Über 200 Journalisten und Fotografen belagerten den August-Everding-Saal in Grünwald. Hier waren es nicht ganz so viele. Foto: jürgen Bollig

Everding-Saal im Ausnahmezustand

Grünwald - Der Kontrast konnte nicht augenfälliger sein: ein strahlender Herbsttag und ein von der Polizei abgeriegelter Grünwalder August-Everding-Saal.

Die Film-, Theater- und Musikbranche trug Trauer, als sie gestern am frühen Nachmittag vor dem Kulturhaus in Grünwald eintraf, um sich von Thomas Fuchsberger (53) für immer zu verabschieden. Die Eltern Joachim (83) und Gundel (80) Fuchsberger hatten sich für den Konzertsaal als Ort für die Trauerfeier entschieden. Und wo sonst Musikfreunde fröhlich gelaunt umhermarschierten, war die Atmosphäre bedrückt und die Fassungslosigkeit über das Drama - Thomas Fuchsberger ertrank am 14. Oktober im Kulmbacher Mühlbach - spiegelte sich in den Gesichtern der eingeladenen Freunde und Verwandten wider.

Abschied von Tommy Fuchsberger

Abschied von Tommy Fuchsberger

Etliche von ihnen hatten sich zunächst einer Medienmaschinerie zu stellen, der sie sich mit kurzen Statements offenbarten. Darunter Schauspieler Ralf Bauer, der mit Joachim Fuchsberger erfolgreich auf der Bühne stand, oder Bigband-Legende Max Greger und Max Greger junior, denen natürlich die Katastrophe, dass ein Vater im hohen Alter seinen Sohn verliert, besonders naheging.

Über 200 Journalisten und Fotografen, Vertreter aller Ferseh- und Rundfunkanstalten hatten den August-Everding-Saal in einen Belagerunszustand versetzt. Haupt- und Nebeneingang wurden ohne Unterlass von Kameraaugen und Mikrophonen belauert, Stellungsspiele wurden ausgefochten, wenn sich wieder eine Karrosse dem Parkplatz näherte. Und weil lauter Profis am Werk waren, konnten sie jeden sich abwendenden „Promi“ dennoch identifizieren. Schlagerstar Patrick Lindner aus Grünwald etwa, der wortlos dem Eingang zusteuerte. Blitzlichter waren im Dauereinsatz, wenn sich der eine Kameramann oder Fotograf an den Kollegen wandte und wissen wollte, wer das nun war.

Für zehn Minuten durften die Journalisten den Konzertsaal betreten, der sich in einer ungewohnten Szenerie präsentierte. Auf dem Podium ein Bild von „Thommy“, zahllose weiße brendende Kerzen in verschiedenen Anordnungen, Blumengewinde und ein Kranz von der Landeshauptstadt München. Nach der Begrüßung durch Grünwalds Bürgermeister Jan Neusiedel, wird Oberbürgermeister Christian Ude das Wort ergreifen.

Schon geben die Saalordner das Zeichen zum Aufbruch, die vier Kondolenzbücher am Haupteingang sind aufgeschlagen - in ihnen können sich die noch nicht sichtbaren Grünwalder ab dem späten Nachmittag eintragen. Es fällt auf, dass kaum Einwohner der Isartalgemeinde anzutreffen sind. Die Medienvertreter und die hermetisch abgeschirmte Trauerfeier scheinen Welten zu trennen. Aus einem Fenster der im gleichen Gebäude untergebrachten Musikschule hört man, wie sich Schüler an einem Stück von Johann Sebastian Bach versuchen. Und es sind diese wenigen, von Pausen unterbrochenen Klangfolgen, deren Töne von Tod und Trauer auch den Unbeteiligten berühen.

Nur, wo sind die vielen Grünwalder? Ein Paar, das an dem Treiben Anteil nimmt, kommt aus Pullach. „Wir wollten mal sehen, was da passiert.“

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