Einigkeit in der "Stunde des Kreide fressens"

- Kreistag kippt Ausschuss-Beschluss

Landkreis (an) - Den umstrittenen Beschluss des Kreisausschusses vom vergangenen Montag, die überfällige Taktverdichtung auf mehreren Buslinien im Landkreis bis zum Fahrplanwechsel 2004 zu vertagen, hat der Kreistag gestern gekippt. Einstimmig votierten die Räte für einen von der Grünen-Fraktion eingebrachten Dringlichkeitsantrag. SPD und Freie Wähler hatten sich mit eigenen Anträgen angeschlossen.

CSU-Fraktionschef Ernst Weidenbusch hatte die Lawine losgetreten, die in der vergangenen Woche für hektische Betriebsamkeit in den Fraktionen gesorgt hatte. Um ein Haar hätten Tausende Kunden des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) sich noch ein weiteres Jahr die Beine in den Bauch stehen müssen. Aufschiebende Wirkung gehabt hätte Weidenbuschs Antrag für die Linien 231 (Ismaning - Studentenstadt), 228 (Ismaning - Messe), 217 (Unterhaching - Neuperlach), 263 (Aschheim - Riem) sowie für das von der Stadt Garching und der Gemeinde Ismaning neu beantragte Anruf-Sammel-Taxi (AST).

Eigentlich hatte der christsoziale Fraktionsvorsitzende lediglich Neubibergs Bürgermeisterin Johanna Rumschöttel (SPD) maßregeln wollen, deren Antrag für die Linie 217 seiner Ansicht nach zu spät eingetrudelt war. Dabei übersah er den einnehmenden Effekt seines Antrags auf die übrigen Linien.

"Aus verkehrspolitischen Gründen nicht verantwortbar", schalt Grünen-Verkehrsreferent Alfred Fischer Weidenbuschs Tun zunächst noch recht moderat, um dann gröbere Geschütze aufzufahren: "Selbstherrlich und ohne jedes Sachargument" habe sich die CSU-Fraktion über die "berechtigten Wünsche" der Gemeinden hinweggesetzt. Freie Wähler-Chef Michael Sedlmair rügte: "Der Wunsch einzelner Kreistagsmitglieder, Antragsteller zu disziplinieren", habe im Hinblick auf das Interesse von ÖPNV-Kunden zurückzustehen.

Von "der Stunde des Kreide fressens" sprach Sedlmair ferner. Kollektives Schuldeingeständnis eines reuigen Plenums? Die Schuldigen jedenfalls waren schnell gefunden: Die Verwaltung des Amts hat Sedlmair, der "die Größe einen Fehler einzugestehen" einforderte, zu langsam geschaltet. Dem konnte sich Weidenbusch letztlich nur anschließen.

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