Eine zentrale Persönlichkeit verloren

- Trauer um Altbürgermeister Franz Rieger - Beisetzung auf Waldfriedhof

Grünwald - Der Schnee troff in dichten Büscheln herab, als die Abgeordneten der Grünwalder Vereine gestern ihre Fahnenstangen im Trauerflor senkten und Franz Rieger die letzte Ehre am Grab erwiesen. Mit ihnen die örtliche Prominenz aus Politik und Gesellschaft. Der Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde war am 7. Januar im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Angehörigen verstorben (wir berichteten).

Pfarrer Gregor Mahr, der den Trauergottesdienst zusammen mit Josef Schranner in der Kirche St. Peter und Paul leitete, versprach bei aller Trauer auch Hoffnung in seiner österlichen Predigt: "Unser Mitbürger, Ehrenbürger und Bruder im Glauben, Franz Rieger, ist eingebettet in den Tod und die Auferstehung." In seinem Leben habe Rieger Verantwortung gegenüber denen gezeigt, die in Not waren.

Nach einem musikalischen Zwischenspiel mit Mendelssohn-Bartholdys Peer-Gynt-Suite beugte sich Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) über das Rednerpult: "Grünwald ist gut mit seinem Bürgermeister gefahren." Rieger, der 1960 mit überwältigenden 97 Prozent der Wählerstimmen zum Bürgermeister gewählt worden war, habe die Grundlagen für den Villenort geschaffen, die Gemeinde gefestigt und ab 1972 als erster "Profi-Bürgermeister" den Charakter der Gartenstadt und des Erholungsortes bewahrt. Der ganzen Bevölkerung sei Franz Rieger ein väterlicher Freund gewesen. 50 Jahre im Beruf, davon 36 in der Kommunalverwaltung, habe er "für andere geschafft, als wenn er es nur für sich selbst getan hätte".

Für die Vereine nahm stellvertretend der Erste Vorsitzende des Grünwalder Trachtenvereins, Hans Häusler, Abschied vom Verstorbenen. Den Vereinen sei es während seiner Amtszeit immer gut gegangen, und deshalb seien sie auch alle gekommen, der TSV, das BRK, die Feuerwehr, die Trachtler, die Schützen, der VdK und die Freunde Grünwalds.

Über den "Menschen Rieger" wollte Altbürgermeister Hubertus Lindner sprechen, der als letzter in der Reihe das Wort ergriff und um Fassung rang über den schmerzlichen Verlust. "Es war mir eine Ehre und Freude, 24 Jahre (von 1960 bis 1984) mit ihm im Gemeinderat so zusammengearbeitet zu haben, wie es nur zwischen Freunden gelingen kann." Mit dem Altbürgermeister habe die Gemeinde eine ihrer zentralen Persönlichkeiten verloren. Rieger habe sich nach dem Krieg neben der Leitung des Postamts - damals eine zentrale Anlaufstelle - auch als Junger in der Politik weitgehende Anerkennung und Vertrauen erworben. Lindner: "In seiner kleinen bescheidenen Amtsstube, die mit Büchern überladen war, saß er hinter dem Schreibtisch - ein bescheidener Mensch, der sich um die Anliegen der anderen kümmerte."Marc Schreib

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare