Heute ist der Eichenstamm der Kirchturm der Mariengrotte, nachdem ein Blitzeinschlag die Baumkrone zerstört hatte. michel

Wie aus einer Eiche ein Kleinod wurde

Aying - Ihren letzten großen Auftritt hatte die Mariengrotte bei der 200-Jahr-Feier Kleinkarolinenfelds im Jahr 2002. Da kamen Hunderte, um das Jubiläum zu feiern. Sonst ist das kleine Gotteshaus im Wald westlich des Ensembles eher ein Geheimtipp.

Nur ein kleines Schild am Straßenrand, an der Kreisstraße kurz vor der Kreuzstraße, weist auf die Grotte hin, die eigentlich eine Kapelle ist. Dabei ist sie durchaus ein Kleinod, ja, sogar das geistliche Zentrum der Kleinkarolinenfelder. Die rund 140 Einwohner haben eine sehr liebevolle Beziehung zu diesem Gotteshaus. Laut Aufzeichnungen soll 1898 eine Nische in eine mächtige Eiche eingeschlagen worden sein. Hinein kam eine fast meterhohe Marienfigur, die der Überlieferung nach um 1880 von Holzarbeitern aus einer lebendigen Eiche geschaffen worden ist. Die Eiche selbst soll damals eines der ältesten Baumdenkmäler Bayern gewesen sein.

Die Datierung ist recht ungenau. In dem Werk „Die größten, ältesten oder sonst merkwürdigen Bäume Bayerns in Wort und Bild“ von Friedrich Stützer (1900) heißt es, sie soll damals bereits 300 bis 400 Jahre alt gewesen sein. Als Durchmesser wurden damals 1,4 Meter errechnet. Schon bald wurde die „Marieneiche“ Anziehungspunkt vieler Hilfesuchender und Andächtiger. Regelmäßig sollen im Sommer sonntags Vespern abgehalten worden sein. Die Eiche gibt es zwar noch, wenngleich nur als Rudiment. Heute ist der Eichenstamm nämlich quasi der Kirchturm, nachdem ein Blitzeinschlag die Baumkrone zerstört hatte.

Die Grotte wurde auf Initiative von Florian Ströhl und Georg Weichinger 1911 neu gebaut. Vor das Gnadenbild kam im Laufe der Zeit ein Gitter, dann wurde die Grotte erweitert. Ziel des Gebets ist eine Darstellung „Unserer Lieben Frau von Lourdes“. Die Nische des Baumholzes ist mit Tuff ausgeschlagen. Unter der Mariendarstellung kniet die heilige Bernadette. Nachgestellt ist das Erscheinungswunder von Lourdes (an den französischen Pyrenäen), das 1858 in einer Grotte stattgefunden hat. Daher auch der Begriff „Mariengrotte“.

In dem einfach gehaltenen Holzbau sind viele Kerzen vorzufinden, volkstümliche Darstellungen von Jesus und den Heiligen Maria und Anna. Über der Nische ist eine Ex-voto-Tafel der Familie Hubert angebracht. Johann Hubert senior gelobte in der Kriegsgefangenschaft, dass er alle sechs Jahre bei der Grotte ein Fest gestalten werde. „Am 4. September 1949 wurde ein Dankgottesdienst abgehalten, der gleichzeitig ein Gedenken an die gefallenen und verstorbenen Kleinkarolinenfelder war und die Bitte für die Heimkehr der noch gefangenen und vermissten Soldaten einschloss“, schrieb der verstorbene Ortschronist Maximilian Köchl auf. Neben einem Betstuhl besteht die Möglichkeit, Gebetsanliegen in einem Heft einzutragen. Gerne wird davon auch heute noch Gebrauch gemacht.

Für den Erhalt der Waldkapelle kommen die Kleinkarolinenfelder auf. Dabei waren sie schon immer einfallsreich. So haben sie beispielsweise Dorffeste abgehalten, um aus dem Erlös die notwendigen Ausbesserungsarbeiten zu bestreiten. Bei den orkanartigen Stürmen im Jahr 1990 blieb die Kapelle unversehrt, obgelich rundherum große Schäden zu bedauern waren. Auf dem Stamm wurde beispielsweise 1992 ein neues Dach mit Kugelkreuz gesetzt. Beim Renovieren des Dachs wurden alte Bretter gefunden, die vermutlich vom ursprünglichen Bau stammen.

Immer wieder kommen auch Bewohner aus „Kleinkaro“, wie der Ayinger Ort gern genannt wird, um nach dem Rechten zu schauen. Vor einiger Zeit wurden die Betbänke vor dem Gotteshaus hergerichtet. Jahr für Jahr werden Andachten hier abgehalten; vor allem im Advent. Ganz wichtig ist aber die Ruhe und das Gebet.

wjr

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