Neusiedl rechnet mit Nachahmern
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Drehen bei der Fernwärme am gleichen Rad: (v.l.) die Bürgermeister Wolfgang Panzer (Unterhaching) und Jan Neusiedl (Grünwald).

Erste Geothermie-Kompetenzzentrale in Bayern

Grünwald/Unterhaching - In puncto Geothermie ziehen die Gemeinden Grünwald und Unterhaching ab sofort an einem Strang. Der Kooperationsvertrag für den Fernwärmeverbund gilt für die nächsten 25 Jahre.

Eine 5,3 Kilometer lange Verbundleitung, in rekordverdächtiger Zeit von nur sechs Monaten durch Grünwalder und Perlacher Forst verlegt, verbindet die beiden Geothermie-Kraftwerke in Laufzorn und Unterhaching miteinander. Je nach Bedarf kann nun überschüssige Fernwärme hin und her transferiert werden, um für eine größtmöglich effiziente Auslastung der Kraftwerke zu gewährleisten. „Zusammen sind wir stärker als allein“, erläutert Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching GmbH, den Sinn der Zusammenarbeit. Beide Seiten seien gleichermaßen Nutznießer: „Eine echte Win-Win-Situation.“

Hinter dem Fernwärmeverbund stecken mehrere Ideen. Vor allem geht es darum, Leerlaufphasen zu vermeiden wie zuletzt in Unterhaching, wo monatelang die Stormerzeugung stillstand und lediglich Fernwärme produziert wurde. Grünwald wiederum verfügt, wenn die neue Pumpe - die gerade in den USA gebaut wird - fertig ist, in seiner 40 Megawatt-Anlage über einen großen Fernwärmeüberschuss. Der kann über die neue Verbundleitung ins Unterhaching Fernwärmenetz eingespeist werden, was neue Ressourcen für die Stromerzeugung schafft. Kurzum, Grünwald wird seinen Fernwärme-Überschuss los, Unterhaching kann endlich mehr Strom erzeugen - beide Seiten profitieren. Umgekehrt hilft Unterhaching mit Fernwärme aus, wenn beispielsweise die Erdwärme Grünwald GmbH die Pumpe auswechseln muss. Und: Beide Unternehmen arbeiten mit dem gleichen Pumpenhersteller zusammen, setzen insofern auf Erfahrungsaustausch. Bei Material-Anschaffungen könnten zudem ein konzertiertes Auftreten sich vorteilhaft auf Preisverhandlungen auswirken.

„Es ist die erste Kooperation dieser Art, und ich bin sicher, dass sie Nachahmer finden wird“, sagt Grünwalds Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU). Sein Unterhachinger Kollege Wolfgang Panzer (SPD) betont die Langfristigkeit des Verbunds: „Wir stehen erst am Fuß eines Berges, den wir gemeinsam besteigen wollen.“ Darin sieht Panzer Vorbildcharakter: „Es ist falsch, wenn sich jeder als Satellit betrachtet. Idealerweise sollten alle Geothermie-Unternehmen zusammenarbeiten.“

Jetzt haben Unterhaching und die Erdwärme Grünwald GmbH den Anfang gemacht. EWG-Geschäftsführer Andreas Lederle schwärmt gar von der „ersten Geothermie-Kompetenzzentrale in Bayern“. Zudem sieht er „den großen Charme, dass hier zwei Kommunen auf Augenhöhe miteinander reden“. Die Verträge seien „so gestaltet, dass sie für beide interessant sind“. Auch wenn Unterhaching voraussichtlich eher Nehmer als Geber sein wird. Andererseits spart sich Unterhaching die beträchtlichen rund 80 Prozent der Kosten für das mit Öl betriebene Redundanzheizwerk, sollte an Spitzenlasttagen im Winter die eigene Fernwärme nicht ausreichen. Ganz abschaffen werde man das Ersatz-Heizwerk aber nicht, so Geisinger: „Ein zweiter Hosenträger ist nie verkehrt.“

Martin Becker

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