Fehlalarm für die Feuerwehr - fast 500 Mal im Jahr im Landkreis München

Garching - Die Feuerwehr braust mit Blaulicht zur Einsatzstelle. Am vermeintlichen Brandort angekommen dann die Erleichterung, in die sich oft auch Ärger mischt: Es brennt nicht - Fehlalarm.

Das passiert im Landkreis München fast 500 Mal pro Jahr. "Für die Freiwilligen Feuerwehren kann das ein echtes Problem sein", weiß Alois Riederer, Kommandant der Unterföhringer Wehr. Rückt man zu oft umsonst aus, könne es sein, dass die Feuerwehrleute beim nächsten Alarm nicht mehr kommen. Auch deshalb, weil Ärger mit dem Arbeitgeber droht. "Das kann für den Einsatzleiter leicht in die Hose gehen", sagt Riederer. Nämlich dann, wenn wirklich etwas passiert.

816 Brandmeldeanlagen gibt es im Landkreis - zum Beispiel in Bürogebäuden, Tiefgaragen, Hotels oder Schulen. Im Jahr 2007 haben die Anlagen 549 Alarme in der Einsatzzentrale im Landratsamt ausgelöst. Davon waren 497 Fehlalarme. "Der Haken dabei ist meist nicht die Technik", sagt Jürgen Weiß. Der Unterschleißheimer leitet den Fachbereich "Vorbeugender Brandschutz" beim Landesfeuerwehrverband und arbeitet im Landratsamt im Sachgebiet Brand- und Katastrophenschutz. Laut Weiß haben die meisten Fehlalarme organisatorische Ursachen. Zum Beispiel, wenn Wartungsarbeiten nicht angemeldet werden; oder die Anlage bei Bauarbeiten nicht abgeschaltet wird. Dann kann es passieren, dass Arbeiter die Anlagen beschädigen, oder dass Staub beim Schweißen oder Schleifen die Rauchmelder auslösen.

"Ein Brand muss in der Entstehungsphase erkannt werden", erklärt Brandschutz-Experte Weiß. "Deshalb müssen die Rauchmelder so sensibel sein." Das mache sie aber auch störungsanfällig. Bei den 52 echten Brandmeldungen sei durch den frühzeitigen Alarm größerer Schaden verhindert worden. "Für mich sind Brandmeldeanlagen ein wichtiges Element im Brandschutzkonzept eines Gebäudes", sagt Weiß.

Damit die Feuerwehren nicht mehr so oft umsonst ausrücken müssen, wertet die Brandschutz-Abteilung des Landratsamtes die Falschalarme genau aus. "Spätestens nach dem Zweiten setzen wir uns mit dem Betreiber oder der Wartungsfirma in Verbindung", erklärt Jürgen Weiß. Dann überlegt man gemeinsam, ob das Brandmeldesystem angepasst werden muss, Betriebsabläufe geändert werden können oder das Personal besser eingewiesen werden soll. Auch die Feuerwehren suchen den direkten Kontakt mit den Betreibern. Das Konzept geht auf, wie die Statistik zeigt. Der Anteil der Fehlalarme geht zurück, von 96,8 Prozent im Jahr 1996 auf 90,5 Prozent 2007. "Die Firmen sind stärker sensibilisiert für das Problem", glaubt Kommandant Riederer.

Dazu trägt wohl auch bei, dass die Betreiber der Anlagen oder die Verursacher der Fehlalarme zur Kasse gebeten werden können. Einige Städte und Gemeinden stellen eine Rechnung. "Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler dafür aufkommen muss", sagt Thomas Stockerl, Pressesprecher der Stadt Unterschleißheim, die Gebühren für Leistungen der Feuerwehr erhebt. Schließlich machten auch manche Arbeitgeber der Floriansjünger den Verdienstausfall bei der Stadt geltend. Zwischen 300 und 500 Euro kann ein Einsatz bei einem Falschalarm kosten, je nachdem, wie viele Fahrzeuge ausrücken und welche Geräte mitgenommen werden.

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