Auseinandersetzung mit der Kirche: Sabine Kirchhoff hat sich am Hochaltar für ihre ikonenartigen Darstellungen von Heiligen inspirieren lassen. Foto: sabine Hermsdorf

Eine Rose rankt über den Rand

Schäftlarn - Heimische Künstler präsentieren "Kloster Schäftlarn in Form und Farbe"

Unter dem Motto „Kloster Schäftlarn in Form und Farbe 2012“ stellten die Schäftlarner Künstler im Jubiläumsjahr der Abtei ihre Arbeiten in der Aula des Internates aus. Die Idee zu dem Thema stammt von Wolfgang Steck, der auch als Sprecher der Gruppe fungiert und die Ausstellung organisiert hat. „Es geht nicht um die Darstellung des Gebäudes, es geht darum, seine Aura einzufangen, sich inspirieren zu lassen.“

Mit diesen Worten umschrieb Stefan Günzel, der in Vertretung von Abt Petrus Höhensteiger die Gäste begrüßte, die Aufgabenstellung. „1250 Jahre Leben in der Abtei sind nicht nur ora et labora - bete und arbeite -, es gibt noch einen dritten Faktor: Die Kultur.“ Und so vielseitig die Kultur sein kann, von der Arbeit über das richtige Maß bis hin zur Kunst, genauso vielseitig war auch die Ausstellung der zwölf Schäftlarner Künstler. Aquarelle, Collagen, Fotografien, oder eine Mischung aus allem - kaum eine Technik, die nicht vertreten war.

Die Künstlerin Sabine Kirchhoff betrat mit der Aufgabenstellung für die Ausstellung eher Neuland. Normal sind ihre Themen eher Landschaften und die Darstellung von Frauen aus aller Welt, bevorzugt aus dem arabischen Raum. „Doch jetzt musste ich mich eben mit der Kirche auseinandersetzen“, erzählte die 49-Jährige.

Und Kirchhoff schafft es, die Herausforderung anzunehmen und auf ungewöhnliche Art umzusetzen: Die Künstlerin begab sich bei ihrer Ideenfindung zum Hochaltar. Das Ergebnis sind, an Ikonen erinnernde Darstellungen der Heiligen des Klosters, wie zum Beispiel die beiden Namenspatrone St. Dionysius und Sta. Juliana.

Eine eher persönliche Verbindung zu der Benediktinerabtei zeigt Katharina Steinert in ihren Aquarellen. Liebevoll bis ins kleinste Detail stellt sie Augenblicke aus dem Prälatengarten dar. Eine Jacke, achtlos von einem der Gärtner aufgehängt, über deren Rand sich eine Rose rankt oder den Blick in einen Abfallkübel voller abgeschnittener Blüten. „Das ist sozusagen eine Arbeit von meiner Arbeit“, erklärte Steinert und lachte. „Ich helfe nämlich seit ein paar Jahren im Garten mit.“

Schon fast einen Kontrast dazu bietet der mit Acrylfarbe auf ein Holzbrett festgehaltener Blick über ein gelbblühendes Feld in Richtung Kloster.

„Das Holz ist hier aus dem Sägewerk gleich neben der Abtei“, erklärte die Ickingerin (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). „Also gleich ein doppelter Bezug.“ Auch Wolfgang Steck zeigte sich mit den Arbeiten seiner Gruppe zufrieden. „Man kann richtiggehend spüren, wie die Ausstrahlung des Klosters und seiner Umgebung aufgenommen worden ist“, lobte der 47-jährige Fotograf, Theologe und Dozent.

Und noch einen Aspekt der Ausstellung im Kloster brachte der Schäftlarner schmunzelnd zur Sprache. „Ich bin mir gar nicht sicher, ob es derzeit neue Bilder des Klosters gibt“, überlegte Steck bei der Eröffnung laut. „Doch bei uns ist erst gestern das letzte Bild trocken geworden - aktueller gehts wirklich nicht.“

Sabine Hermsdorf

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