Insgesamt 20 Aquarien besitzt Teresa Westermeier, die Biologie an der Uni München studiert. foto: robert brouczek

Fasziniert vom Leben unter Wasser

Neubiberg - Ihr Traumjob steht lange fest: Nicht am Lehrerpult will Teresa Westermeier einmal „hängen bleiben“ - sie drängt es zu ehrgeizigen Forschungsprojekten. Besonders die Kommunikationsstruktur von Fischen hat es der 21-Jährigen angetan.

Ein wenig mulmig wird ihr noch immer bei dem Gedanken daran. Eines Nachts hatte die damals 18-Jährige ein lautes, schwer zu bestimmendes Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Im Aquarium gleich neben ihrem Bett hatte ein Paco-Piranha einen Zwetschgenkern, der im Kies vergraben lag, zwischen seinen Kiefern zermalmt. „Ich habe so einen Laut vorher noch nie gehört“, sagt Teresa Westermeier. Es habe geklungen, als würde Glas zerbissen werden.

Zwar ist der schwarz gefärbte, bauchige Fisch aus den Tropen ein Pflanzenfresser, doch zu nahe kommen sollte man ihm deswegen lieber nicht: Wenn er gereizt wird und sich verteidigen will, schnappt er gnadenlos nach allem, was ihm in den Weg kommt. Da hilft es wenig, dass seine Augen so träge dreinblicken und das rund 15 Zentimeter lange Tier überhaupt so aussieht, als sei es der friedliebendste Geselle schlechthin.

Der Paco-Piranha ist in der Lage, die buchstäblich härteste Nuss der Welt, die Paranuss, im Nu zu zerknacken und zu pulverisieren. Kein noch so ausgefeiltes Spezialgerät schafft das. „Auch der Finger eines Menschen ist ganz schnell ab“, schildert die Biologie-Studentin.

Die Fütterung in dem 1,50 Meter langem Aquarium hat sie wegen dieser wie auch anderer nicht ungefährlicher Exoten wie dem weißen Wels oder dem westafrikanischen Buntbarsch zur Chefsache erklärt. „Niemand langt mir da rein“, erklärt sie mit scherzhaftem Unterton, „es sei denn, er hat einen Nachweis, der ihn zum Umgang mit den Tieren befähigt.“ Eine Situation die allerdings nie vorkommt: Kein anderer im Landkreis und wohl in ganz Deutschland kennt sich mit seltenen Fischen so gut aus wie Westermeier. Wegen ihres Wissens ist sie inzwischen zu einer kleinen Sensation im Wissenschaftsbetrieb geworden. Die Auffangstation in Reptilien in München etwa wendet sich in schwierigen Fällen regelmäßig an die Neubibergerin, im Mega-Aquarium „Sealife“ führt sie Kinder an die Glasscheiben, und auch Universitätsprofessoren sind hellhörig geworden, was für ein Nachwuchs da in ihren Reihen gedeiht.

Die zierliche 21-Jährige, die in diesem Semester an der Uni München ihr Biologie-Studium aufgenommen hat, verfolgt hartnäckig einen Traum: Sie will die akustische Kommunikation von seltenen Fischarten erforschen - ein Spezialgebiet, das in Fachbüchern und Wissenschaftsjournalen ein blinder Fleck ist. In ihren Aquarien in der elterlichen Wohnung in Neubiberg schwimmen Dutzende Fische, von deren Verhaltensweisen man so gut wie nichts weiß. Der weiße Wels etwa: Bislang glaubte man, dass alle Vertreter der Gattung Wels friedlich in Schwärmen zusammenleben. Bis Westermeier die schmerzliche Erfahrung machte, dass dem offenkundig nicht so ist: Zwei Exemplare, die sie bei einem Exotenhändler in Rosenheim teuer erworben hatte, brachte sie in einem ihrer insgesamt 20 Aquarien zusammen und musste mitansehen, wie schon nach wenigen Minuten das Männchen das Weibchen totbiss. „Die gehören zu einigen der wenigen Wels-Arten, die Einzelgänger sind“, hat die Studentin beobachtet.

Auch dass Fische nach landläufiger Meinung „dumm und stumm“ sind, ist ein Irrtum, wie Forschungen an bekannten Spezies belegen. „Es gibt kaum Tiere, die auf vielfältigere Weise miteinander kommunizieren“, weiß Teresa Westermeier. Drohgebärden, Paarungsbereitschaft, selbst Warnungen und Gefahrensignale - all das wird in den buntesten Facetten vermittelt.

Woher kommt diese an Leidenschaft grenzende Liebe zu den Fischen? Die 21-Jährige Studentin weiß das selbst nicht so genau. Fest steht aber, dass sie schon als Vierjährige auf Reisen ans Meer mit Fangnetzen und Käschern unterwegs war. „Alles, was im Schlamm kreuchte und fleuchte, habe ich gesammelt. Das Leben hat mich schon immer fasziniert.“ Eine echte Biologin eben.

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