Autobauteile aus dem 3D-Drucker

Feldkirchen - „Alphaform" setzt zum Sprung über die 100-Millionen-Euro-Grenze an. Der 1996 in Feldkirchen gegründete 3D-Druck-Dienstleister plant für 2015 mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und will 2019 die 100 Millionen erreichen.

Manch einer mag beim Thema 3D-Drucker an Raumschiff Enterprise denken. Mit Science Fiktion hat 3D-Druck aber nichts mehr zu tun. Für 1200 Euro bekommt heute jeder einen anständigen Drucker für den Hausgebrauch. Die Maschinen, mit denen „Alphaform“ produziert, kosten 600 000 Euro.

Das Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern an fünf Standorten beliefert die Automobilindustrie und die Medizintechnik. Weitere Sparten sind Maschinenbau, Luftfahrtindustrie und der so genannte „hochwertige Consumermarkt“, Teile für Oldtimerfans, Modellflieger oder Uhrensammler. „Das ist ein Marktsegment mit wenig preissensiblen Kunden“, stellt Rene Leibold fest. Dem Landesgeschäftsführer des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft gefällt, was in Feldkirchen gerade passiert. Maßgeblich daran beteiligt, dass ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 29 Millionen Euro anstrebt, schon 2019 die 100-Millionen-Euro-Umsatzgrenze zu knacken, ist das im vergangenen Jahr neu installierte Management, Vorstandsvorsitzender Hanns-Dieter Aberle und Finanzvorstand Thomas Kresser. „Von einem Manufaktur- und Prototyping-Betrieb zur industriellen Fertigung“, umschreibt Aberle das große Vorhaben. Neue Kopfstützen etwa für Autohersteller oder aus Titanpulver produzierte Körperersatzteile für Schulter, Knie und Hüfte sollen in Serienproduktion hergestellt werden. Bei Bedarf liefert „Alphaform“ ganze Gussformen für Werkzeuge.

Saubere Industrie, qualitativ hochwertige Jobs, wenig lärm- und feinstaubintensiver Lieferverkehr. „Alphaform“ zählt zu den Hightech-Unternehmen, mit denen jede Kommune ihr Gewerbegebiet schmücken mag. Aberle ist überzeugt, Jobs aus Billiglohnländern wie China oder Indien in Hochlohnregionen wie den Münchner Speckgürtel zurück zu holen. „3D-Druck ist ein Geschäft mit hohem Investitionsaufwand.“ Doch wenn die Drucker erst mal stehen, dann produzieren sie. Den Weg an die Öffentlichkeit haben Kresser und Aberle bewusst beschritten. Für einen Moment scheint es, als suchte der Vorstandsvorsitzende nach den richtigen Worten. „3D-Druck in der Erwartungshaltung - das ist sexy und Fluch gleichzeitig“, sagt Aberle schließlich: „Einen Maserati, ein Haus oder schnell mal die zerbrochene Tasse aus dem chinesischen Teeservice nachdrucken - so funktioniert das eben nicht.“

„Raumschiff Enterprise“, 3D-Druck und die Erwartungshaltung. Hannss-Dieter Aberle hat keinen Zweifel: Als mittelständisches Unternehmen mit attraktiver Technologie gelingt der anvisierte 100-Millionen Euro-Sprung. „Das regelt der Markt“, meint Kresser. Der Region verschafft „Alphaform“ zukunftssichere Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachkräfte, die sonst ins Ausland abwandern würden.

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