Freie Sicht auf das ehemalige Hauptgebäude der Firma „Danfoss Bauer“: Die Rohdungsarbeiten geben den Blick frei und verdeutlichen, wie groß das Areal ist, auf dem neben der Fachhochschule auch neue Wohnblöcke entstehen. Foto: gefö

Die ersten Bäume sind abgeholzt

Unterschleißheim - Die ersten Bäume sind gefällt. Sie müssen weichen, damit im Anschluss der Abbruch des ehemaligen Firmengebäudes „Danfoss Bauer" beginnen kann. Naturschützer sehen die Entwicklung auf dem Areal entlang der Südlichen Ingolstädter Straße mit Sorge.

Eichen, Eschen und Spitzahorn - rund 200 Bäume stehen auf dem Grundstück entlang der Südlichen Ingolstädter Straße in Unterschleißheim. Derzeit sägen Arbeiter die ersten Bäume ab. Sie müssen Platz schaffen für die Abrissbirnen, die das alte Haupthaus der Firma „Danfoss Bauer“ einreißen sollen. Denn dort wird die Fachoberschule (FOS) gebaut, und weiter südlich, hin zu Weihenstephaner Straße und Kreisel, entsteht eine neue Wohnanlage. Wie viele der zum Teil sehr alten Bäume auf dem 30 000 Quadratmeter großen Gelände verschwinden werden, ist offen.

Während die Abholz-Arbeiten laufen, hält in der Stadt die Diskussion über die Entwicklung auf dem Gelände an. Vertreter der Stadt argumentieren, alle Schritte der Rodung seien mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt München besprochen. Die Anzahl der Bäume, die fallen müssen, sei „auf ein absolut notwendiges Maß“ beschränkt. Der Schutz von Flora und Fauna habe „oberste Priorität“, teilt die Stadt auf ihrer Homepage mit. Sie verweist auf zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen. Beispielsweise würden Bäume mit Bruthöhlen so gefällt, dass die Höhlen erhalten bleiben und an anderer Stelle aufgestellt werden könnten.

Ein Witz, findet der Bund Naturschutz (BN), Ortsgruppe Schleißheim. Eine Höhle auf der Erde sei schließlich für Vögel und Fledermäuse weitaus weniger sicher als im Stamm eines in die Höhe ragenden Baumes. Im Resümee sieht Birgit Patsch, Vorsitzende des BN Schleißheim, in der Mitteilung der Stadt, „einen ebenso dreisten wie hilflosen Versuch, von den wahren Dimensionen und Auswirkungen abzulenken“. Die Stadt wiederum arguentiert: „Umweltschutz und FOS sind vereinbar.“

Fakt ist: Dort, wo heute die Überreste der Firma „Danfoss Bauer“ und die Bäume stehen, wird in den kommenden Jahren stark gebaut. Richtung Bahnhof, auf dem nord-westlichen Teil des Areals, entsteht die FOS. In süd-östlicher Richtung eine neue Wohnanlage mit Blöcken, die bis zu acht Stockwerken hoch geplant sind. Auf rund 18 000 Quadratmeter Geschossfläche wird Platz geschaffen für neuen Wohnraum. Dass auch für dieses Bauvorhaben Bäume verschwinden müssen, steht außer Frage. Auf diese Situation geht die Stadt derzeit nicht ein. Allerdings ist die Problematik bereits in verschiedenen Gremien Thema gewesen. Insgesamt aber begegnen die Befürworter der Bebauung kritischen Äußerungen zumeist mit dem Hinweis darauf, dass jedes andere Vorgehen einem Neubau der Fachoberschule in Unterschleißheim zuwiderlaufe. Wer die FOS in der Stadt wolle, dürfe sich nicht um ein paar Bäume grämen.

Als ewige Verweigerer zu gelten, missfällt dem örtlichen BN. Niemand habe etwas gegen den Bau der Schule und sei grundsätzlich gegen das Abholzen der Bäume. Unzufrieden sind die Naturschützer mit dem Ausmaß, den die Bebauung angenommen hat. Eine geringere Baudichte könnte viele der Bäume retten, argumentieren sie. Und werfen der Stadt vor, im Deal mit dem Investor den Umweltgedanken mehr oder minder vollkommen preis gegeben zu haben. Wie berichtet, hatte der Investor ursprünglich geplant, ein Hotel zu bauen. An seiner statt entsteht nun die Wohnanlage. Auf diese Weise wird nach Ansicht der Bund Naturschutz-Anhänger noch mehr Fläche verbraucht, müssen weitaus mehr Bäume gefällt werden.

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