Im Ernstfall hilft nur beherztes Zupacken

Ebenhausen - Feuerwehr Ebenhausen organisiert Übung im Pflege- und Altenheim

Ebenhausen - „Rauchentwicklung im dritten Obergeschoss des Altenheims in Ebenhausen“: Das ist ein Szenario, das sich kein Feuerwehrmann gerne vorstellt. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, hat die Feuerwehr Ebenhausen eine Übung organisiert, an der auch viele Einsatzkräfte aus der Nachbarschaft teilnahmen.

Rund 100 Einsatzkräfte aus Ebenhausen, Hohenschäftlarn, Pullach, Baierbrunn und Neufahrn sowie Mitglieder des Rettungsdienstes übten den Ernstfall am evangelischen Alten- und Pflegeheim Ebenhausen. Dabei galt es nicht nur, den Brand zu bekämpfen, sondern auch die Senioren in Sicherheit zu bringen. „Man darf nicht vergessen, dass die meisten unserer Bewohner aus der Kriegsgeneration stammen“, sagt Einrichtungsleiter Wilfried Bogner. „Uniformen, Blaulicht, Atemschutzmasken: Das alles weckt ungute Erinnerungen, macht Angst.“ Gerade unter Demenz leidenden Personen kann man im Notfall nicht oder nur schlecht vermitteln, dass sie jetzt mitkommen müssen.“ Nur, wie soll man am Besten vorgehen? „Gute Frage“, muss auch der Zweite Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Gerhard Märkl, zugeben. „Wir versuchen schon, wenn die Zeit da ist, durch ruhiges Vorgehen einen positiven Einfluss auszuüben. Ist es aber akut, hilft nur noch zupacken, bevor Schlimmeres passiert.“

Bei der Übung sind aber nicht die Senioren die Opfer. „Wir haben uns 25 Statisten organisiert“, berichtet der Erste Kommandant der Feuerwehr Ebenhausen, Andreas Noel. Gefunden wurden diese im Familien und Freundeskreis - auch wenn das Alter weit unter dem der eigentlichen Bewohner liegt. „Jeder hat eine Rolle zu spielen“, erklärt Thomas Neukirch (FF Ebenhausen), der die Einweisung der Schauspieler übernommen hat. „Und damit auch keiner vergisst, was er zu tun hat, gibt es Zettelchen.“ So mimt die 23-jährige Julia Reckendorf eine gehbehinderte Seniorin, die auf Krücken einen Mitbewohner sucht und nur auf Pfleger Thomas hört. „Ich habe hier im Pflegeheim bereits gearbeitet“, sagt die junge Frau. „Ist doch Ehrensache jetzt mitzumachen, auch wenn heute mein Geburtstag ist.“

Mittlerweile sind die Einsatzkräfte angekommen, bringen die Fahrzeuge in Stellung. Atemschutztrupps betreten das Stockwerk und beginnen, Zimmer für Zimmer zu durchsuchen. Die ersten „Senioren“ werden Richtung Treppe geführt. „Nicht so schnell“, ruft Neukirch den Statisten hinterher. „Ihr seid schließlich 90!“ Innerhalb von 30 Minuten ist das Stockwerk evakuiert.

„Unsere Senioren waren so großzügig und haben ihre Zimmer zur Verfügung gestellt“, lobt Heimleiter Bogner. „Eine Dame war selbst schon einmal bei einer Übung als Opfer dabei. Ich glaube, sie hätte gern wieder mitgemacht.“ Doch nach der Übung ist auch vor der Übung: Die Führungskräfte treffen sich am Einsatzleitwagen zur Nachbesprechung mit Kreisbrandmeister Thomas Lix, der von hier aus das Geschehen verfolgt hat.

Unterm Strich ist der Kreisbrandmeister sehr zufrieden mit dem Verlauf: „Wir haben hier wirklich eine super Truppe.“ Auch Bogner zieht positive Bilanz: „Auch für unsere Seite ergeben sich immer wieder Dinge, die wir verbessern können.“ Auch er sieht die Übung als unverzichtbare Notwendigkeit an. „Die Feuerwehr kann sich nicht erst dann orientieren, wenn der Ernstfall eintritt. Wir können nur Danke sagen.“

Sabine Hermsdorf

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