+
Hoffnungsschimmer am Horizont: Laut Bahn verschwindet das steile Gerüst am Bahnhof Anfang November.

„Für ältere Menschen fast unmöglich, zum Zug zu kommen“

Baustelle am Bahnhof Feldkirchen: Dann soll die Behelfsbrücke verschwinden 

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
    schließen

Ein Dauerärgernis kochte bei der Bürgerversammlung in Feldkirchen hoch: die Behelfsbrücke am S-Bahnhof. Doch die soll laut Deutscher Bahn offenbar bald schon verschwinden.

Feldkirchen – Während die Tische im Vorjahr nur spärlich besetzt waren, war die Feldkirchner Bürgerversammlung heuer gut besucht. Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) zeigte sich zufrieden mit 2019, und auch von den Bürgern gab es kaum Kritik an ihm oder dem Gemeinderat. „Die“ Ärgernisse sind nach wie vor die Dauerbaustelle am S-Bahnhof, die aber offenbar Anfang November beendet sein soll, sowie der Lkw-Verkehr im Ort. „Beides ärgert uns ungemein – aber an beidem können wir als Gemeinde kaum etwas ändern“, bedauerte van der Weck.

Am meisten brennt den Feldkirchnern die Endlosbaustelle am S-Bahnhof auf den Nägeln. Mehrfach kam die Frage, wann diese endlich abgeschlossen sei, die steile und rutschige Behelfsbrücke verschwinde. „Für ältere Menschen, Leute mit einer Gehbehinderung, aber auch junge Mütter und Väter mit einem Kinderwagen ist es fast unmöglich, zum Zug zu kommen – und das seit eineinhalb Jahren“, beschwerte sich Andreas Zanner.

Bahnhof Feldkirchen: Das ist der Grund, warum die Bauarbeiten nur schleppend vorwärtsgehen

Auch für ihn sie dieses Thema ein Dauerärgernis, räumte van der Weck ein. Er und seine Mitarbeiter hätten sich unzählige Male bei der Bahn beschwert, warum nichts vorwärtsginge. Die Gemeinde habe aber keinerlei Möglichkeiten einzugreifen. „Offensichtlich haben die Baufirmen Probleme, Personal bereitzustellen, zeitgleich werden 15 Bahnhöfe barrierefrei umgebaut“, erläuterte der Bürgermeister. Spätestens Anfang November soll die Behelfsbrücke abgebaut sein, für den 4. November habe er die feste Zusage, dass sämtliche Bahnsteige barrierefrei erreichbar sind. „Da sind dann noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen, aber wir kommen hoffentlich problemlos zum Zug.“

Lesen Sie auch: Bahngäste müssen umsteigen - als sie die steile Treppe sehen, bricht Frau in Tränen aus

Zweites großes Thema ist und bleibt der Verkehr, speziell der stark gestiegene Lkw-Verkehr. Josef Diehl ist 2014 nach Feldkirchen gezogen. „Seither hat sich die Durchfahrt von sehr großen, schweren Lkws enorm gesteigert, die zudem viel zu schnell durch den Ort rasen“, monierte er und wollte wissen: „Warum tut die Gemeinde nichts dagegen, richtet Tempo 30-Zonen ein, auch auf der Bundesstraße, so wie in Ottendichl?“ Zahlreiche Bürger forderten gar ein generelles Lkw-Durchfahrtverbot durch Feldkirchen, Brigitte Pfaffinger beschwerte sich zudem über die vielen abgestellten Lkws und Anhänger an diversen Straßen: „Einige ragen in Kreuzung rein, dass man kaum abbiegen kann.“

Bürgermeister: Probleme mit Lkw-Verkehr lassen sich nur schwer lösen

Van der Weck gab den Bürgern Recht, der zunehmende Schwerlastverkehr sei unerträglich, ebenso die vielen parkenden Laster und Anhänger. „Aber die B 471 ist eine Bundesstraße, da können wir keine Tempo-30-Zone einrichten. Zudem ist das die gesetzlich festgelegte Ausweichroute, falls die A 94 blockiert ist“, sagte van der Weck. Die abgestellten Anhänger stünden dort leider legal, zwei Wochen dürfe jeder. Wenn er dann sein Fahrzeug nur ein paar Zentimeter bewege, könne keine Kontrolle mehr greifen. „Erlassen wir ein Parkverbot, verstopfen sie die Nebenstraßen, das wollen wir doch auch nicht“, sagte der Rathauschef. „Ich sehe da keine Lösung.“

Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) machte keine Hoffnungen. „Jeden Tag pendeln 245 000 Menschen in den Landkreis zum Arbeiten – leider viele davon mit dem Auto.“ Die Forderung nach einem Lkw-Verbot auf der B 471 unterstütze er, doch es sei keineswegs sicher, ob auch die Regierung von Oberbayern zustimme. „Und auf die ’neue’ B 471 würde ich nicht zu viel Hoffnungen setzen, wir lassen mögliche Trassen zwar ab 2020 prüfen, das dauert zwei Jahre, dann beginnt eine mögliche Planung. Ich denke aber nicht, dass es diese Straße geben wird“, sagte Göbel.

Jürgen Claudi beschwerte sich, dass man zwar eine neue Turnhalle gebaut habe, es aber keine Beleuchtung am Trainingsfeld der Fußballer gebe. „Wenn ich meinen Enkel hinbringe, sehen wir jetzt im Herbst gar nichts mehr – eine totale Fehlplanung.“ An mehreren Runden Tischen, führte van der Weck aus, sei betont worden, dass auf diesem Platz abends keiner trainiere. Daher habe man auf Beleuchtung verzichtet. Claudis Antrag, Lampen zu installieren, befürworteten die Bürger fast einstimmig. Der Gemeinderat hat nun drei Monate Zeit, das Thema zu behandeln.

Das könnte Sie auch interessieren: MVV-Tarifreform: Das soll sich im Landkreis München ändern

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Landratsamt warnt: Bootfahren auf der Isar bleibt gefährlich
Sommerliche Temperaturen locken auch dieses Wochenende wieder viele Besucher an die Ufer der Isar: Von einer Bootsfahrt auf dem Wildfluss rät das Landratsamt aber …
Landratsamt warnt: Bootfahren auf der Isar bleibt gefährlich
Coronavirus im Landkreis München: Vier neue Infektionen, Zahl der aktiven Fälle bleibt stabil
Das Coronavirus ist immer noch präsent im Landkreis München. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Vier neue Infektionen, Zahl der aktiven Fälle bleibt stabil
BMW gegen BMW: 20.000 Euro Schaden
Beim Linksabbiegen hat ein BMW-Fahrer in Oberschleißheim den Gegenverkehr übersehen. Es krachte heftig.
BMW gegen BMW: 20.000 Euro Schaden
Im Vogelviertel schlagen die Anwohner Alarm
Das Bürgerforum Vogelviertel hat sich jetzt in einem offenen Brief an Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer gewandt.
Im Vogelviertel schlagen die Anwohner Alarm

Kommentare