Orientalische Speisen servierten türkische Familien beim Fastenbrechen, so zum Beispiel (vorne v.l.) Segal, Mustafa und Yasemin und Kever Sahin. Zu Gast waren auch (hinten vl.l.) Zweiter Bürgermeister Hartmut Lilge und Integrationsbeauftragter Ali Danabas. Foto: Jürgen Bollig

Fastenbrechen in Neubiberg: Muslime und Nicht-Muslime kommen ins Gespräch

Neubiberg - Integration geschieht oft am besten nebenbei. Das bewies jetzt auch das gemeinsame Fastenbrechen von Muslimen und Nicht-Muslimen, zu dem türkische Bürger eingeladen hatten.

Samstag, exakt 20:39 Uhr: Auf die Bühne tritt ein schmächtiger Mann mit einer einfachen Stoffkappe auf dem Kopf. Er hebt die Hände zum Haupt und rezitiert im Singsang arabische Verse. Es ist die Verkündigung des allabendlichen Fastenbrechens im muslimischen Fastenmonat Ramadan durch den Muezzin, den Ausrufer. Die Anwesenden des Fastenbrechens in der Aula der Neubiberger Volksschule erheben sich und steuern in Richtung des großen Buffets. Es fällt auf, dass der Großteil von ihnen gar keine Moslems sind. Der Grund hierfür seht etwas abseits beobachtet zufrieden das Geschehen: Mustafa Sahin.

Der Putzbrunner Moslem organisiert schon seit Jahren gemeinsame „Iftar“ im Landkreis - so heißt das rituelle Fastenbrechen im Ramadan. „Nirgendwo kann man sich besser unterhalten und kennen lernen als beim Essen“, sagt er. Deshalb hält er das gemeinsame Feiern des Ramadans für den interkulturellen Austausch von Muslimen und den Anhängern anderer Religionen für besonders geeignet. Das Interesse an den Iftars, die der engagierte Putzbrunner in den vergangenen Jahren organisierte - immer in einer anderen Gemeinde - war so auch immer groß. Auf die Hilfe von Seiten der Kirchen und Gemeinden konnte der Moslem dabei immer zählen.

Unterdessen kehren die ersten Besucher mit vollen Tellern an ihre Tische zurück. Die Moslems, die gemäß dem Fastengebot nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang nicht essen und trinken durften, setzen sich zusammen mit den Nicht-Muslimen nieder und beginnen zu essen. Und tatsächlich einwickeln sich erste Gespräche. Sahins Konzept der Integration von unten scheint mal wieder aufzugehen.

11 000 Muslime leben im Landkreis. „Wir leben in denselben Straßen, zahlen für dasselbe Finanzamt und fahren mit demselben Bus“, sagt Sahin. Doch es gibt auch Unterschiede. Diese als Bereicherung und nicht als Trennung zu begreifen, ist das Ziel der Veranstaltung.

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