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So schaut sie aus: die echte bayerische Tracht der "D'Hachingertaler".

Trachtenmode bei Discountern

"Faschingskostüm" für die Wiesn

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Landkreis - "Leder-Bermuda“, Loferl mit Sneakersocken und lilafarbene Mini-Lederhosn für Frauen: Bei einigen Discountern steigt in dieser Woche das Wiesnfieber. Die Bayern sind empört.

Rudi Maier „kann ich nur noch lachen“. Früher, da hat sich der Vorstand des Unterhachinger Trachtenvereins „D’Hachingertaler“ „darüber geärgert“, heute nimmt er Mini-Dirndl und Lederhosen-Imitate aus Stoff kopfschüttelnd und mit Humor.

Mehrere Discounter starten in dieser Woche ihre Aktionen zur Wiesn. Im Angebot: ein knapper Trachten-Lederrock in Lila für die Damen, die „Trachten-Lederbermudas“ mit Polyester-Innenstoff für den Herren und dazu Loferl mit Sneaker-Socken, die an Tennissocken erinnern. Und das ganze für nicht mehr als 60 Euro pro Teil.

„Das hat nichts mit einer Tracht zu tun“, betont Maier. „Das ist eher ein Faschingskostüm.“ Die Tracht „ist was Bodenständiges, was Althergebrachtes, das sich nur wenig verändert“, sagt der Experte. Außerdem ist die Tracht „ein identitätsstiftendes Merkmal“, sagt der ehrenamtliche Heimatpfleger im Landkreis München, Alfred Tausendpfund. Sie ist „getragene Tradition“. Zumindest die echte.

Für Trachtler-Vorstand Maier sind Frauen im Polyester-Look und Männer in Bermudas „keine Trachtler, sondern arme Menschen. Die wissen gar nicht, was sie da machen“. Die Wiesn sei Kommerz, „jeder will teilhaben“. Über den Billigtrend sind auch Facebook-Nutzer entsetzt: „I find, des is einfach respektlos der bayrischen Tradition und der Tracht gegenüber“, schreibt ein Nutzer auf der Facebook-Seite des Münchner Merkur. „Ein absolutes NoGo“ sagt ein anderer.

Anita Hofberger hat nahezu Mitleid mit Trägern von Billigware. „Viele wissen gar nicht, was sie ihrer Haut antun“, sagt die Inhaberin von „Anitas Trachtenkammerl“. In ihrem Trachtenmode-Laden in Taufkirchen kleidet sie nicht nur seit 26 Jahren Kinder und Erwachsene – darunter auch Prominente – ins bayerische Festtags-Gewand. Das sei leicht vom Imitat aus dem Supermarkt zu unterscheiden: Billigware färbe oft ab, die „erkennst du schon am Geruch“. Dann duftet die Hose nicht nach Hirsch oder Gamsbock, sondern riecht nach Chemie. „Und die ist viel dünner, richtig labbrig wie eine Jogginghose“.

Bei Qualitätsware koste das Fell allein schon bis zu 350 Euro, Arbeitsstunden nicht mit eingerechnet. Für ein Dirndl sitzen Hofbergers Schneiderinnen 40 bis 60 Stunden an der Maschine, „die kannst du nicht für 60 Euro anbieten. Was die als Tracht verkaufen, hat nix mit Tracht zu tun“, sagt die Modeladen-Inhaberin beim Blick auf die Super-Angebote vom Discounter. Bei denen „stellt’s mir die Haare auf“.

Garniert werden die im Discounter-Sortiment von "bayerischen" Schmankerln wie „Eisbein, stückig in Aspik“ aus der Dose. Sicher nichts für echte Trachtler.

Janine Tokarski

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