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Ralph Peter Rauchfuss (r.) gewinnt gegen Rochus Kammer.

Wahl des Kreisvorsitzenden geht 34:16 aus

FDP: Rauchfuss schlägt Kammer in Kampfabstimmung

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Landkreis – Ralph Peter Rauchfuss bleibt Kreischef der FDP. Er schlägt seinen Kontrahenten Rochus Kammer mit 34:16 Stimmen. Er kündigt große Taten an.

Ralph Peter Rauchfuss (62) wird die FDP München-Land zwei weitere Jahre führen. Mit einer bemerkenswerten Rede und einer auf den Kreis ausgerichteten Programmatik schlug der amtierende Vorsitzende den überraschend angetretenen Herausforderer, Amtsvorgänger Rochus Kammer (59), in einer Kampfabstimmung mit 34 zu 16 Stimmen. 

Mit seinem Plan, den Kreisvorstand im Interesse von mehr Effektivität von zwölf auf neun Personen zu reduzieren, scheiterte Rauchfuss allerdings. Es siegte das von Kreisrat Jörg Scholler geführte Kammer-Lager. Mit der Forderung, Ortsverbände müssten im Vorstand vertreten sein, setzte Scholler sich durch. „Natürlich habe ich gewonnen“, kommentierte Rauchfuss den Ausgang der Wahlen in Grasbrunn.

An einem Erfolg gezweifelt habe er nicht. „Ich bin mir meiner Arbeit bewusst.“ Anstrengend sei es trotzdem gewesen, sagte der in Haar lebende Kommunalpolitiker. Die öffentliche Kampfabstimmung habe ihn Kraft gekostet. Die nicht nur im gegnerischen Lager gehegte Sorge um seine Gesundheit hält Rauchfuss für nicht notwendig. Diabetes und Operationen hatten ihn eine Zeit lang aus dem Spiel genommen. Doch das sei überwunden, sagte der Journalist und Verleger, und präsentierte sich in Grasbrunn in alter Form.

Die Rede, die Rauchfuss hielt, war einer der Höhepunkte des Abends. Sie ließ den 62-Jährigen als einen erscheinen, der auch als Politiker Mensch bleiben will. In den vergangenen Wochen, sagte Rauchfuss, habe er „Dinge erlebt, die man nicht erleben mag“. Er sei persönlich angegangen worden, so „maßlos beleidigt“ worden, dass er kurzzeitig ans Aufgeben gedacht habe. „So etwas dulde ich nicht.“ Seine FDP stehe für Respekt dem politischen Gegner gegenüber und der Konkurrenz in den eigenen Reihen. „Gegeneinander ist für mich ein Unding“, sagte Rauchfuss unter Applaus. 

Wie in den schlechten, alten Tagen im Jahr 2013, als die FDP aus Land- und Bundestag geflogen war, hatte sich der Kreisverband in unterschiedliche Lager aufgespalten: das Rauchfuss- und das Kammer-Lager. Von 2010 bis 2012 führte Rochus Kammer den Verband, ehe Rauchfuss den designierten Landtagskandidaten mit einer Stimme Mehrheit aus dem Amt katapultierte. 

Nun trat Kammer wieder an, um der Partei im Jahr vor der Bundestagswahl mit seiner Erfahrung auf die Füße zu helfen. Seiner Ansicht nach läuft es längst nicht so gut, wie von Rauchfuss dargestellt. „Seit vier Jahren sind wir aus der Öffentlichkeit verschwunden“, verpasste er dem Journalisten eine satte Watschn: „Wenn wir so weitermachen, haben wir keine Chance.“ 

Der neue Kreisvorstand müsse in Kreis, Land und Bund tätig sein, sagte Kammer. Über Kontakte auf Landes- und Bundesebene sei er ausreichend gut vernetzt, hielt Rauchfuss dem Herausforderer entgegen. „Alles schön und gut.“ 

Wirklich wichtig für die Menschen im Landkreis sei nun mal Kreispolitik. Konkret kündigte er an, mit Beisitzern Themen wie Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Schule sowie Soziales, Inklusion, Behindertenrecht und Veterinärmedizin abzudecken. Letzteres vermutlich ein Präsent für Bezirksrätin Gabi Berg (56), Tierärztin aus München, für die es auf dem Landesparteitag Mitte Oktober um einen guten Listenplatz geht. 

Am Ende schob er ein Zuckerl nach: Dem chronisch klammen Kreisverband versprach er, über Kontakte in die Wirtschaft die benötigten Mittel für Bundes- und Landtagswahlen zu beschaffen. Immerhin 50 000 Euro. Den Europabeauftragten übrigens werde es im Vorstand nicht mehr geben, sagte Rauchfuss später. Den Posten hatte bisher der Herausforderer inne. Als Beisitzer zwar wieder gewählt, wird Rochus Kammer auf neue Aufgaben hoffen müssen.

Rochus Kammer sagte nach der Wahl, er habe der Partei eine Alternative bieten wollen. Er verlor kein böses Wort über den Wahlsieger. „Wir sind nicht die bösartigen Gegner, die man in uns sieht. Wir haben nur jeder einen eigenen Stil.“ Seine Dienste wird er der FDP künftig wohl nicht nur als Beisitzer anbieten. Die Kandidatur für den Landtag jedenfalls schließt Kammer nicht aus.

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