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Eine bis ins Jahr 1840 zurückreichende Vergangenheit hat das Doktorhaus in der Hauptstraße 73 in Unterhaching – jetzt muss es einem Neubau weichen.

Abriss

Das Ende vom Doktorhaus

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Unterhaching - Nach 175 Jahren wird das sogenannte Doktorhaus, eins der ältesten noch bestehenden Gebäude in Unterhaching, dem Erdboden gleichgemacht.

In der Hauptstraße 73 läuft momentan der Abriss, als Neubau sind schon länger zwei Doppelhaushälften projektiert; das Doktorhaus stand nicht unter Denkmalschutz. 

In seinem Buch „Heimat Unterhaching“ hat der 2011 verstorbene Heimatforscher Rudolf Felzmann dem Doktorhaus zwei Seiten gewidmet. Errichtet wurde es demnach 1840 vom königlichen Universitätsprofessor und Bezirksarzt Dr. Anton Kranz, dessen Amtsbezirk damals von Perlach bis nach Oberhaching reichte. Seine Dienste nahmen die Bauern aber offenbar nur zögerlich an. 

1882, nach dem Tod von Dr. Kranz, bemühte sich die Gemeinde wieder um einen Arzt. Denn: Wegen der großen Entfernung nach München treffe die Arzthilfe oftmals verspätet ein. Den Kaufpreis von 4000 Euro für das Anwesen amortisierte die Kommune zu jener Zeit über eine eigens eingeführte Biersteuer. 

Wie Rudolf Felzmann in seinem Heimatbuch schilderte, praktizierten bis 1890 verschiedene Ärzte im Doktorhaus, danach verfügte die Gemeinde selbst über ihre Mieter. Damals wurden die Steuern von Haus zu Haus einkassiert, ein Bankensystem existierte noch nicht – außer dem Schul- und dem Doktorhaus besaß die Gemeinde 1893 kein weiteres Anwesen mehr. Aus diesem Grund bewohnten fortan nur noch öffentliche Bedienstete das Doktorhaus – beispielsweise der Lehrer, der zugleich auch als Gemeindeschreiber und Gendarm fungierte. Von 1905 bis zum Zweiten Weltkrieg hatte der „Postexpeditor“ seinen Sitz im Doktorhaus, von 1933 bis 1948 die Kreissparkasse. Im Dritten Reich diente das Doktorhaus als Geschäftsstelle der NSDAP-Ortsgruppe – die Leute nannten es „braunes Haus“. Nach dem Krieg wurde es ein gewöhnliches Mietshaus

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