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Es war einmal ein Baudenkmal

Pullach - Das alte Kurhaus in Pullach ist von der Liste der denkmalgeschützten Gebäude gestrichen worden

Baudenkmal - war einmal. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das alte Kurhaus am Isarwerks-Kanal von seiner Liste der denkmalgeschützten Gebäude gestrichen. Grund dafür sind missglückte Sanierungsarbeiten. Der Bauträger gesteht eine Teilschuld ein.

Herausgerissene Fenster und Türstöcke, abgeschlagener Putz, demolierte Balkongeländer. Das Gebäude, in dem einmal Luxuswohnungen entstehen sollen, hat harte Tage hinter sich. „Es schaut einfach schlimm aus“, sagt Erwin Deprosse. Mit der Sanierung des alten Kurhauses in der Badstraße war und ist Pullachs Gemeindearchivar sehr einverstanden. Das, was eine Baufirma innerhalb kürzester Zeit in dem bis dato denkmalgeschützten Gebäude angestellt hat, macht ihn aber sprachlos. Die Schäden sind so groß, dass das Landesamt für Denkmalpflege dem Kurhaus seinen Denkmalstatus entzogen hat. Ein bisher einmaliger Vorgang in Gemeinde und Landkreis.

Verantwortlich für das Desaster ist ein Bauunternehmen, das der Bauträger „Smart Value“ für erste Arbeiten an und im alten Kurhaus engagiert hat. „Die waren zu aktiv, wollten sich wohl empfehlen“, sagt Jürgen Raudies, seinerseits mit der Abwicklung der Sanierung beauftragt. „Und innerhalb von einigen Tagen haben die Tabula rasa gemacht.“ Dabei sei ihr Auftrag lediglich gewesen, zurückgelassene Möbel und sonstige Abfälle zu beseitigen und einen Wasserschaden zu beheben.

Sowohl in der Gemeinde als auch im Landratsamt schüttelt man die Köpfe über das Geschehene. Weder hier noch dort will man gewusst haben, was sich auf der Baustelle abspielte. Kontrollen, sagt Gabriele Eckerle von der Abteilung Denkmalschutz im Landratsamt, würden immer nur stichprobenhaft durchgeführt und auch erst dann, wenn der Baubeginn offiziell gemeldet ist. „Smart Value“ habe genau das versäumt. Einen eigenen Kontrolleur schickte der Bauträger erst, als es schon zu spät war. Raudies räumt ein: „Das war unser großer Fehler.“

Für seine mangelhafte Umsicht hat das Unternehmen bereits gebüßt. Vier Monate Baustopp und die Streichung von Steuervergünstigungen, die das Landesamt bei Denkmalrenovierungen normalerweise gibt. Und es könnte noch dicker kommen. Wie Eckerle bestätigt, ist das Vorgehen der „Smart Value“ als Ordnungswidrigkeit einzustufen. Derzeit laufen Ermittlungen in diese Richtung. Die Höchststrafe in solchen Fällen ist auf 250 000 Euro festgesetzt. Eckerle geht allerdings davon aus, „dass der Betrag niedriger sein wird“.

Gerüchte, nach denen der Bauträger die Demolierung bewusst in Kauf genommen habe, um beim Umbau - jenseits von Denkmalschutzbestimmungen - freie Hand zu haben, weist Raudies entschieden zurück. Ein Vorgehen nach dem Motto „Glaspalast statt Baudenkmal“ sei nicht beabsichtigt. Im Gegenteil. Was passiert ist, sei „für alle sehr unerfreulich“. Jetzt, nach Aufhebung des Baustopps und mit neuem Architekten, wolle „Smart Value“ nach intensiven Gesprächen mit dem Denkmalschutzamt „an der alten Planung festhalten“ und das „alte Erscheinungsbild“ des Kurhauses wieder herstellen.

Ganz lassen sich die Bausünden jedoch nicht wieder gutmachen. Vor allem die Fassade, die den Charakter des Hauses ausmache, habe die Baufirma „verhunzt“, sagt Archivar Deprosse. Ihre Wiederherstellung ist für ihn „nahezu unmöglich“. Auch das Landesamt für Denkmalschutz kommt zu dem Ergebnis, dass die Denkmaleigenschaften des Gebäudes nicht wiederherzustellen seien. Für Deprosse besonders tragisch. Denn im Landkreis, sagt er, gebe es nichts Vergleichbares. (mmä)

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