1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

Eigener Sohn wird der letzte Lehrling des Büchsenmachers

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

- Vielseitiger Beruf rentiert sich heutzutage kaum mehr

VON ULRICH LOBINGER Aying - Optik, Physik, Ballistik, Mathematik: Johann Götz` Beruf ist so vielseitig wie einzigartig. Der 46-Jährige ist der einzige Büchsenmacher im Landkreis München und betreibt eine kleine Werkstatt in Großhelfendorf. "Seit ich 15 Jahre alt bin, baue und repariere ich Gewehre", erzählt Götz. Im Frühling schloss sein bisher einziger Lehrling Thomas Daurer die Gesellenprüfung in Bayern als Bester ab.

"Mein Vater hat mir damals den Vorschlag gemacht", antwortet Götz, wenn man ihn auf seine Berufswahl anspricht. "Er war Jäger und hat dadurch Kontakt zu einem Büchsenmacher gehabt. Im Alter von 15 Jahren habe ich meine Lehre begonnen." Damals sei die Industrielle Konkurrenz zu groß Büchsenmacherei auch noch ein normaler und verbreiteter Beruf gewesen. Dies habe sich mittlerweile jedoch geändert. "Da mittlerweile Waffen nur noch industriell gefertigt werden, ist die Büchsenmacherei am Aussterben", weiß Götz, der pro Jahr nur noch circa ein Gewehr baut. Im Moment fertigt der 46-Jährige gerade eine Flinte für einen Jäger an. "Für ein richtig gutes Gewehr muss ich 200 Stunden arbeiten. Das hat natürlich seinen Preis", so Götz. "Mit 10 000 Euro muss man für ein solches Gewehr schon rechnen. Industriell gefertigte Waffen sind natürlich viel billiger."

Leben könne man vom Gewehrbauen nicht. Seinen Lebensunterhalt verdient der Büchsenmacher in erster Linie mit der Reparatur von Gesellenstück sorgt bei Prüfern für Begeisterung Waffen. "Das Geschäft läuft ganz gut. Durch die Verschärfung des Waffengesetzes besitzen aber immer weniger Menschen Waffen. Das schlägt sich natürlich auch auf meine Arbeit nieder", klagt Götz, der von seinem Beruf dennoch viel hält. "Man braucht umfassendes Wissen. Es ist wirklich ein toller Job."

Bundesweit zehn Lehrlinge schlossen die Ausbildung zum Büchsenmacher im Frühling ab. Einer von ihnen war der Rosenheimer Thomas Daurer, der dreieinhalb Jahre bei Meister Götz das Handwerk lernte. Sein Gesellenstück, ein so genannter "Stecher", traf bei den Prüfern auf größte Begeisterung. "Der Stecher bildet das Abzugsystem in einer Waffe. Eine hoch komplizierte Angelegenheit", erinnert sich Götz voller Stolz an die Arbeit seines Schützlings. Daurer fand jedoch nur im Waffenladen seines Vater eine Anstellung. "Als Büchsenmacher ist es fast unmöglich, einen Job zu finden", bedauert Götz, der nur noch einmal einen Lehrling in die Kunst der Büchsenmacherei einweisen will: seinen eigenen Sohn. "Noch ist er erst 13. In zwei oder drei Jahren wird er dann bei mir anfangen", plant der 46-Jährige. "Aber nur, wenn er das auch will."

Auch interessant

Kommentare