannten einst alle für den Fortbestand des Herrscherhauses Verantwortlichen keine Gnade. Eine seit Jahren bei Königshäusern beobachtete Tendenz, dass sich Thronfolger Partnerinnen oder Partner „aus dem Volk“ suchen, das war früher nur in den seltensten Fällen möglich.

Bayern, genau genommen das Herzogtum Bayern-München, erlebte im 15. Jahrhundert einen bis heute viel diskutierten Fall, der immer noch die Herzen der Bevölkerung bewegt. Vor 600 Jahren, 1410, kam in Augsburg die Baderstochter Agnes Bernauer zur Welt. Unglücklicherweise erregte sie bei Kronprinz Albrecht (1401 - 1460) so viel Sympathie, dass sich dieser von ihr nicht mehr trennen wollte. Ein Grund für Herzog Ernst, den Vater, die 25-jährige Agnes als Hexe in Straubing in der Donau ertränken zu lassen. Als Begründung führte er an, dass durch das Liebesverhältnis seines Sohnes mit einer Bürgerlichen die Ehre der Wittelsbacher auf dem Spiel stand.

Der Senior der Schleißheimer Literaturszene, Siegfried Obermeier, fand im Jubiläumsjahr Gefallen an diesem aufwühlenden Vorgang. Er verfasste einen Psychothriller mit dem Titel: „Der Narr und die Hexe“. Unter Einbeziehung vieler geschichtlicher Fakten ersann er den buckligen Hofnarr Junker Hans. Dieser, ein Milchbruder von Albert, glaubt sich irrtümlicher Weise von Agnes geliebt. Doch aus der unerwiderten Liebe entbrennt eine eifersüchtige Rache, die schließlich zum tragischen Untergang der Bernauerin beiträgt.

Die Zeitereignisse mit den nachvollziehbaren, uns aber wenig bekannten Tatsachen und Fiktionen verknüpfen sich hier auf faszinierende Art zu einem fesselnden Roman aus dem späten Mittelalter. So galt früher die Hexerei als ein außerordentliches Verbrechen. Genau diesen Vorwand benützten die Verantwortlichen des Staates, um die unehrenhafte Verbindung des Wittelsbacher Sprosses mit der Baderstochter gewaltsam zu beenden. In einem Schnellverfahren verurteilten der Münchner Stadtrat Liegsalz und andere Richter Agnes Bernauer zum Tode. Als „Gnadenerweis“ ersparte man ihr immerhin den qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen.

Über die letzten Stunden und Minuten der Gedemütigten gibt es allerdings keine belegbaren Beweise. Unzählige Bücher versuchten bereits, diesen aufsehenerregenden Mord nachzuvollziehen, zu erklären, zu begründen. Etliche Theaterwissenschaftler nahmen sich dieses Stoffes an. Carl Orff schuf 1946 ein Musikdrama, sein reifstes, mit dem Titel „Die Bernauerin“.

1961 interessierten sich sogar Franzosen für dieses Thema. Sie drehten einen Spielfilm - mit Brigitte Bardot in der Titelrolle. Der „Mythos Agnes Bernauer“ ist in Straubing allgegenwärtig. Herzog Albrecht III. von Baiern-München, er regierte von 1438 bis 1460, heiratete danach standesgemäß. Er bereitete dem Geschlecht der Wittelsbacher noch viel Freude - und erhielt sogar den Beinamen „der Fromme“. Wilhelm V. wie auch Max Emanuel gehören zu seinen Nachfahren.

„Der Narr und die Hexe“ (242 Seiten) ist im Aachener Verlag Shaker Media erschienen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drama an S-Bahn-Gleisen: 15-Jähriger wird von Zug erfasst - Freunde müssen alles mitansehen
Drama an S-Bahn-Gleisen: 15-Jähriger wird von Zug erfasst - Freunde müssen alles mitansehen

Kommentare