Wie Europa Weihnachten feiert

- Garching - Heute feiern in ganz Europa die Menschen das Fest von Christi Geburt. Bei einem Fest in der Pfarrei St. Severin in Garching erzählten ausländische Mitbürger von ihren Bräuchen zur Weihnachtszeit.<BR>

<P>"Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen", trug Karin Schuster das bekannte deutsche Gedicht vor. Die Rumäniendeutsche aus Siebenbürgen in den Karpaten kam vor 20 Jahren zur Adventszeit aus ihrer damaligen Heimat nach Deutschland. Bewegt erinnert sie sich an den ersten "krassen Unterschied zwischen Ost und West": "Solche Pracht von Blumen und Adventsgestecken mitten im Winter! Das gab es bei uns nicht." Und all die Bäume voller Lichter in Garching: "Das war umwerfend, so wunderschön", erinnert sich Schuster, heute Mitarbeiterin im evangelischen Pfarrbüro. Sonst sind die Weihnachtsbräuche in Rumänien sehr ähnlich gewesen: Nur statt St. Nikolaus klopfte im Dorf ihrer Großmutter der Weihnachtsengel, auch Neujahrsengel genannt, an die Tür.<P>Väterchen Frost heißt er in Russland. Ein Christkind gibt es in der Heimat von Galina Zehrfeld aber nicht. "In Russland ist alles anders als bei euch", erzählte sie sanft: Als "Opium für das Volk" wurde seit der Oktoberrevolution 1917 die Religion verdammt. Gefeiert werden sollte aber doch: So gibt es ab 24. Dezember zehn Tage lang Feste für die Kinder: "Da kommen dann alle Bräuche von Weihnachten, Silvester und Fasching, sogar der Tannenbaum als Symbol ewigen Lebens, zusammen."<P>Ganz anders im tiefgläubigen Polen. Hier verzichten viele sogar in der Adventszeit auf Süßes, um bewusster und tiefer die Ankunft des Herren zu erleben, wie Ewelina Wolkow, Aupairmädchen in Garching, erzählte. Jeden Tag gibt es eine Heilige Messe. Auch den Adventskranz mit einer Kerze in der Mitte und weiß-hellblauem Band geschmückt, kennt man in Polen.<P>Zum Namenstag der Heiligen Lucia am 13. Dezmeber stellen in Kroatien die Familie ein grünes Weizennest mit Kerze auf: Es soll daran erinnern, erzählten Messner Mladen Bjelankovic und seine Frau Antonija, dass einst die Heilige Lucia sich trotz Folter und Verfolgung nicht im Glauben zu Gott beirren ließ und leuchtete. An Heiligabend begrüßen Haselnusszweige vor dem Haus den Erlöser. Und im ganzen Haus liegt Stroh, damit das Kindlein auch ja sanft liegt. Am 25. Dezember wird das große Christgeburtsfest gefeiert.<P>In Griechenland kommt der Heilige Wassilios, um die Menschen zu beschützen, wie die in Garching lebende Griechin Eleni Mavroeidi erzählte. Sie hatte eigens eine Wassilopia gebacken. Einen Brotkuchen, in den ein Goldstück hineingebacken wird. Den Finder erwartet im kommenden Jahr besonders viel Glück. Der Heiligen Wassilios, der 330 in Griechenland lebte, wies die Christen an, zu ihrem Erkennen kleine Brötchen zu backen. An diesen Brauch erinnert diese griechische Sitte.<P>Trotz all der unterschiedlichen Sitten: Heute Abend werden die Christen Europas, die im Pfarrsaal von St. Severin inmitten Garchings schon zusammen Advent feierten, gemeinsam überall die Geburt Christi besingen mit "Stille Nacht, Heilige Nacht".agm<P>

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