Eine Schande: Der alte Bahnhof verkommt

Oberschleißheim - Wenn die S-Bahn aus München kommend vor dem Oberschleißheimer Bahnhof abbremst, leidet Hermann Schmid. Der Altbürgerbürgermeister und Ex-Eisenbahner sieht dann den seit 40 Jahren verkommenden alten Bahnhof.

Für Schmid, Rathauschef von 1976 bis 1996, ist das ehemalige Ortszentrum der größte Schandfleck von Oberschleißheim. Der Mittelpunkt des Ortes war einst der Bahnhof, der 1858 im Auftrag von König Max II. gebaut wurde, zusammen mit der wenige Meter entfernten Poststation. An den ehemaligen Ortskern erinnert auch noch der alte Ständer des Maibaumes neben den Wegen. Der alte Bahnhof hat schon viel erlebt, wurde das gesamte Gebäude doch 1898 einmal um sechs Meter verschoben, beim Ausbau der Gleisanlagen. 1972 wurde das Gebäude still gelegt, und schon da zeigte die Gemeinde Oberschleißheim Interesse an einem Kauf des Grundstückes. Hermann Schmid kann ein Lied singen von den Verhandlungen mit der Bahn, die aber alle erfolglos blieben.

Das Postgebäude wurde schön saniert und beinhaltet Mietwohnungen. Der Bahnhof dagegen wurde nicht saniert. Ein Bild totalen Verfalls bietet vor allem das Nebengebäude, in dem einst die Kühlung und die Toiletten waren. Dort stapeln sich Müll und Schutt, die Dachlatten biegen sich schon bedrohlich nach unten. Der komplette Einsturz des Daches ist nur noch eine Frage der Zeit.

„Ich schäme mich zutiefst, wenn ich mit der S-Bahn von München nach Oberschleißheim fahre“, sagt Altbürgermeister Hermann Schmid, „der König Max II. würde sich wahrscheinlich in seinem Grabe umdrehen, wenn er diesen, seinen Bahnhof heute sehen würde.“ Er fordert nun Maßnahmen von der Bahn, die nach dem Vorbild der alten Post die Gebäude umbauen könnte. Schmid könnte sich aber auch vorstellen, den Bahnhof wieder der alten Nutzung zuzuführen und einen weiteren Halt der Linie S 1 zu installieren mit dem Namen „Schloss Schleißheim“. So würde sich der Fußweg für Touristen vom Bahnhof zum Schloss verringern. Wenn die Bahn weiter nicht handeln wolle, solle sie den Grund doch der Gemeinde verkaufen.

Die Stellungnahme der Bahn wird Hermann Schmids Scahm nicht lindern. Ein Bahnsprecher erklärte auf Anfrage des Münchner Merkur, dass sich in nächster Zeit nicht viel tun werde: „Aufgrund des etwaigen Streckenausbaues und dem damit verbundenen Flächenbedarf in diesem Bereich sind alle Planungen hinsichtlich des ehemaligen Empfangsgebäudes vorerst zurück gestellt.“ Eine zusätzliche Haltestelle ist bei der Bahn auch kein Thema, denn der alte Bahnhof liege zu nahe an der S-Bahnhaltestation Oberschleißheim, von der Touristen auch in wenigen Minuten die Schlösser erreichen könnten. nb

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