Eislaufen auf allen Seen verboten

- Landrat selbst nicht glücklich - Haftung nicht anders zu lösen

Landkreis/Kirchheim - Jahrzehnte tummelten sich Schlittschuhläufer fröhlich auf dem Fidschi, dem beliebten Heimstettener See. Mütter mit Kindern, Eisstockschützen, Spaziergänger oder Sportler, keiner dachte sich nach Frosttagen etwas, das Eis zu betreten. Doch jetzt stehen rund um den Fischi Schilder. Das Landratsamt informiert: "Das Betreten der Eisfläche und Schlittschuhlaufen ist verboten!" Die Feldkirchenerin Karin Obermaier und andere Mütter sind empört, haben zum Widerstand aufgerufen.

Auslöser für die Verbote sind zwei Eiseinbrüche Ende vergangenen Winters. "Im Sommer ertrinken auch immer wieder Menschen in den Seen. Deshalb ist das Schwimmen auch noch nicht verboten", schimpft Karin Obermaier. Sie hätte ja noch verstanden, wenn man ein Schild "Schlittschuhlaufen und Betreten der Eisfläche auf eigene Gefahr" aufgestellt hätte. Aber gleich ein strenges Verbot: "Das ist doch der absolute Witz!"

Das hatte zunächst Landrat Heiner Janik (CSU) auch gedacht. Im Vertrag mit dem Verein für überörtliche Erholungsgebiete in der Region München ist das Landratsamt zur Verkehrssicherung der auf eigenem Gebiet gelegenen Seen verpflichtet. Mehrere Juristen hätten leider, so Janik, "haarklein nachgewiesen", dass sich die Mitarbeiter des Landratsamtes, das Amt selbst, bei einem Unglücksfall nur dann von jeder Verantwortung freisprechen können, wenn ein klares Verbot ausgesprochen wird. Der Hinweis "auf eigene Gefahr" reiche nicht. "Es gibt in diesem Staat offensichtlich keine Eigenverantwortung mehr", sagt Janik. "Wir waren alle etwas ratlos und resigniert. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht unbedingt vereinbar."

Bei Verstoß kein Bußgeld fällig

Wenn sich aber alle Juristen einig sind, könne man zwar die Rechtsprechung hinterfragen, müsse aber dennoch die Mitarbeiter schützen, die im Zweifel sonst dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung ausgesetzt wären. Ständig rechtssicher zu prüfen, ob das Eis gefahrlos betretbar ist, sei für die Behörde unmöglich.

Alles, was er erreicht habe, sei, dass Zuwiderhandlungen gegen das Betretungsgebot bußgeldfrei bleiben. Auch Polizeistreifen werde man sicher nicht beauftragen. Wenn sich jemand nicht an das klare Verbot halte, sei man etwas hilflos, sagt Janik listig: "Wir sind allesamt Pragmatiker. Wer nasse Füsse hat, ist wohl genug bestraft, und an Schlimmeres wollen wir nicht denken. Das Verbot ist mir so etwas von zuwider. Es dient aber dem Schutz unserer Mitarbeiter."

Wenn dem so ist, müssten die Verbotsschilder doch bei allen Seen im Verantwortungsbereich des Landratsamtes angebracht werden? So beispielsweise auch beim Feringasee in Unterföhring. Der verantwortliche Abteilungsleiter im Landratsamt, Walter Hilger, bestätigt auf Nachfrage: "Alle Seen im Landkreis München, die dem Verantwortungsbereich des Landratsamtes unterliegen, sind inzwischen mit Verbotsschildern ausgestattet worden." agm

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