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Geben Einblicke in geglückte „Eltern auf Zeit“-Beziehungen: (v.r.) Birgit Voß, Leiterin des Pflegekinder-Teams; Tineke Dekker, „Mutter auf Zeit“; Rene, ehemaliges Pflegekind; Hans Dekker, „Vater auf Zeit“; Prince, ehemaliges Pflegekind.

Angebot des Landratsamts

Eltern auf Zeit

In Ausnahmesituationen bieten Pflegefamilien Geborgenheit und Rückhalt für Kinder.

Landkreis - Schwere Krankheit, Drogenabhängigkeit, Haftaufenthalt der ursprünglichen Eltern – das sind nur ein paar der Gründe, warum Kinder bei Ersatz-„Eltern auf Zeit“ untergebracht werden müssen. Der Bedarf steigt: 2013 hätten im Landkreis München 35 Kinder unter zwölf Jahren in Pflegefamilien vermittelt werden können, wenn es davon genug gegeben hätte. Mehr als 30 Teilnehmer kamen jetzt in die Sportschule Oberhaching, um erste Informationen zu erhalten und mit einer „Familie auf Zeit“ zu diskutieren. Das Pflegekinder-Team des Landratsamts München informierte über die dringende Suche nach „Eltern auf Zeit“, die Kindern aus schwierigen Familiensituationen ein zweites Zuhause geben. Angesprochen fühlen kann sich fast jeder, der Zeit für Kinder hat. „Eltern auf Zeit“ können verheiratete und unverheiratete Paare sowie auch alleinstehende Personen werden. „Einfühlsam, geduldig, belastbar und flexibel sollte man schon sein“, hob die Leiterin des Pflegekinder-Teams des Landratsamts, Birgit Voß, hervor. Die Zeitspanne kann kurz oder lang sein. Bei „Eltern auf kurze Zeit“, in der sogenannten Bereitschaftspflege, achtet das Landratsamt darauf, dass Kinder möglichst nicht länger als drei Monate untergebracht werden. Dieses Konzept macht auch für ältere Interessierte Sinn, Stichwort „Großeltern auf Zeit“. Bei „Eltern auf lange Zeit“, in der Vollzeitpflege über mehrere Jahre, achtet man darauf, dass der Altersunterschied zwischen Pflegekind und „Eltern auf Zeit“ eher dem klassischen Familienbild entspricht. Die Betreuung der „Eltern auf Zeit“ spielt für das Pflegekinder-Team eine große Rolle. Nach der Aufnahme eines Pflegekindes wird die Pflegefamilie weiter eng begleitet. Neben Gesprächen und Hausbesuchen werden Seminartage angeboten, die die „Eltern auf Zeit“ bei ihrer Erziehungstätigkeit unterstützen sollen. „Früher war das nicht so!“, warf die „Mutter auf Zeit“, Tineke Dekker, ein. In den vergangenen 30 Jahren kümmerte sie sich mit ihrem Mann Hans Dekker um sechs Kinder auf lange Zeit, und um viele Kinder auf kurze Zeit. Und das trotz vier eigener Kinder. Zum Frage- und Antwort-Gespräch waren da aus dem Haus, bestehen immer noch Familienbande. Prince, 29, und Rene, 28, feiern beispielsweise Weihnachten mit ihren „Eltern auf Zeit“. „Familie Dekker ist eine Vorzeige-Familie“, gab Voß zu, „aber eine Pflegefamilie kann viele Gesichter haben!“ Aktuell arbeite das Pflegekinder-Team mit circa 80 Familien und etwa 100 Kindern zusammen. Eine weitere große Aufgabe sei die Begleitung der Kontakte des Kindes mit der Herkunftsfamilie. Die Herkunftseltern, -großeltern oder -geschwister sollten weiterhin am Leben des Kindes teilhaben, so Birgit Voß. Inwieweit das möglich sei, würde im Einzelfall entschieden. Stets sei das Wohl des Pflegekindes im Auge zu behalten. Voß und ihr Team ließen die „Familien auf Zeit“ hierbei nicht allein und helfen dem Kind Biografiearbeit zu betreiben. Gerade bei den Kleinen habe sich gezeigt, dass es für die Entwicklung förderlich sei, gemeinsam ein „Lebensbuch“ zu gestalten, das dem Kind begreifbar mache, woher es käme. Pflegekind Prince erinnerte sich, dass der Umgang mit seiner Herkunftsfamilie nicht immer einfach war. Der Kontakt zu seiner leiblichen Mutter hätte aber dabei geholfen, seine Pflegefamilie schätzen zu lernen. „Die Integration in die Pflegefamilie ist unter anderem deswegen relativ einfach gewesen, weil unsere ,Eltern auf Zeit‘ keinen Unterschied zwischen leiblichen Kindern und Pflegekindern machten“, erinnerte sich Prince’ Pflegebruder Rene. Beide Pflegekinder hätten ihre Herkunfts- und Pflegefamilie nie in einem Konkurrenzverhältnis gesehen. Dies solle man versuchen zu vermeiden, auch wenn es für alle nicht immer einfach ist, so der erfahrene Pflegevater Hans Dekker. Seine Frau ergänzte, dass es nicht ausreiche, bloß das Pflegekind aufzunehmen, man müsse ein Stück weit auch die leiblichen Eltern annehmen.

Weitere Informationen erhalten Interessierte unter: www.elternaufzeit.landkreis-muenchen.de im Internet oder unter Tel. 62212699.

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