Erntebilanz: Einbußen beim Getreide - Mais steht gut

Aying - „ Bei jedem Sonnenstrahl mussten wir schnell raus, um das Getreide ernten zu können", sagt Martin Stadler (39). Schwierig war heuer die Ernte. Das kühle und regnerische Wetter der vergangenen vier Wochen ärgerte nicht nur Schulkinder und Eltern, sondern auch die Landwirte.

Die Getreideernte ist gelaufen. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Von einem ganz schlimmen Jahr spricht Anton Stürzer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). „Die Trockenheit um Pfingsten und die große Hitze in diesem Zeitraum haben gerade die Landwirte im Landkreis gebeutelt. Auf den Böden der Münchner Schotterebene sind die Folgen gravierend. Die Quantität lässt zu wünschen übrig.“ Allerdings nicht in allen Fällen. „Bei guten Böden, die Wasser halten können, war das Ergebnis gut bis sehr gut“, sagt Stürzer.

Das bestätigt auch die Umfrage bei Landwirten im Landkreis. So spricht Alfons Meßner aus Putzbrunn von einem „deutlich zu geringen Ergebnis“ beim Weizen, den er auf einer zehn Hektar großen Fläche anbaut. „Die Ähren wurden durch die Pfingsthitze nicht richtig ausgebildet. Pro Hektar ernteten wir etwa 60 Doppelzentner. Normal sind 75.“ Ganz schlimm sei es beim Raps gewesen. „Da gab es große Verluste, und die Qualität stimmte auch nicht.“ Ganz andres bei der Gerste: „Da waren Qualität und Quantität gut“, berichtet Meßner. Gute Ernten erwartet er beim Mais, der liebt Wärme und Feuchtigkeit. „Da passt das Wetter. Die Kolben sind gut ausgebildet. Von Hagelschäden blieben wir verschont.“ Positiv sind auch die Aussichten für die Kartoffelernte. „Die wird um einiges besser ausfallen als im vergangenen Jahr.“

Das bestätigt auch Martin Stadler aus Aying. Der BBV-Ortsobmann baut gerade so viele Kartoffeln an, wie er über seinen Hofladen direkt vermarkten kann. „Sechs Sorten baue ich an, die von meinen Stammkunden am stärksten nachgefragt werden.“ Als Direktvermarkter ist er weitgehend unabhängig vom Marktpreis, der aktuell 25 Prozent unter dem des Vorjahres liegt. „Doch danach fragen die Kunden bei uns weniger. Für sie zählt die Qualität, und dafür zahlen sie“, sagt Stadler.

Mehr als zufrieden ist er über das Ergebnis beim Weizen: „90 Doppelzentner pro Hektar ernteten wir. Das gab es noch nie. Aber hier in Aying hatten wir zu Pfingsten ausreichend Regen, mehr als im übrigen Landkreis.“ Allerdings stellte das die Ayinger Landwirte bei der Ernte vor große Schwierigkeiten. „Zwei oder drei Tage am Stück ohne Regen gab es nicht. Das bedeutete auch, dass wir den Weizen nicht trocken vom Feld bekamen. Wir mussten trocknen lassen. Das kostete wieder.“

Zu schaffen macht den Landwirten nun der niedrige Weizenpreis. „Derzeit liegt er bei 15 Euro für den Doppelzentner. Vor sieben Jahren waren es schon einmal 30 Euro“, sagt Willi Zellner von der Marktberichterstattung des BBV in München. Die Ursache für den niedrigen Preis sei die sehr gute Ernte im gesamten Bundesgebiet. „Das Angebot ist sehr groß und die Qualität gut. Das trifft die Landwirte im Landkreis, die neben dem schlechten Ergebnis nun auch unter dem niedrigen Preis leiden.“ Das sei auch beim Raps der Fall. Hier liegt der Preis bei 32 Euro für den Doppelzentner. Vor zwei Jahren waren es 50 Euro. „Manche Landwirte haben zugewartet bei der Ernte, hofften aus bessere Bedingungen und Preise. Doch das Gegenteil ist der Fall. Was jetzt noch beim Getreide draußen steht, kann man vergessen“, sagt Zellner.

Eins ärgert die Landwirte: Sie bekommen weniger für ihren Weizen und die Gerste, aber die Verbraucher profitieren davon nicht. Kein Bäcker und keine Brauerei würde die Preise senken, weil sie heuer weniger für die Rohstoffe zahlen. Für die nächsten vier Wochen hoffen die Landwirte auf weniger Regen. „Die Zeit wird entscheidend für den Mais und die Kartoffeln“, sind sich Meßner und Stadler einig. Bei den Kartoffeln hatten sie heuer schon einige Probleme zu bewältigen. So war der Kampf gegen die Krautfäule angesagt. Nur mit vermehrtem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln war das zu bewältigen. Und Stadler berichtet über einen weiteren Schädling, den Kartoffelkäfer. „Der Befall war massiv, so stark wie noch nie.“

Positiv war das Wetter für die Grünlandbauern. Vier Schnitte brachte Stadler ein, der fünfte steht an. „Zusammen mit dem sehr gut stehenden Mais bedeutet das, ich habe genügend Futter für meine 68 Milchkühe und muss nichts dazukaufen.“ nie

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