Gekennzeichnet für die Säge: Einige der Bäume auf dem Friedhof in Feldkirchen werden gefällt. Foto: Bew

Kein Ende der Baumfällarbeiten

Feldkirchen - Eine neue Linie fährt die Gemeinde Feldkirchen im Umgang mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer und seinen Folgen: Sie will das Fällen von Bäumen nicht mehr rechtlich anfechten. Derweil verschwindet weiteres Grün - diesmal am Friedhof.

Die Vögel wurden schon umgenistet. Jetzt bekommen die Bäume und die Bürger in Feldkirchen ein weiteres Mal die Folgen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) zu spüren: Am Friedhof werden 40 bis 50 Bäume gefällt. Zuletzt waren 32 Bäume an der Oberndorfer und Pfarrer-Axenböck-Straße der Jagd nach dem Käfer zum Opfer gefallen, an ihnen wurde aber kein ALB-Befall festgestellt (wir berichteten).

Damit macht die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mit ihrer Drohung ernst, die Wirtsbäume fällen zu lassen, die in einem 100-Meter-Radius um Fundstellen im Ort stehen. Das betrifft Ahorn, Birke, Rosskastanie, Pappel und Weide. Die LfL rechnet damit, dass übersehene Käferlarven in diesem Jahr aus den Bäumen herausschlüpfen und sich neue Eiablagestellen suchen. Durch dieses sogenannte Ausbohren kann der Baum so stark beschädigt werden, dass er abstirbt.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist bei den hiesigen Temperaturen alle zwei Jahre aktiv, im Oktober 2012 war der Käfer, der zu den zehn gefährlichsten Holzschädlingen weltweit zählt, in Feldkirchen gesichtet worden. Seitdem wurden Hunderte Bäume nahe der Haarer Grenze, am Tucherpark und in den Haarer Ortsteilen Salmdorf und Ottendichl gefällt.

Die Gemeinde hatte gegen weitere Fällungen vor dem Verwaltungsgericht München Widerspruch eingelegt und verloren. Das Gericht sieht in den Fällungen die einzige wissenschaftlich anerkannte Möglichkeit, dem Käfer Herr zu werden. Es gebe keine anderen Mittel, die den gleichen Erfolg hätten, nämlich die Ausrottung des Käfers, so die Begründung. Die Wirksamkeit von Insektiziden sei nicht erwiesen, zudem hätten sie teilweise extreme Nebenwirkungen, wie ein Bienensterben. Gefällte Bäume im Ortsbild ließen sich außerdem nachpflanzen, so das Gericht.

Der Rechtsanwalt der Gemeinde, Ulrich Steffen, präsentierte das Urteil in der jüngsten Gemeinderatssitzung und stellte die weiteren Möglichkeiten vor: Angesichts der möglichen Gerichtskosten und der möglichen Bußgelder der LfL, die bei ausbleibenden Fällungen bis zu 50000 Euro teuer werden können, riet er, die Fällungen nicht weiter anzufechten: „Ich sehe auf Dauer überhaupt keine Chance.“

Erhard Mágori (Unabhängige Wählervereinigung) stimmt dem zu: „Ich sehe auch keinen Sinn darin, Geld zu vernichten.“ Er befürchte aber, dass Feldkirchen ein Opfer bringe, das sich nicht rentiere, da der ALB in Europa nicht aufzuhalten sei. Mágori machte den Vorschlag, auch Statistiker in die Suche nach dem Käfer einzubeziehen, die anhand der Untersuchungen gefällter Bäume Aussagen zum weiteren Befall machen könnten. Michael Burger (SPD) forderte seine Gemeinderatskollegen auf, mit der LfL zu kooperieren. Das gesparte Geld für die Zwangsgelder solle man lieber in neue Bäume investieren. Demnächst sollen gemeinsam mit dem Bund Naturschutz etwa 300 Pheromonfallen aufgehängt werden, um den Käfer besser eingrenzen zu können, wenn er diesen Sommer auftauchen sollte.

Mit fünf Gegenstimmen entschied sich der Gemeinderat Feldkirchen dafür, die Fällungen nicht weiter rechtlich anzufechten. Sie hoffen auf Forscher, die in Feldkirchen andere Mittel gegen den ALB ausprobieren wollen. Allerdings gab es auch in diese Richtung schon in der Vergangenheit erfolglose Versuche.

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