Nach zwölf Jahren ist zum 1. August Schluss: Wilhelm Feldmeier (45) gibt sein Amt ab. Foto: Michel

"Ein Ehrenamt wie ein Unternehmen"

Hohenbrunn - Feuerwehr-Kommandant Wilhelm Feldmeier gibt sein Amt nach zwölf Jahren ab, der 45-Jährige möchte mehr Zeit für seine Familie haben. Ein Interview.

Nach zwölf Jahren legt Wilhelm Feldmeier das Amt des Kommandanten der Hohenbrunner Feuerwehr nieder. Am 1. August übergibt der 45-Jährige das Kommando an seinen bisherigen Stellvertreter Robert Paul. Was ihn zu dieser Entscheidung veranlasst hat, erklärt Feldmeier im Gespräch.

-Eigentlich sind Sie zu jung, um aus Altersgründen nicht mehr als Kommandant weiterzumachen.

Das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern vielmehr mit der Zeit. Meine hauptberuflichen Aufgaben als Brandschutzbeauftragter und Gerätewart füllen schon einen ganzen Arbeitstag aus. Und mittlerweile ist der Verwaltungsaufwand für einen Kommandanten bei der Größe unserer Feuerwehr nicht unerheblich. So bin ich leicht zehn bis zwölf Stunden täglich in der Feuerwehr.

-Und es ist eine klare Entscheidung für Ihre Familie.

Ich und meine Frau haben drei Kinder. Hätte ich für sechs weitere Jahre nochmals das Kommandantenamt übernommen, wäre mein ältester Sohn bereits volljährig. Ich möchte mehr Zeit für meine Familie haben.

-Immer mehr Kollegen in Feuerwehrkreisen jammern über den steigenden Bürokratismus. Wie ist es Ihnen ergangen?

Wir sprechen wohlgemerkt immer noch von einem Ehrenamt! Aber insbesondere die Verwaltungsseite ist für uns Kommandanten in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die Schrankwand in meinem Büro ist mittlerweile rappelvoll mit Ordnern. Als Leiter der technischen Wehr muss ich beispielsweise auch für Untersuchungen, das Jugendleiter-Führungszeugnis und die Verlängerung der Feuerwehr-Führerscheine verantwortlich zeichnen. Und das sind nur einige Beispiele. Die Verwaltung kostet mittlerweile so viel Zeit! Wir haben in Hohenbrunn rund 100 Feuerwehr-Dienstleistende und Jugendliche. Da steckt auch eine große Verantwortung dahinter. Im Grunde genommen lässt sich das, auch wenn es Ehrenamt ist, mit einem Unternehmen vergleichen.

-Aber Sie haben alle Verantwortlichen rechtzeitig von Ihrer Entscheidung unterrichtet?

Ich höre ja nicht im Bösen auf. Schon im vergangenen Jahr habe ich mitgeteilt, dass ich nicht zu einer Wiederwahl antreten werde. Natürlich gab es auch Bemühungen, mich in meinem Amt zu halten. Das ehrt mich und alle Beteiligten, aber an meiner Entscheidung wollte ich nicht mehr rütteln. Außerdem kann ich das Amt in gute Hände geben. Das beruhigt mich auch.

-Trotzdem wird der „Willi“ weiterhin oft in der Feuerwehr anzutreffen sein.

Natürlich. Zum einen ist hier mein Arbeitsplatz, zum anderen stehe ich ja auch weiterhin als Einsatzkraft zur Verfügung. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass ich und meine Familie die Gerätewartswohnung haben. Aber bestimmte Pflichten oder Aufgaben fallen weg, etwa Besprechungen, Prüfungsabnahmen, Wochenendtermine.

-In Ihrer Amtszeit hat sich viel verändert und getan in der Feuerwehr Hohenbrunn.

Sicher, wir konnten mehrere neue Einsatzfahrzeuge in Dienst stellen, etwa das Versorgungs- und das Mannschaftstransportfahrzeug, einen neuen Verkehrssicherungsanhänger und verschiedene Gerätschaften. Der First Responder wurde in Hohenbrunn eingeführt und etabliert. Und die Sanierung und Erweiterung des Gerätehauses konnten wir gemeinsam auf den Weg bringen. 2011 durften wir zusammen 150 Jahre Feuerwehr feiern. Wobei mir die Betonung auf das „Wir“ sehr wichtig ist. Ich bin ja nicht allein die Feuerwehr. Wir haben viele Ehrenamtliche, die sich in der Wehr und im Verein engagieren.

Das Gespräch führte

Wolfgang Rotzsche

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